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Metro-Chef Olaf Koch warnt Verdi im Tarifstreit

"Es trifft genau die Falschen", sagt Olaf Koch, Chef von Deutschlands größtem Handelskonzern Metro. Im Tarifstreit mit Verdi will er deshalb Grenzen setzen und sieht den Wert des Verkaufskandidaten Kaufhof stetig steigen.

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Olaf Koch, Metro-Chef Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Koch, kaum beginnt der Herbst, sind die Regale der Metro-Töchter Kaufhof und Real mit Lebkuchen gefüllt. Was erwarten Sie vom Weihnachtsgeschäft 2013?

Koch: Wir sind positiv gestimmt. Wir haben an unseren Sortimenten gearbeitet, neue Vertriebskanäle aufgebaut und viel in Marketing investiert. Bei unseren Elektronikhändlern Media Markt und Saturn rechnen wir zum Jahresende mit einem weiteren Schub für das Online-Geschäft. Bei Kaufhof haben wir einen so guten Lauf, dass uns das Weihnachtsgeschäft sicherlich viel Freude bereiten wird.

Warum steht Kaufhof dann trotzdem auf Ihrer Verkaufsliste? Oder haben Sie die Warenhäuser inzwischen so lieb gewonnen, dass Sie sie doch behalten wollen?

Ich habe Kaufhof schon immer lieb gehabt (lacht). Wir sind glücklich, dass die Warenhäuser sich so toll entwickelt haben. Strategisch ändert sich aber nichts: Das Warenhausgeschäft lässt sich nicht im gleichen Maße internationalisieren wie Großhandel oder Elektronikgeschäft. Und die Kapitalrenditen sind deutlich schwächer.

Momentan wird wieder über einen Zusammenschluss mit Karstadt spekuliert...

Wir sehen derzeit keine Veranlassung, uns damit zu beschäftigen.

Trotzdem könnte der Verkauf der Luxus- und Sporthäuser von Karstadt Auswirkungen auf Kaufhof haben. Karstadt sollen 300 Millionen Euro für Modernisierungen zufließen. Müssen Sie jetzt nicht auch die Kaufhof-Häuser auf Vordermann bringen?

Der Unterschied zum Wettbewerb ist, dass wir seit Jahren kontinuierlich Beträge in einer Größenordnung von rund 100 Millionen Euro jährlich in die Modernisierung gesteckt haben. 2013 werden es mehr als 90 Millionen Euro sein, genau wie vergangenes Jahr. Ferner haben wir unsere Sortimente und Flächen seit zwei Jahren konsequent an unseren Kunden ausgerichtet. Das können die Kunden sehen.

Welche Bedingungen müssen bei einem Verkauf von Kaufhof erfüllt sein?

Erstens muss die Bewertung stimmen: Kaufhof ist deutlich mehr wert als im Frühjahr 2012, als wir Gespräche über einen Verkauf geführt hatten, weil sich das Unternehmen fantastisch entwickelt hat. Jeder Kaufkandidat muss uns zweitens die Finanzierung nachweisen. Und wir wollen drittens ein Konzept sehen, wie Kaufhof nachhaltig in die Zukunft geführt werden kann. Sollten wir uns trennen, werden wir sorgfältig prüfen, wo die Reise hingeht. Diese langfristige Perspektive schulden wir den Mitarbeitern. Aber wir stehen unter keinem Druck, zu verkaufen.

Kaufhof steht ja nur für rund fünf Prozent des gesamten Konzernumsatzes. An diesem Montag endete das Rumpfgeschäftsjahr von Metro. Wie lief es insgesamt?

Wir hatten im Vorfeld einen moderaten Umsatzanstieg bei einem etwas höheren Gewinn angekündigt und fühlen uns mit dieser Prognose weiterhin wohl.

