MediaSaturn Ingolstädter Selbstzerfleischung

Die Dauer-Fehde der MediaSaturn-Gesellschafter stürzt das Unternehmen in die Krise.

Seit Jahren tobt um die Ausrichtung von Media Markt und Saturn ein Machtkampf zwischen Handelskonzern Metro und dem Minderheitseigner Kellerhals. Quelle: dpa

Bisher galten Online-Player wie Amazon als größtes Risiko für das Geschäftsmodell von Media Markt und Saturn. Doch spätestens seit heute ist klar, dass der Streit zwischen den Gesellschaftern des Elektronikhändlers mindestens vergleichbare Wirkung entfaltet. MediaSaturn-Chef Horst Norberg hat den Dienst quittiert und einmal mehr gezeigt, wie verfahren die Lage bei Europas größtem Elektronikhändler ist.

Seit Jahren schon kämpfen die Parteien um die Macht am Unternehmenssitz in Ingolstadt. Auf der einen Seite Mitgründer und Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals - auf der anderen der Düsseldorfer Handelskonzern und Mehrheitseigner Metro. Mal vor Gericht, mal in der Öffentlichkeit beharken sich die Kontrahenten. Keine Frage, geschenkt haben sich beide Seiten dabei nichts. Doch die Schlammschlacht, die Kellerhals in den vergangenen Wochen losgetreten hat, sucht schon ihres gleichen in der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Auf seiner Homepage hatte Kellerhals vor wenigen Tagen öffentlich nach einem Nachfolger Norberg gesucht. "Media Markt und Saturn haben hohe Entwicklungspotentiale, die noch nicht genutzt werden", heißt es mit Seitenhieb auf Norberg. "Falsch installierte Zentralsysteme in einem seit über 25 Jahren dezentral gesteuerten  Unternehmen wirken wie ein Brandbeschleuniger für einen Absturz", schreibt Kellerhals.

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Was Kellerhals mit der Aktion bezweckt hat, bleibt rätselhaft. Was er erreicht hat, lässt sich als  selbstzerstörerisch umschreiben. Der vorzeitige Rückzug von Norberg nach einer solchen Verbalattacke war absehbar. "Nach den Ereignissen der vergangenen Tage habe ich Zweifel, dass ich noch den vollen Rückhalt im Gesellschafterkreis genieße", begründete Norberg denn auch seine Entscheidung. Der Manager hätte sich ohnehin demnächst in den Ruhestand verabschiedet. Gewonnen hat Kellerhals also nichts. Vertan hat er dagegen die Chance auf einen Friedensschluss und die einvernehmliche Suche nach einem Nachfolger. Die Besetzung des Spitzenpostens wird jetzt zur nächsten Machtfrage. Das Unternehmen hat den Schaden: welcher externe Spitzenmanager will sich eigentlich einen Job als Ingolstädter Krisenmediator antun? Und welcher Manager will das Risiko eingehen, im Zweifel von seinem Gesellschafter öffentlich vorgeführt zu werden. Statt bei der Aufholjagd im Online-Segment mit ganzer Kraft vorzupreschen, droht ein Führungsvakuum bei MediaSaturn. Wenn es Kellerhals tatsächlich nur um den Erhalt seines Lebenswerks geht, wie er behauptet, hat er sich selbst zuletzt am meisten geschadet.  

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