Medienbericht Karstadt muss deutliche Umsatzeinbußen verkraften

Karstadt muss laut Medienberichten mitten im schwierigen Umbau deutliche Umsatzeinbußen verkraften. In dem seit Anfang Oktober laufenden Geschäftsjahr 2012/13 liege der Umsatz bis Ende Februar jeweils um fast zehn Prozent unter Vorjahresniveau und auch unter den eigenen Planungen.

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa
Die vergangenen Monate waren turbulent für den Textildiscounter NKD. Nun steht fest: Der Finanzinvestor OpCapita kauft das Unternehmen und gibt ihm 20 Millionen Euro frisches Kapital. Das Investmentunternehmen übernehme NKD komplett mit der Firmenzentrale und den knapp 2000 Filialen in Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien und Polen, teilte eine Sprecherin mit. Der bisherige Eigentümer, die niedersächsische Textilgruppe Daun, hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, NKD verkaufen zu wollen. Im Mai wurde das Management ausgetauscht, danach übernahm eine Restrukturierungsberatung das Ruder. 100 von 650 Arbeitsplätzen in der Zentrale fielen weg. 2015 peilt NKD wieder Wachstum an. John von Spreckelsen als Vertreter von OpCapita teilte mit, NKD habe eine treue Kundschaft. Die Voraussetzungen seien gut, „dass das Unternehmen mittelfristig wieder wachsen und rentabel arbeiten kann“. 2010 machte NKD einen Umsatz von 578 Millionen Euro, neuere Zahlen wurden bislang nicht veröffentlicht. Quelle: Presse
ThaliaDie Douglas-Tochter leidet unter der Abwanderung der Kunden ins Internet. Die knapp 300 Filialen sollen deshalb mit einem verbreiterten Sortiment wie Spielwaren, Musik-CDs und DVDs Kunden locken. Im Rahmen der Neuausrichtung müssen 20 Filialen schließen, die sich nicht mehr rentabel betreiben ließen. Trotz neuem Kozept soll das Buch weiter im Zentrum stehen - gemeinsam mit Weltbild, Hugendubel, Club Bertelsmann und der Deutschen Telekom hat Thalia im März 2013 den E-Reader 'tolino shine' auf den Markt gebracht. Die Allianz will damit gegen den Online-Gigant Amazon antreten. Quelle: dpa
GörtzDie Schuhkette steckt in den roten Zahlen. 2012 haben die Geschäftsführer Thorsten Hermelink, Christian Moritz und Jörn Peters ein großes Sparpaket geschnürt: Jede zehnte Filiale muss dichtmachen. 17 sind bereits geschlossen, weitere 13 der ehemals bundesweit 260 Läden sollen noch abgewickelt werden. Getroffen hat es vor allem Geschäfte der Jugendlinie Görtz 17 sowie kleinere Standorte. 100 der 3800 Mitarbeiter mussten gehen. Der Umsatz ging 2012 um 4,0 Prozent auf 380 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen leidet unter der starken Online-Konkurrenz wie etwas Zalando. Die Rettung könnte nun in Gestalt des Traditionsversandhauses Otto kommen. Medienberichten zufolge verhandeln die Unternehmen über einen Einstieg der Hamburger bei Görtz. Quelle: dapd
Der Handelskonzern Rewe zieht im Mai 2013 bei seiner defizitären Elektronikmarktkette ProMarkt die Reißleine. Er trennt sich von der Kette. 16 der 54 Märkte wurden an die Verbundgruppe Expert verkauft, 10 weitere Standorte an die zu Electronic Partner (EP) gehörende Elektromarktkette Medimax. Der Onlineshop schließt am 30. Juli 2013. Für die verbliebenen stationären Filialen sieht es schlecht aus.. Rewe hatte die 58 ProMarkt-Standorte 2003 übernommen. Die 1988 von der Wegert-Gruppe gegründete Kette konnte sich allerdings nie wirklich gegen die Platzhirsche MediaMarkt und Saturn behaupten. Quelle: dpa
Ein Schild vor einer Praktiker-Filiale weist Kunden auf Preissenkungen hin Quelle: dpa
EspritDie Modemarke versucht sich mit neuem Image und einer neuen Kampagne aus dem Sumpf zu ziehen. In der Vergangenheit hatten Vorwürfe über Tierversuche und Kinderarbeit das Image schwer beschädigt. Umsatz und Gewinn begaben sich in den Sinkflug. Auch bei Esprit soll eine Restrukturierung helfen: Nachdem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Gewinneinbruch von 98 Prozent auf 7,45 Millionen Euro hinnehmen musste, zog sich der Modekonzern aus Nordamerika, Spanien, Dänemark und Schweden zurück und schloss 130 Filialen. 2011/2012 sank der Konzernumsatz um fast 11 Prozent auf gut 3 Milliarden Euro, dafür machte Esprit mit knapp 87, 5 Millionen Euro wieder deutlich mehr Gewinn. Für Esprit arbeiten mehr als 12.000 Vollzeitkräfte. Seit Dezember 2012 soll Jose Manuel Martínez Gutiérrez als Esprit-Chef die Probleme anpacken, er löst Ronald van der Vis ab. Quelle: REUTERS
Kunden auf Schnäppchensuche im Farbrikverkauf von Neckermann in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Kunden gehen durch eine leergeräumte Schlecker-Filiale Quelle: dpa
Ein Passant geht an einem "Beate Uhse"-Shop vorbei Quelle: dpa

