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Luxusgüterkonzern Hedgefonds Third Point greift Richemont an

Der US-Fonds fordert von dem Konzern Maßnahmen, um der Aktie auf die Sprünge zu helfen. Richemont hinkt dem Branchenriesen LVMH seit Anfang 2020 hinterher.

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Auch operativ läuft beim Schweizer Mutterkonzern Richemont nicht alles rund. Quelle: Bloomberg/Getty Images

Hedgefonds nehmen Medienberichten zufolge den Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont ins Visier. Der aktivistische Investor Third Point ist beim Hersteller von Cartier-Schmuck und Uhren der Marken A. Lange & Söhne und IWC eingestiegen, wie das Branchenportal „Miss Tweed“ berichtete. Parallel dazu versuche die Gesellschaft des US-Star-Investors Daniel Loeb, den französischen Luxusgüterkonzern Kering zu einer Übernahme von Richemont zu bewegen.

Der „Financial Times“ zufolge drängt auch Artisan Partners auf Veränderungen bei Richemont. Der US-Fonds ist schon seit Jahren beim Genfer Unternehmen investiert und hält Angaben von Refinitiv zufolge 1,2 Prozent. Richemont lehnte am Montag eine Stellungnahme ab, Third Point konnte vorerst nicht erreicht werden.

Der aktivistische US-Investor Third Point fordere von Richemont Maßnahmen, um der Aktie auf die Sprünge zu helfen. Zwar legten die Titel im laufenden Jahr um 50 Prozent zu, hinken dem Branchenriesen LVMH seit Anfang 2020 aber immer noch hinterher.

Third Point habe in den vergangenen sechs Monaten eine Beteiligung von rund zwei Milliarden Dollar an Richemont aufgebaut, berichtete „Miss Tweed“ unter Bezug auf einen Insider weiter. Eine andere, dem Hedgefonds nahe stehende Person habe erklärt, die Position sei kleiner als eine Milliarde Dollar.

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    Über einen möglichen Zusammenschluss von Richemont und Kering war in der Vergangenheit wiederholt spekuliert worden. Nach der guten Aktienkursentwicklung in den vergangenen Monaten wäre Richemont dafür nun in einer besseren Ausgangslage als noch zu Jahresbeginn. Kering ist an der Börse gut 82 Milliarden Euro wert, Richemont rund 63 Milliarden Franken. Am Montag stiegen die Aktien des Genfer Unternehmens um 2,1 Prozent.

    Wird Online-Händler YNAP verkauft?

    Richemont bietet durchaus Angriffsfläche. So hat die Firma zwei Aktienkategorien: Börsennotierte A-Aktien und nicht börsennotierte B-Aktien, die vom südafrikanischen Milliardär und Richemont-Präsidenten Johann Rupert gehalten werden. Rupert kontrolliert so 9,1 Prozent des Kapitals, die aber 50 Prozent der Stimmrechte ausmachen.

    Die Struktur mit zwei Aktienkategorien sei nicht mehr zeitgemäß, erklärte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. „Meiner Meinung nach sind Third Point und Artisan Partners nicht die einzigen, die in diesem Sinne Druck ausüben, das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Den Einstieg von Third Point bezeichnete er als eine „vielversprechende Entwicklung, denn ein gewisser Druck von außen ist immer gut.“

    In anderen Fragen in Bezug auf gute Unternehmensführung hat Richemont bereits erste kleine Schritte gemacht. So kündigte der Konzern an, den im Vergleich zu anderen Schweizer Unternehmen große Verwaltungsrat etwas zu verkleinern und mit mehr von der Firma unabhängigen Mitgliedern zu bestücken. Richemont legt am Freitag den Zwischenbericht vor.

    Auch operativ läuft nicht alles rund. So schreibt der zu Richemont gehörende Onlinehändler für Luxusgüter, Yoox-Net-a-Porter (YNAP), seit Jahren Verluste. „Es gibt für das Unternehmen keine Notwendigkeit, YNAP zu besitzen, und ich erwarte, dass es letztendlich verkauft wird“, erklärte Kepler-Cheuvreux-Analyst Jon Cox. Er vermute, dass Richemont dies ohnehin vorhatte, wolle aber warten, bis YNAP schwarze Zahlen schreibe. „Ich bin mir nicht sicher, ob Third Point in der Lage sein wird, diesen Prozess zu beschleunigen“, so Cox.

    Third Point ist in der Schweiz kein Unbekannter. So engagierte sich der Investor 2017 beim Nahrungsmittelriesen Nestle. Kürzlich machte Loeb zudem mit der Forderung Schlagzeilen, dass sich der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell aufspalten solle.

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