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Machtfrage Kulturkampf spaltet Media-Saturn

Nach dem Rücktritt von Media-Saturn-Chef Horst Norberg bleibt die Situation im Unternehmen angespannt. Dem nächsten Chef des Elektronikhändlers droht ein Drei-Fronten-Krieg.

Nachdem Horst Norberg in der vergangenen Woche den Dienst quittiert hat, wir händeringend ein Nachfolger gesucht Quelle: dpa

Der Milliardär war außer sich. Er sei „in tiefer Sorge darüber, wie Media-Saturn derzeit von der Metro verwaltet wird“, schimpfte Erich Kellerhals, Minderheitsgesellschafter des Elektronikhändlers, Ende April in einer öffentlichen Stellungnahme. Über mangelnde Experimentierfreude, halb leere Regale und die „unbefriedigende Performance der Geschäftsführung“ maulte der 74-Jährige, der das Unternehmen einst mitgegründet hat. Von „unternehmerischer Führung“, so Kellerhals, könne keine Rede sein.

Wenige Tage genügten, um die Thesen des Elektro-Veterans Realität werden zu lassen. Nach der Attacke des Gesellschafters quittierte vergangenen Dienstag der Chef der Media-Saturn-Holding, Horst Norberg, entnervt den Dienst. Die Ingolstädter Elektroniktruppe steht jetzt tatsächlich ohne Führungsspitze da.

Zwischen Kampfeinsatz und Diplomatie

Die Suche nach einem Nachfolger dürfte sich schwierig gestalten. Ein interner Kandidat aus dem Kreis der verbliebenen Geschäftsführer soll bereits abgewinkt haben. Kein Wunder: Der Job gilt als eine Art Blauhelm-Mission der deutschen Wirtschaft, ein Mandat irgendwo zwischen Kampfeinsatz und diplomatischem Dienst.

Der Norberg-Erbe wird sich mit drei Kernproblemen herumschlagen müssen. Erstens steht das Unternehmen durch die Abwanderung der Kundschaft ins Internet operativ unter Zugzwang. Zweitens hat der künftige Anführer intern nur begrenzte Handlungskraft und muss alte Seilschaften zerschlagen sowie personellen Filz auflösen. Und drittens muss er vermeiden, in der Dauerfehde der Gesellschafter zum Spielball zu werden.

Der Streit zwischen den Anteilseignern währt nun schon seit Jahren. Auf der einen Seite steht Mitbegründer Kellerhals, auf der anderen Olaf Koch, Chef des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro, der über 78 Prozent der Anteile an Media-Saturn gebietet. Kellerhals ist zwar nur Minderheitsgesellschafter, hat sich vor Jahrzehnten aber Vetorechte ausbedungen. Über eine Beiratskonstruktion hebelte die Metro-Führung diese Konstruktion 2011 aus. Seither beharken sich die Parteien.

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