Mitten in einem schwierigen Umbau sollen angeblich sinkende Umsätze den Betriebsräten Sorge bereiten, wie der „Spiegel“ berichtet. Der Karstadt-Chef sieht das Unternehmen auf richtigem Weg.

Die Betriebsräte seien darüber in Sorge. Karstadt-Chef Andrew Jennings verwies am Sonntag auf dpa-Anfrage auf die komplexe Sanierung der Warenhauskette, die kurzfristig auch negative Effekte habe. Karstadt sei auf dem richtigen Weg und mache Fortschritte. Die im „Spiegel“ genannten Zahlen zu Umsatz und internen Planungen kommentierte Karstadt am Sonntag nicht. Ein Firmensprecher verwies darauf, dass man grundsätzlich keine Unternehmenszahlen kommentiere.
Jennings hat die Rückendeckung von Eigentümer Nicolas Berggruen. „Wir haben Karstadt 2010 aus der Insolvenz gekauft. Das Unternehmen war praktisch tot.

Heute lebt es“, erklärte Berggruen bereits am Samstag in einem schriftlichen Interview mit dpa. Die Neuausrichtung sei keine Schnellreparatur. „Das Management baut Karstadt komplett um. Es ist völlig normal, dass Umsätze zurückgehen, bevor es dann aufwärts geht.“ Jennings habe eine schwierige Aufgabe, die dieser bravourös löse. „Er macht Karstadt gemeinsam mit den Mitarbeitern zu dem modernen und kundenorientierten Unternehmen, das es sein soll.“
Laut „Spiegel“ lagen im Februar die Verkäufe um fast 12 Prozent unter den Planungen und die Umsätze 15 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Man sehe „mit großer Sorge die betriebswirtschaftlichen Entwicklungen“, heißt es dem Magazin zufolge in einem Schreiben der Betriebsräte an Jennings. Das Umsatzminus sei „alarmierend“ und gehe „an die Substanz der Unternehmen“. Von Seiten der Gewerkschaft Verdi war am Sonntag keine Stellungnahme zu bekommen.
Jennings verdeutlichte auf dpa-Anfrage, dass die Strategie stimme. „Unsere Strategie heißt deshalb "Karstadt 2015" und nicht "Karstadt März 2013"“, betonte er. Die Neuausrichtung sei auf einen mittel- und langfristigen Erfolg ausgerichtet. Es sei klar, dass ein Restrukturierungsprogramm kurzfristig negative Effekte habe.

„Wir sind mit Sicherheit auf dem richtigen Weg bei der Umsetzung unsere Strategie und sehen keinerlei Anlass, jede einzelne Woche das selbe Gerücht zu kommentieren“, unterstrich der Karstadt-Chef. „Karstadt macht gute Fortschritte.“ Karstadt hatte 2010/11 (30.09.) einen Verlust von knapp 21 Millionen Euro verbucht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%