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Marketing Petition für „FruFoo“: Wann Nostalgieprodukte funktionieren

Der Quark (hier nicht im Bild) war wegen des Spielzeugs mitten im essbaren Produkt beliebt bei Kindern. Quelle: imago images

Verschwindet ein beliebtes Produkt aus dem Handel, sind Verbraucher meist machtlos - einmal aus dem Sortiment, finden die wenigsten Waren zurück ins Regal. Milchprodukte-Hersteller Onken wagt mit FruFoo den Relaunch.

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Früher war alles besser zumindest dürften viele FruFoo-Fans diesen Eindruck haben, wenn sie die Joghurtregale im Supermarkt nach etwas Brauchbarem absuchen. Denn der beliebte Quark der Neunzigerjahre ist dort schon seit 15 Jahren nicht mehr zu finden. Der Joghurt des Milchprodukte-Herstellers Onken aus Moers am Niederrhein war bis 2004 auf dem Markt und wegen des in der Mitte enthaltenen Spielzeugs besonders bei Kindern beliebt. Heute wünschen sich viele Liebhaber FruFoo zurück in den Lebensmittelhandel – und haben sogar eine Online-Petition gestartet mit dem Titel „Wir wollen Frufoo zurück“.

„Am 19. August haben wir diese Petition gestartet mit dem Ziel, über einen Relaunch nachzudenken, sollte diese 15.000 Stimmen generieren. Diese Marke hatten wir aber schon innerhalb weniger Stunden erreicht“, erklärt Junior Marketing Manager Stefan Hußmann von Emmi Deutschland die Wiedereinführung des Quarks. Bis zum 5. September hatten fast 300.000 Interessenten auf der Seite ihre Stimme für eine Wiedereinführung abgegeben.

Bereits im März dieses Jahres war eine Falschmeldung im Netz kursiert, laut der die Schweizer Aktiengesellschaft Emmi, die den ursprünglichen Hersteller Onken mittlerweile übernommen hat, den süßen Quark wieder auf den Markt bringen wolle.

Ob der Relaunch des Quarks so erfolgreich wird, wie es die Onlineabstimmung hoffen lässt, lässt sich nicht vorhersagen. „Der Relaunch von Nostalgieprodukten funktioniert in der Regel vor allem dann, wenn diese mit Kindheitserinnerungen verknüpft sind“, sagt Hans-Georg Häusel, Experte für Neuromarketing. Das menschliche Gehirn habe zwei Emotionssysteme: Eines für Neues, auf das Marketing mit Innovationen abziele und ein weiteres für das Bewährte. Dort setze das Marketing mit Nostalgieprodukten an: „Konsumenten, die Nostalgieprodukte kaufen, haben ein sehr ausgeprägtes zweites System. Sie möchten beispielsweise ihre Kindheit oder Heimat wiederhaben“, erklärt Häusel.

Waren, die über Nostalgie beworben werden, seien zudem oft mit festen Gewohnheiten verbunden, wie beispielsweise das tägliche Frühstück. „Wenn diese Dinge vom Markt verschwinden, fehlt ein Stück Gewohnheit und Vertrautheit im Leben“, erklärt Häusel. Hersteller müssten sich bei einem Relaunch alter Güter jedoch nicht ausschließlich auf diese Zielgruppe verlassen. „Manche Produkte verlieren bei Wiedereinführung ihren Charakter und werden hip“, so der Experte für Neuromarketing. In diesem Fall würden sie von einer anderen Käuferschaft neu entdeckt, die noch keine Erfahrungen damit gemacht habe.

Relaunch ist kein Erfolgsgarant

Dennoch sind Forderungen nach der Rückkehr geliebter Produkte kein untrüglicher Indikator für ein gutes Geschäft. Schließlich werden die Waren nicht ohne Grund aus den Sortimenten der Hersteller gestrichen. „Wenn ein Produkt aus dem Handel verschwindet, rechnet es sich nicht mehr. Beschweren sich dann ein paar treue Käufer, wirkt das zwar erschreckend, aber um ein totes Produkt wieder ins Leben zu bringen, reicht das meistens nicht“, sagt Häusel. Der Aufschrei der Fangemeinde sei dann zwar groß, jedoch wäre der Absatz bei einem Relaunch in der Regel trotzdem gering, so der Neuromarketingexperte weiter. Produzenten seien daher vorsichtig, eingestellte Produkte wieder herzustellen.

Auch Emmi hatte mehrmals auf Unterschriftensammlungen und Aufrufe der FruFoo-Gemeinde ablehnend reagiert. Zuletzt begründete man dies mit unzeitgemäßer Verarbeitung: Nach Verständnis von Emmi sei die erneute Herstellung des Quarks wegen seiner aufwendigen Verpackung aus ökologischer Sicht nicht vertretbar. Laut Hußmann ist dieses Problem nun jedoch gelöst. Wie und wann der Retro-Quark wieder in den Lebensmittelhandel kommen wird, möchte er aber noch nicht verraten. Nach 15 Jahren des Wartens sollte das die Euphorie der FruFoo-Fans kaum trüben.

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