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Matti Niebelschütz Aufstieg, Fall und Neustart des MyParfum-Gründers

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Fünf Jahre MyParfum: Eine Geschichte von Höhen und Tiefen

Das MyParfum-Team: Yannis Niebelschütz, Carina Stammermann und Matti Niebelschütz wagen den Neuanfang.

September 2011 Der Kick hat funktioniert, Fleck steigt bei MyParfum ein, sorgt für professionelle Strukturen und will den Absatz weiter ankurbeln. Dazu empfiehlt Fleck Perfomance-Marketing im Fernsehen, das sind Werbespots im Stile von „Gehen Sie jetzt online und bestellen!“.

November 2011 Niebelschütz fährt einen ersten erfolgreichen Testlauf. Dann entscheidet er, für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft das Werbebudget zu verdoppeln. „Meine eigene Entscheidung als Unternehmer“, freut er sich. Die Zahlen geben ihm recht: fast 400 Prozent Wachstum, am Ende des Jahres kommt MyParfum auf mehr als 70 000 Euro Gewinn. Niebelschütz ist elektrisiert. Für ihn sind die Zahlen „ein Zeichen, dass unser Geschäftsmodell skalierbar ist und TV funktioniert“. Dass der Erfolg gleichzeitig den Boden für die totale Niederlage bereiten würde, kommt ihm in dieser Situation nicht in den Sinn – im Gegenteil.

Mitte 2012 Der Erfolg im Weihnachtsgeschäft versetzt Niebelschütz in Überschwang. Jetzt will er’s wissen, das ganz große Rad drehen. Dazu braucht er Geld. Er besorgt sich bei einem Privatinvestor und später bei SevenVentures, einer Tochter des Fernsehsenders ProSiebenSat1, weiteres Kapital. Das Geld dient zum einen, die Ausgaben für TV-Werbung zu verzwanzigfachen. Zum andern fährt Niebelschütz die Belegschaft auf 40 Mitarbeiter hoch und weitet die Produktion sowie die Lagerbestände aus. Mit vier statt vorher einer einzigen Maschine kann Niebelschütz nun 4600 Parfüms am Tag produzieren. „Da waren die Augen größer als der Verstand“, sagt Niebelschütz später.

November 2012 Später ist bald. Wenige Wochen vor Weihnachten zeigt sich, dass Niebelschütz’ Erwartungen an die Kampagne völlig überzogen waren. In der Spitze liegen die Bestellungen maximal bei 20 Prozent des erhofften Wertes. Niebelschütz und seine Leute werden nervös. Die Bestellungen bleiben mau, zusätzliche Ausgaben für Werbung verpuffen. Mitte November fängt es bei MyParfum an, „zu kribbeln“, spürt Niebelschütz. Die hohen Fixkosten erdrücken das enttäuschende Geschäft. In seiner Not lässt Niebelschütz einen neuen TV-Spot drehen. Er weiß, die nächsten Wochen werden über die Zukunft von MyParfum entscheiden.

Dezember 2012 Der Todeskampf von MyParfum beginnt. So sehr sich Niebelschütz auch müht, Anfang Dezember müssen er und seine Kombattanten einsehen, dass sie „das Minus bis Weihnachten nicht mehr aufholen können“. In seiner Not mottet Niebelschütz die neuen Produktionsmaschinen ein und entlässt 20 Mitarbeiter. Bis Jahresende steigen die Schulden auf fast zwei Millionen Euro.

Januar 2013 MyParfum zeigt die letzten Zuckungen. Niebelschütz kann seinen Vermieter dazu bewegen, auf Miete für einen Teil der überflüssigen Räume zu verzichten. Im Februar soll eine Sammelaktion bei Kleininvestoren übers Web laufen, die MyParfum Geld bringen könnte.

Februar 2013 Zwei Tage vor dem Notartermin bricht Niebelschütz den letzten Rettungsversuch ab. „Die Schuldenlast hätte den Großteil des Investments aufgefressen“, erkennt er, „dadurch hätten wir die 1000 Privatinvestoren veräppelt.“ Niebelschütz ist paralysiert, würde sich am liebsten einbunkern, die fünf Jahre MyParfum aus seinem Gedächtnis streichen.

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