Lufthansa Spohr nennt kein Gewinnziel – wegen des Terrors

Skeptisch blickt Lufthansa-Chef Carsten Spohr in die Zukunft – und verkneift sich daher eine konkrete Gewinnprognose für 2016. Die Vorzeichen stehen allerdings schlecht: Im zweiten Quartal brach der Nettogewinn ein.

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Menschenmengen an den Flughäfen Quelle: dpa
Michael O´Leary. Quelle: dpa
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Lufthansa-Chef Carsten Spohr scheut angesichts von Terrorangst und Buchungseinbruch ein neues konkretes Gewinnziel für 2016. Der Vorstand habe derzeit keine gute Sicht darauf, wie viele Menschen kurzfristig noch Flüge buchen werden, sagte Finanzchefin Simone Menne am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in Frankfurt. Die Unsicherheit drücke auf die Ticketpreise.

Ende Juli hatte die Lufthansa ihre Prognose für den bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) gekappt und geht demnach nur noch von einem Ergebnis unter dem Vorjahreswert von 1,8 Milliarden Euro aus. „Wir werden uns im dritten Quartal sicher klarer zur Jahresprognose äußern“, sagte Menne. Analysten erwarten derzeit im Schnitt etwa 1,45 Milliarden Euro.

Menne, die in Kürze zum Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wechselt, versuchte unterdessen Ängste vor einem möglichen Ausfall der Dividende zu zerstreuen. „Alles, was derzeit an Kennzahlen vorliegt, macht uns dividendenfähig und lässt eine Auszahlung zu“, sagte sie. Das letzte Wort habe aber der Aufsichtsrat.

Womit die Lufthansa ihr Geld verdient

Doch die Vorzeichen stehen schlecht. So ist der Nettogewinn der Lufthansa im zweiten Quartal deutlich gefallen. Die Fluggesellschaft vermeldete am Dienstag einen Rückgang um 17 Prozent auf 437 Millionen Euro. Der Umsatz sank demnach um drei Prozent auf gut 8,1 Milliarden Euro. Finanzvorstand Simone Menne verwies allerdings darauf, dass im zweiten Quartal 2015 Sondereffekte das Ergebnis kräftig angeschoben hatten.

Mit Blick auf das gesamte erste Halbjahr 2016 erklärte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr, es sei „ein solides Ergebnis“ erwirtschaftet worden. Dazu trug nach Konzernangaben vor allem das Passagiergeschäft bei. Spohr verwies zudem auf Fortschritte bei den „Kostenstrukturen“ und beim Ausbau der Billigtochter Eurowings.

Die größte Ergebnisverschlechterung dagegen verzeichnete den Angaben zufolge die Frachtsparte Lufthansa Cargo. Im Frachtverkehr gebe es derart „massive Überkapazitäten“, dass die durchschnittlichen Erlöse inzwischen auf das Niveau der Finanzkrise von 2009 gefallen seien, erklärte der Konzern.

Wie es bei der Lufthansa besser werden soll

Der Luftfahrtbranche insgesamt steht nach Ansicht von Spohr ein „schwieriges zweites Halbjahr“ bevor. „Die Terroranschläge in Europa, aber auch die zunehmende politische und wirtschaftliche Unsicherheit hinterlassen im Passagierverkehr ihre Spuren“, erklärte er. So seien insbesondere Vorausbuchungen für Langstreckenflüge nach Europa zurückgegangen. Weiterhin sei mit hohem Preisdruck zu rechnen.

Der Lufthansa-Chef steht mit dem eher skeptischen Blick auf die kommenden Monate nicht alleine da. In den zurückliegenden Wochen haben nahezu alle europäischen Fluggesellschaften vor schwierigeren Zeiten gewarnt und teilweise die eigenen Prognosen massiv heruntergefahren. So hatte IAG, Mutterkonzern von British Airways und Iberia, die eigene Vorhersage deutlich nach unten korrigiert, ebenso der britische Billiganbieter Easyjet. Beide leiden nicht nur an den Folgen von Terror und massiven Überkapazitäten; bei ihnen kommen auch noch die Unsicherheiten nach dem Brexit-Votum der Briten sowie der Verfall des Pfund hinzu.

Experten warnen mittlerweile sogar vor einer weltweiten Krise in der Luftfahrt. „Besonders die Ankündigung von American Airlines, 22 bestellte A350 im Schnitt 26 Monate später in Empfang zu nehmen, sorgt für Befürchtungen, dass sich die Airline-Industrie nach den Boom-Jahren langsam auf einen zyklisch bedingten Abschwung einstellen muss“, heißt es in einem aktuellen Report der NordLB.


Hilft die neue Billig-Plattform Eurowings der Lufthansa?

Lufthansa-Chef Carsten Spohr dürfte gespalten auf den sich immer stärker abzeichnenden Abschwung blicken. Einerseits könnten die aufziehenden Wolken ihm dabei helfen, die letzte große Tarifbaustelle zu schließen. Die Piloten und das Management hatten am Montag vereinbart, ihre Verhandlungen über diverse Tariffragen bis zu diesem Freitag zu verlängern.

Die sechs größten Baustellen der Lufthansa

Der detaillierte Ausblick von Europas größter Fluggesellschaft dürfte einen nicht unerheblichen Einfluss auf eine mögliche Einigung haben, lassen sich Kompromisse doch stets einfacher in schwierigen als in gut laufenden Geschäftsjahren verkaufen.

Andererseits hätte Spohr einen noch etwas länger laufenden Boom gut gebrauchen können. Jetzt, da die Nachfrage einbricht, wird sich zeigen, wie gut die Maßnahmen, die der Lufthansa-Chef in den zurückliegenden Monaten mühsam durchgesetzt hat, wirklich greifen.

Hilft etwa die neue Billig-Plattform Eurowings der Lufthansa dabei, besser durch eine mögliche Krise zu kommen? Reichen die Sparmaßnahmen aus, hat Spohr hart genug verhandelt in puncto Kosten? Die sich abzeichnende Krise ist also auch eine Bewährungsprobe für den Lufthansa-Chef selbst.

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