Metro-Chef Olaf Koch Real steigt aus der Tarifbindung aus

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Die Personalkosten bei der Handelskette Real liegen bis zu 30 Prozent über denen der Konkurrenz. Der Chef des Eigentümers Metro, Olaf Koch, nimmt deshalb Real aus der Tarifbindung – und will weiter mit Verdi verhandeln.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Nach dem Ausstieg der Handelskette Real aus der Tarifbindung bietet Olaf Koch, Vorstandschef der Konzernmutter Metro, den Arbeitnehmervertretern Verhandlungen an. „Wir wollen mit der Gewerkschaft Verdi über Lösungen verhandeln. Aber klar ist: Das Modell, in dem Real heute stark benachteiligt wird, akzeptieren wir nicht mehr“, sagte Koch im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Nach Kochs Angaben liegen die Personalkosten bei Real „bis zu 30 Prozent über denen unserer Konkurrenten.“ Der Metro-Chef macht dafür „gravierende Wettbewerbsverzerrungen im Handel“ verantwortlich. Koch: „Wir glauben weiterhin an die Grundidee der Tarifpartnerschaft. Diese muss aber für die gesamte Branche gelten, nur dann ist sie fair und tragfähig. Das ist derzeit im  deutschen Lebensmittelhandel nicht der Fall, und das ist für uns nicht mehr akzeptabel. Es kann nicht sein, dass man für Tariftreue auch noch bestraft wird und damit die Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells und damit auch der Arbeitsplätze gefährdet.“

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Der Ausstieg aus der Tarifbindung soll für die 38.000 Beschäftigten der Handelskette Real zunächst zu keinen Gehaltseinbußen führen. „An die monatlichen Entgelte der bereits Beschäftigten wollen wir nicht drangehen“, sagte Koch der WirtschaftsWoche. Auch seien keine Stellenstreichungen geplant.

Der Metro-Chef warnte Verdi davor, den Tarifausstieg zum Anlass für Streikaktionen zu nehmen. „Das würde die Gespräche erheblich belasten“, so Koch.

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