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Maßnahmen gegen Fake-Shops „Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Kampf gegen Fake-Shops Quelle: dpa

Die Verbraucherschutzminister wollen gegen gefälschte, betrügerische Online-Shops vorgehen. Carsten Föhlisch, Prokurist bei Trusted Shops, erklärt, was er von den Maßnahmen hält und woran Kunden Fake-Shops erkennen.

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Herr Föhlisch, seit 1999 überprüft Trusted Shops Onlinehändler und verleiht ihnen Gütesiegel, damit Verbraucher sich beim Shopping im Internet sicher sein können. Die Verbraucherschutzminister haben sich nun Maßnahmen gegen Fake-Shops einfallen lassen. Ist das nicht ein wenig spät?
Allerdings. Bereits seit Jahrzehnten versuchen Händler mit Fake-Shops Kunden zu betrügen. Gerade im Weihnachtsgeschäft, wo manche Händler 80 Prozent ihres Jahresumsatzes erzielen, tauchen Fake-Shops in einem extremen Ausmaß auf – das ist keine neue Entwicklung.

Und sie können gegen diese Händler vorgehen?
Nun ja, es hat definitiv einige Zeit gedauert, bis wir dieses Problem in den Griff bekommen haben. Fake-Shops fälschen häufig unsere Siegel, die den Shop als besonders vertrauenswürdig deklarieren. Zu Beginn haben wir versucht, juristisch gegen solche Shops vorzugehen – das ist allerdings wenig aussichtsreich. Mittlerweile arbeiten wir mit einem technischen Dienstleister in Italien, der Websites, die gefälschte Versionen unserer Siegel verwenden, einfach über den jeweiligen Provider abknipst.

Was tun Behörden oder andere öffentliche Stellen schon heute gegen Fake-Shops?
Wir arbeiten zum Beispiel mit Verbraucherschutzzentralen zusammen, im Besonderen mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die sich an uns wendet, falls sie Shops entdeckt, die gefälschte Trusted-Shops-Siegel verwenden. Wir können diese wesentlich schneller sperren. Mithilfe der Staatsanwaltschaft gelingt das den Verbraucherzentralen fast nie. Die staatlichen Maßnahmen kommen bei meist ausländischen Kriminellen, die hinter den Shops stecken, schnell zum Erliegen.

Dr. Carsten Föhlisch Quelle: Presse

Die neuen Maßnahmen der Verbraucherschutzminister umfassen nun unter anderem eine Identitätskontrolle, um überhaupt erst nach dieser Kontrolle eine Website mit einer „.de-Domain“ eröffnen zu können. Was halten Sie davon?
Das ist meiner Einschätzung nach nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich kann mir gut vorstellen, dass Fake-Shops dann einfach auf „.com“ oder „.org“ umstellen. Es ist ein Irrglaube, dass deutsche Verbraucher nur auf Shops mit deutscher Domain bestellen. Wer Markenschuhe zu einem wahnsinnig günstigen Preis sieht, der schert sich im Zweifel nicht um die Domain eines Shops. Fake-Shops sind ein globales Problem, kein ausschließlich deutsches. Deshalb muss es auch international angegangen werden.

Außerdem soll geprüft werden, ob es eine Liste von Fake-Shops geben wird. Könnten die Länder mit so einer Liste überhaupt hinterherkommen?
Wir führen zwar selbst eine Liste von Shops, bei denen es länger dauert, bis eines unserer gefälschten Siegel entfernt werden kann. Diese Shops verfügen dann meist über besonders ausgebuffte kriminelle Strategien. Allerdings ändert sich so eine Liste täglich und die dort vertretenen Shops tauchen schnell unter anderen Domains auf.

Wenn die Länder die Pläne umsetzen, würden Sie Ihr Geschäftsmodell ein Stück weit übernehmen. Das muss Sie doch beunruhigen.
Darum mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Denn wir machen sichtbar, auf welche Shops Verbraucher sich wirklich verlassen können. Wir prüfen zum Beispiel, ob Ware tatsächlich geliefert wird und ob Kunden finanziell abgesichert sind. Eine so detaillierte Prüfung können die politischen Maßnahmen nicht gewährleisten.

Sie befassen sich nun seit rund 20 Jahren mit dem Recht im Online-Handel: Was hat sich seitdem bei den Fake-Shops getan?
Die Shops sind deutlich professioneller geworden: Von außen ist es kaum noch zu erkennen, ob ein Shop vertrauenswürdig ist. Das war vor ein paar Jahren noch einfacher, weil zum Beispiel die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Widerrufsbelehrung oder das Impressum grammatikalische Fehler enthielten und offensichtlich per Google Translate oder ähnlichen Diensten übersetzt wurden – wenn es überhaupt AGB oder Impressum gab. Das ist heute viel professioneller, sogar bestehende Adressen werden im Impressum angegeben. Man muss leider gestehen: Auf den ersten Blick sehen viele Fake-Shops wirklich gut aus.

Bis die Maßnahmen der Länder in Kraft treten, dürfte es noch ein wenig dauern. Was können Verbraucher schon jetzt tun, um sich vor Fake-Shops zu schützen? Mal abgesehen davon, dass sie nach Ihren Siegeln Ausschau halten können.
Wenn der Händler nur Zahlungsmöglichkeiten anbietet, die ich nicht zurückfordern kann, sollten Verbraucher schnell skeptisch werden. Meist bieten Fake-Shops nur die Zahlung per Vorkasse oder über Kreditkarten an – auch wenn man bei manchen Kreditkarten eine Zahlung unter Umständen zurückbuchen kann. Wichtig ist es, auf die Gewährleistung eines dritten Unternehmens zu achten, zum Beispiel auf einen Trusted-Shops-Käuferschutz oder einen PayPal-Käuferschutz.

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