Reduziertes Non-Food-Sortiment

Einzelhandel mutiert zur Krisenbranche
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
KarstadtKarstadt-Investor Nicolas Berggruen möchte sich endgültig von den Warenhäusern trennen - das berichtet die Bild-Zeitung. Er verhandele mit der österreichischen Investorengruppe Signa des Unternehmers René Benko. Benko hatte im vergangenen Herbst bereits die drei Premium-Häusern und 28 Sportwarenhäusern der Kette gekauft. Die Berggruen-Holdings ist bisher noch mit einem Anteil von 24,9 Prozent an beiden Geschäftsbereichen beteiligt, außerdem gehören ihr noch die 83 Warenhäuser der Karstadt-Gruppe. Diese könnten nun - so die Bild - für nur einen Euro den Besitzer wechseln. Auch Berggruen hatte seiner Zeit nur einen symbolischen Euro für die marode Warenhaus-Gruppe gezahlt. Erst vor wenigen Tage hatte Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur wenigen Monaten im Konzern hingeschmissen. Quelle: ddp
KarstadtDer Warenhauskonzern Karstadt will bis Ende 2014 insgesamt 2000 Stellen abbauen. Die Branche leidet unter massiven Überkapazitäten außerdem wandern immer mehr Kunden ins Internet ab. Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden und primär über Frühpensionierungen, Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Die Gewerkschaften werfen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor, nicht genug zu investieren. Im ersten Halbjahr 2013 hat sich die Lage bei Karstadt abermals verschärft, das Umsatzziel für das Geschäftsjahr wurde bereits um 230 Millionen Euro auf 3,1 Milliarden Euro herunterkorrigiert. Quelle: dpa
Strauss InnovationDie angeschlagene Warenhauskette hat am 22. April mit dem Räumungsverkauf begonnen. Ende März hatte das Unternehmen bekanntgegeben, mehr als jede fünfte der insgesamt 96 Filialen schließen und 200 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Strauss-Läden gibt es in 59 deutschen Städten. Durch ein zügiges Insolvenzverfahren will man die restlichen 1200 Arbeitsplätze erhalten. Der größte Teil der Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll die Möglichkeit bekommen, für sechs Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Die Warenhauskette Strauss Innovation hat am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Traditionsversandhändler Neckermann gehörte. Quelle: Screenshot
StrenesseDas Modeunternehmen geht auf Investorensuche. Die Nördlinger Designer hatten am 16. April einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Vorstandschef Luca Strehle sagte, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. „Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind. Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen.“ Durch die Insolvenz gewinne man enorm an Liquidität. Strenesse gehört seit rund 65 Jahren der Familie Strehle. In den vergangenen Jahren hatte man jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen. Erst im Februar stand Strenesse vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Strenesse beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und unterhält 15 eigene Geschäfte sowie Showrooms in München, Düsseldorf, Mailand, New York und Tokio. Im Geschäftsjahr 2011/2012 betrug der Umsatz des Konzerns 66,5 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Abercrombie & Fitch Der US-Modekette Abercrombie & Fitch bricht das Geschäft immer weiter weg. Der Umsatz fiel im abgelaufenen Quartal um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stürzte sogar um 58 Prozent auf 66,1 Millionen Dollar ab. Abercrombie & Fitch - auf Jugendliche spezialisiert und für seine leicht bekleideten Modelle bekannt - verliert seit längerem Kunden an Konkurrenten wie Zara, Forever 21 oder H&M. Sie wechseln ihre Kollektionen öfter und sind zudem günstiger.  Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein prognostizierte auf WirtschaftsWoche Online bereits Ende vergangenen Jahres: „Ich glaube nicht, dass es Abercrombie & Fitch noch lange in Deutschland geben wird. Ihr Geschäftsmodell ist zu angreifbar und kippt gerade in den USA, so dass es höchstwahrscheinlich bald zum Rückzug aus Übersee kommt.“ Quelle: REUTERS
Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit ehemals bundesweit 132 Standorten wird zerschlagen. Die Übernahmegespräche mit der Hellweg-Gruppe über die verbliebenen 73 Märkte waren Mitte November gescheitert; Ende November scheiterte dann auch eine Übernahme durch Globus. Am 28. November wurde dann bekannt, dass die Mannheimer Baumarktkette Bauhaus 24 Standorte des insolventen Konkurrenten übernimmt. Damit sollen rund 1300 der noch verbliebenen 3600 Arbeitsplätze abgesichert sein. Max Bahr hatte am 26. Juli 2013 die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen müssen. Mutterkonzern Praktiker hatte am 11. Juli den Gang zum Insolvenzrichter absolviert. Quelle: dpa

Zumindest in Ihrem wichtigsten Geschäftsfeld, dem Cash & Carry-Großhandel (C&C), läuft es seit geraumer Zeit nicht rund. Im April haben Sie die Sparte zur Chefsache erklärt. Was hat sich seither getan?

