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MediaSaturn Schmiergeld für den Agentur-Chef?

Eine Promotionagentur soll Spitzenmanager bei MediaSaturn mit Millionen geschmiert haben.

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Eine MediaMarkt-Filiale Quelle: Tom Rathmann für WirtschaftsWoche

Die Affäre um mögliche Schmiergeldzahlungen an hochrangige Manager von Media Markt weitet sich aus. Zwischen Juli 2005 und Mitte 2011 könnten demnach knapp 3,6 Millionen Euro Bestechungsgeld für die Erteilung von Promotionaufträgen im Volumen von rund 50 Millionen Euro geflossen sein.

Dabei geht es um den Vertrieb von DSL-Internet-Verträgen in Media Märkten durch externe Fachberater, sogenannte Promotoren. Das Schmiergeld soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg großteils von Verantwortlichen der Wetzlarer Agenturgruppe Marketing Vision (MV) stammen, die sich damit – so der Vorwurf – den Zuschlag für die exklusive DSL-Vermarktung sichern wollten.

Ein ehemaliger MV-Mitarbeiter berichtet von teilweise spielfilmreifen Geldtransporten zwischen Agenturchef Peter N. und dem langjährigen Media-Markt-Regionalmanager Bruno H. Die beiden gelten als Schlüsselfiguren der Affäre.

Getarntes Bestechungsgeld

Die Ermittler vermuten, dass weitere hochrangige Manager an dem Korruptionssystem beteiligt waren, zum Beispiel Andreas H., heute Deutschland- und Zentraleuropa-Chef des Elektronikherstellers Bang & Olufsen (B&O).

Er soll in seiner früheren Funktion als Mitgeschäftsführer der Agenturgruppe MV bei der Abwicklung und Verschleierung von Schmiergeldtranchen geholfen haben. Andreas H. soll insgesamt 120 000 Euro an ein Unternehmen der Ehefrau des Media-Markt-Managers Bruno H. überwiesen haben.

In den Büchern sei die Summe als Darlehen deklariert worden, tatsächlich habe es sich um Bestechungsgeld gehandelt, vermuten die Ermittler. Der Manager wurde inzwischen von der dänischen B&O- Zentrale „bis auf Weiteres beurlaubt“, so ein Unternehmenssprecher, der Fall habe aber nichts mit Bang & Olufsen zu tun.

Der Manager ließ eine Anfrage der WirtschaftsWoche unbeantwortet. Auch die Anwälte anderer Beschuldigter wollten sich nicht äußern. Als Andreas H. bei der MV-Gruppe einstieg, bestand die Beziehung zwischen Bruno H. und Peter N. schon seit Jahren.

Vom Urlaub in die U-Haft

Blick auf die Logos von Media Markt und Saturn Quelle: dapd

Das Duo soll sich Mitte der Neunzigerjahre im Urlaub kennengelernt haben. Etwa zehn Jahre später startete der DSL-Vertrieb mit Promotoren von MV bei Media Markt. Seit Oktober sitzen beide sowie die Frau von H. und ein ehemaliger MV-Mitarbeiter wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.

Vergangene Woche wurde auch Michael R. in U-Haft genommen, der als Mitglied der Geschäftsführung der MediaSaturn-Holding einer der wichtigsten Manager der Elektronikhandelsgruppe war.

Er soll das Agenturmodell auf Geschäftsführungsebene durchgesetzt und die Regionalleiter bei Media Markt angewiesen haben, Promotion-aufträge nur mit Unternehmen aus dem MV-Umfeld abzuschließen.

Hinweise auf ein Korruptionsnetzwerk

Warum Auffälligkeiten in der Media-Markt-Geschäftsführung nicht früher für Nachfragen sorgten, bleibt bislang offen. Als sich der Hauptgesellschafter Metro für eine Beurlaubung der beschuldigten Manager aussprach, hielten die Minderheitsaktionäre von MediaSaturn weiter an den Spitzenkräften fest.

Die Telefonüberwachung und die Auswertungen von Kontounterlagen lieferten den Ermittlern indes Hinweise auf ein Korruptionsnetzwerk.

So sollen ein Münchner Eventunternehmer, der Promi-Partys organisiert, eine Berliner Versicherungsagentur und ein Frankfurter Softwarehaus gegen hohe Provisionen geholfen haben, Geld zu waschen.

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