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Logistik Umfrage: Geschlossener Hafen in China hat mehr Folgen als Suez-Havarie

90 Prozent aller Elektronikexporte aus China laufen über den Hafen von Yantian. Die temporäre Schließung hat die globalen Lieferketten daher nachhaltig gestört.

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Der Hafen verbindet die Industriemetropole Shenzhen mit dem Ausland. Quelle: Reuters

Die Corona-bedingte zeitweise Schließung des chinesischen Handelshafens Yantian hat der deutschen Wirtschaft zufolge gravierendere Folgen für globalen Lieferketten und Warenströme als die Schiffshavarie im Suezkanal. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) unter 166 Unternehmen hervor, die am Mittwoch veröffentlich wurde.

Vor allem für die Technik- und Elektronikbranche stellten die zwischenzeitlich bei der Container-Verladung eingetreten Verzögerungen ein Problem dar. Zwar habe der Hafen, der die Industriemetropole Shenzhen mit dem Ausland verbindet, Anfang Juli seine Verladeaktivitäten vollständig aufgenommen.

„Die von uns befragten Unternehmen rechnen allerdings damit, dass auch die vollständige Inbetriebnahme des Hafens zu längerfristigen Beeinträchtigungen führen wird“, sagte Riccardo Kurto, China-Beauftragter des BME. „Die zu erwartenden mehrwöchigen Beeinträchtigungen dürften so lange anhalten, bis die Logistik wieder weitgehend reibungslos funktioniert.“

Normalerweise würden rund 90 Prozent aller Elektronikexporte aus der Volksrepublik über den Hafen von Yantian laufen, so der Bundesverband. Auf die Stadt entfallen demnach rund zehn Prozent der chinesischen Ausfuhren. Mit Warenlieferungen im Wert von über 700 Milliarden US-Dollar sei die Provinz Guangdong die mit Abstand exportstärkste Region des Landes. Da weltweit nur die Häfen in Shanghai, Ningbo und Singapur mehr Container im Jahr verladen als Yantian, könnten die jetzt eingetretenen Verzögerungen die globalen Lieferketten und Lieferantenstrukturen empfindlich treffen.

Die lokale Verwaltung hatte ab 21. Mai Quarantäne-Maßnahmen und Corona-bedingte Betriebsschließungen verfügt. Seitdem sei ein Teil der Anlegeplätze und Kräne für rund einen Monat nicht verfügbar gewesen. Vor den Hafengewässern habe sich zeitweise ein Stau von über 130 Container-Schiffen gebildet. „Zwischenzeitlich wurden über Yantian nur knapp 40 Prozent der üblichen Containermenge verschifft“, sagte der BME-Vorstandsvorsitzende Gundula Ullah. Im März hatte bereits die Havarie eines Containerschiffes den Suezkanal zeitweise lahmgelegt und Lieferketten unterbrochen.

Die Störung der Lieferketten ist ein ernstes Problem für die Handelsnation Deutschland. Fast 64 Prozent der Industriebetriebe klagten in der Juli-Umfrage des Ifo-Instituts über Engpässe bei Vorprodukten wie Chips. Das strahlt mittlerweile auch auf andere Branchen aus: So klagen 60 Prozent der Groß- und mehr als 42 Prozent der Einzelhändler über Probleme.

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