Media Markt und Saturn: Ceconomy-Aktie bleibt im Krisenmodus
Der Elektronikhändler Saturn hat durchwachsene Zahlen für das wichtige Weihnachtsgeschäft vorgestellt.
Foto: dpaKarsten Wildberger kennt die Nöte der Ceconomy-Aktionäre. Er ist selbst einer. Im Dezember 2021 legte sich der Chef der Muttergesellschaft von Media Markt und Saturn rund 86.000 Aktien von Europas größer Elektronikhandelsgruppe ins Depot. Kostenpunkt damals: rund 300.000 Euro. Inzwischen ist Wildbergers Ceconomy-Einsatz weniger als 200.000 Euro wert. Und das große Kurs-Comeback lässt weiter auf sich warten.
Zum Börsenstart am Dienstagmorgen lag das Ceconomy-Papier rund fünf Prozent im Minus.
Der Elektronikhändler hatte zuvor durchwachsene Geschäftszahlen für das wichtige Weihnachtsgeschäft vorgestellt. In dem Quartal sei Ceconomy stärker gewachsen als der Markt, sagte zwar Vorstandschef Wildberger. So stieg der Umsatz um 4,9 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro. Aufgrund höherer Kosten verbuchte der Konzern aber einen geringeren operativen Gewinn. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank von 274 Millionen auf 224 Millionen Euro.
Bei Wettbewerbern und im gesamten Handel lief das Weihnachtgeschäft jedoch deutlich schleppender. Die Umsätze lagen dem Statistischen Bundesamt zufolge im Dezember real um 6,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Selbst der erfolgsverwöhnte Internet- und Versandhandel verzeichnete ein reales, kalender- und saisonbereinigtes Minus von 7,2 Prozent. „Das Weihnachtsgeschäft ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte Alexander von Preen, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE).
Einbruch der Konsumstimmung
Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Konsumstimmung in Deutschland hat sich angesichts schnell steigender Preise und sinkender Reallöhne zuletzt stark eingetrübt. Der Einzelhandel rechnet deshalb in diesem Jahr mit dem heftigsten Nachfrageeinbruch seit mehr als zehn Jahren. Zwar dürften die Umsätze wegen der Inflation nominal um zwei Prozent steigen, wie der HDE jüngst prognostizierte. Real – also inflationsbereinigt – rechnet die Branche jedoch mit Umsatzrückgängen von drei Prozent. Einen solchen Einbruch hat es laut HDE seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr gegeben.
Ceconomy bekräftigte indes den Ausblick. Die Düsseldorfer hatten in Aussicht gestellt, 2022/23 eine deutliche Verbesserung des operativen Ertrags und eine leichte Steigerung des Umsatzes erreichen zu wollen. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verschlechtern. Trifft dies nicht ein, „müsste das Unternehmen deutliche Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis einkalkulieren“. „Nach allem, was wir im ersten Quartal gesehen haben, halten wir Szenario 1 für wahrscheinlicher“, betonte Wildberger.
An der Börse wird sein Optimismus bislang aber nicht geteilt. Vorräte und Warenbestand sind mit 3,35 Milliarden Euro immer noch hoch, vor allem im Vergleich zum Cash-Bestand in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Auch ein angekündigter Verkauf der MediaMarkt-Läden in Schweden an den nordeuropäischen Konkurrenten Power International AS dürfte für wenig Begeisterung sorgen. Zwar wird Ceconomy den Verlustbringer los und wird mit 20 Prozent an der schwedischen Tochter Power Sweden beteiligt. Allerdings erwartet Ceconomy aus dem Deal einen negativen Effekt im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Ein happiger Betrag für ein Tochterunternehmen, das zuletzt nur rund 506 Millionen Euro Umsatz erzielt hat.
Bis Ceconomychef Wildberger seinen Einstandskurs wieder erreicht, dürfte es wohl noch dauern.
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