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Media-Saturn Preiskampf drückt Metro ins Minus

Die einst so erfolgsverwöhnten Elektronikketten Media Markt und Saturn verhageln dem Mutterkonzern Metro die Quartalsbilanz. Die Düsseldorfer treten nicht nur bei den Personalkosten auf die Bremse.

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Plasma-Fernseher stehen in einer Filiale der Elektronik-Fachmarktkette Media-Markt. Quelle: dapd

Preissenkungen der Elektronikketten Media Markt und Saturn haben den Handelsriesen Metro zum Jahresauftakt in die roten Zahlen drückt. Der Konzern verzeichnete im ersten Quartal 2012 einen Verlust von 81 Millionen Euro, teilte die Metro AG am Donnerstag in Düsseldorf mit. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres stand unter dem Strich noch ein Minigewinn von 14 Millionen Euro. Den Umsatz hingegen steigerte Metro um 2,2 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro und erfüllte damit die Erwartungen der Analysten. Sowohl die Großmärkte (Cash&Carry), die Real-Supermärkte, die Ketten Media Markt und Saturn sowie der Kaufhof trugen zum Erlösanstieg bei.

Alle Sparten warteten zugleich mit hohen operativen Verlusten auf. Ganz besonders stark war der Rückgang bei Media-Saturn. Bei Europas größter Elektrohandelskette machte sich der Verzicht auf publikumswirksame Rabattaktionen bemerkbar, der am Heimatmarkt im Januar auf gleicher Fläche zu einem Umsatzrückgang von 3,7 Prozent führte. „Wir haben in den vergangenen Monaten massiv in bessere Preise und zusätzliche Kundenservices investiert. Unsere Maßnahmen zur Steigerung des Umsatzes auf vergleichbarer Fläche beginnen in vielen Bereichen bereits die gewünschte Wirkung zu zeigen“, erklärte der neue Vorstandschef Olaf Koch in einer Mitteilung.


Media Markt und Saturn, die die zweitwichtigste Ertragsquelle des Konzerns nach dem Großhandel darstellen, schrieben im ersten Quartal 2012 rote Zahlen. Das operative Ergebnis (EBIT) der Elektronikketten verschlechtete sich drastisch um 85 Millionen Euro auf minus 20 Millionen Euro. Das ist der zweite Quartalsverlust der einst so erfolgsverwöhnten Elektronikketten, nachdem Preissenkungen bereits im zweiten Quartal des vergangenen Jahres zu roten Zahlen führten.

Der Handelsriese Metro setzt seinen Sparkurs fort: „Wir müssen nun daran arbeiten, auch bei den zentralen Verwaltungsaufgaben von Metro AG, den Bereichen IT, Logistik und Real Estate sowie weiteren Funktionen effiziente und kostenorientierte Organisationen zu schaffen“, unterstrich Koch. Wie viele Arbeitsplätze im Düsseldorfer Konzern wegfallen könnten, nannte er erneut nicht. Im vergangenen Jahr hatten allein Media-Saturn 3000 Stellen europaweit gestrichen.

Wo Koch außerdem auf die Bremse tritt

Das Logo der Metro-Handelskette Quelle: dpa

Außerdem tritt Koch bei dem kostspieligen Markteintritt in neue Länder auf die Bremse: Die Expansion des Metro-Großhandels nach Indonesien wird nicht mehr weiter verfolgt, erklärte er. Zunächst soll in den bestehenden Märkten der Umsatz gesteigert und die Auslandsexpansion in ausgewählten Ländern beschleunigen werden. Außerdem gab der Vorstand bekannt, dass das Investitionsbudget für 2012 um 200 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro gekürzt wird. Auch den Verkauf der Töchter Kaufhof und Real legt Koch auf Eis.

Mit dem Maßnahmenpaket kämpft Metro-Chef Koch mit dem Erbe seines Vorgängers Eckhard Cordes, der dem Konzern einen rigiden Sparkurs verordnet hatte. Der neue Chef will nun die Umsätze ankurbeln - doch die dafür nötigen Investitionen und die Preisoffensive verhagelten ihm die Quartalsbilanz. Koch rechnet damit, dass sich seine Maßnahmen spätestens im kommenden Jahr in einem wieder steigenden Gewinn niederschlagen. Für 2012 bestätigte er am Donnerstag seine verhaltene Prognose, die aber wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds weiterhin mit Risiken behaftet sei. Nach einem Gewinnrückgang im Vorjahr rechnet Koch 2012 bei steigenden Umsätzen mit einem operativen Gewinn vor Sonderfaktoren auf Vorjahreshöhe von 2,37 Milliarden Euro. An der Börse sank der Metro-Kurs um 3,5 Prozent.

Koch übernahm zum Jahreswechsel das Ruder bei der Metro, sein Vorgänger Eckhard Cordes hatte dem Konzern nach einem langen Machtkampf und Streitigkeiten unter den Anteilseignern den Rücken gekehrt. Mit seinem Erlösplus meisterte Metro die wirtschaftliche Lage besser als Konkurrent Carrefour. Der größte europäische Einzelhändler leidet insbesondere unter der Zurückhaltung der Konsumenten in den europäischen Krisenstaaten. Carrefours Umsatz sank im ersten Quartal um 2,1 Prozent.

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