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Marktmacht des Onlinehändlers Verdi spricht sich für „Vergesellschaftung“ von Amazon aus

Amazon beherrscht mit einschüchternder Macht den Onlinehandel der westlichen Welt, die Pandemie hat den Abstand zur Konkurrenz abermals vergrößert. Die Gewerkschaft Verdi versucht, dagegen vorzugehen. Quelle: dpa

„Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Amazon als Staat im Staate ausbreitet“, sagt der Amazon-Experte der Gewerkschaft. Er fordert eine schärfere Kontrolle des Onlineriesen.

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In der Diskussion um eine stärkere Regulierung des Onlineriesen Amazon bringt die Gewerkschaft Verdi eine Verstaatlichung des Konzerns ins Spiel. „Was die diskutierte Zerschlagung von Amazon angeht, bin ich skeptisch, ob dies ohne eine grundsätzliche Veränderung der Eigentums- und Machtstrukturen im Konzern mehr wäre als Kosmetik“, sagte Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzel- und Versandhandel der Gewerkschaft Verdi gegenüber der WirtschaftsWoche.

„Wir müssten also, wenn die Diskussion ernst gemeint ist, über Vergesellschaftung sprechen“, sagte Akman. „Amazon dominiert zunehmend, gemeinsam mit wenigen anderen Tech-Konzernen, die digitale Infrastruktur unseres Landes“, so Akman weiter. „Wir dürfen nicht zulassen, dass sich Amazon als Staat im Staate ausbreitet und damit entscheidet, wer sich in Zukunft zu welchen Konditionen am Markt der Plattformökonomie beteiligen darf.“ Der Gewerkschafter fordert daher: „Die digitale Infrastruktur gehört unter die öffentliche Kontrolle.“

Ein Unternehmenssprecher wollte die Aussagen nicht kommentieren. In den USA und Europa wird seit geraumer Zeit die Begrenzung der Marktmacht von Tech-Konzernen bis hin zur Aufspaltung diskutiert. Rocco Bräuniger, der künftige Deutschlandchef von Amazon hatte erst kürzlich erklärt, der Konzern sei sich seiner Verantwortung bewusst. „Dazu gehört der sehr faire und gute Umgang mit allen Beschäftigten“. Amazon steht seit Jahren bei der Gewerkschaft in der Kritik. Verdi hält Amazon die Ablehnung von Tarifverträgen vor.

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„Das Verhalten von Amazon erinnert an einen Gutsbesitzer“, kritisiert Gewerkschafts-Vertreter Akman. Gehälter bei Amazon lägen „nach wie vor deutlich unter denen in tarifgebundenen Handelsunternehmen“. Beschäftigte würden „über ständige Überwachung und Arbeitshetze auf Kosten ihrer Gesundheit“ berichten, so Akman. Amazon wies die Vorwürfe bislang stets zurück. Akman sieht die Politik in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass „Amazon nicht länger die geltenden Gesetze und Vorschriften umgehen kann“. Dazu gehörten Maßnahmen, Steuervermeidung einen Riegel vorzuschieben und den Konzern für die Nutzung der öffentlichen Infrastruktur zur Kasse zu bitten.

Mehr zum Thema: Mit teuren Imagekampagnen und Lobbyarbeit will Amazon Politiker milde stimmen. Doch eine harte Regulierung scheint unausweichlich – vor allem aus einem Grund.

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