Wir haben in den vergangenen Jahren in einigen Ländern häufig über Probleme geredet, aber zu wenig getan, um sie zu lösen. Das muss sich ändern. Wir werden die Umsetzungsqualität verbessern und haben schon viel erreicht.

Nämlich?

Wir führen wieder intensiver. Management und Mitarbeiter gehen den Dingen konsequenter nach, um sicherzustellen, dass die Probleme wirklich angepackt werden. Ein Beispiel: Um das Sortiment für die deutschen Kunden attraktiver zu machen, haben wir einen renommierten Chefkoch gebeten, Metro-Märkte in Spanien, Italien und Frankreich zu besuchen und dort nach Spezialitäten zu suchen. Er hat eine Liste von Produkten erstellt, die ihm in den deutschen Märkten fehlen. Inzwischen sind bereits mehrere Hundert dieser Produkte in den Märkten.

Die Metro-Gruppe

Ist dafür überhaupt Platz? Ihre Märkte sind vollgestopft mit Staubsaugern, Bierbänken und anderen Non-Food-Artikeln.

Das Lebensmittelgeschäft hat für uns absolute Priorität. Daran richten wir den Veränderungsprozess aus, dort müssen wir Vielfalt und Exklusivität bieten. Das Non-Food-Sortiment wird reduziert. Mit 45 Prozent unserer Einzelprodukte erzielen wir bisher 96 Prozent unserer Non-Food-Umsätze. Das heißt, wir haben die Regale voll mit Produkten, die kaum Umsatz bringen. Das muss sich ändern. Im Markt in Düsseldorf haben wir fast 40 Prozent des Non-Food-Sortiments rausgenommen – und auf einmal sieht der Laden wieder aus wie ein Laden. Damit steigt die Attraktivität, und wir gewinnen Fläche für das Lebensmittelangebot.

Platz schaffen für Produkte, die die Kunden wirklich wollen – der Ansatz klingt nicht gerade revolutionär.

Richtig. Die Dinge, die wir ändern, sind in einigen Fällen trivial, aber verlangen eben von Grund auf andere Herangehensweisen, und gerade das ist manchmal am schwierigsten. Die gute Nachricht lautet: Wir haben viel Potenzial, um etwas zu verändern. Die schlechte Nachricht ist, dass wir das schon seit geraumer Zeit wissen. Aber langsam beginnt der Wandel.

Sehen Sie konjunkturellen Rückenwind?

Das wäre zu viel des Optimismus. In Europa bleibt das Umfeld herausfordernd. In Südeuropa und Südosteuropa erkennen wir zaghafte Anzeichen, dass sich die Lage etwas stabilisiert. Aber nach den vielen Rückschlägen in diesen Regionen sind wir sehr zurückhaltend. Für Deutschland rechnen wir weder mit einem großen Anstieg der Konsumneigung noch mit dem nächsten Konjunkturdesaster.

Real soll wieder auf die Beine kommen

Verdi weitet Amazon-Streiks aus
Unterm Weihnachtsbaum könnten diesmal manche Geschenke fehlen: Die Gewerkschaft Verdi lässt in der Auseinandersetzung mit dem Online-Versandhändler Amazon nicht locker. Mitten im Weihnachtsgeschäft haben Beschäftigte der Logistikzentren in Bad Hersfeld und Leipzig am 18. Dezember den dritten Tag in Folge gestreikt. Bei einer Streikversammlung sei beschlossen worden, den Ausstand analog Leipzig bis einschließlich Samstag zu verlängern, sagte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. Nach Verdi-Angaben haben an beiden Standorten zusammen 1100 Mitarbeiter gestreikt. In beiden Städten trugen die Streikenden ihre Forderungen nach einem Tarifvertrag in die Innenstädte. In Bad Hersfeld demonstrierten sie vor dem Rathaus. In Leipzig kamen drei polnische Gewerkschafter zu den Streikenden. „Wir haben den Schulterschluss bekräftigt, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen und gemeinsam für gute Arbeit kämpfen wollen“, sagte Verdi-Streikleiter Thomas Schneider. Der US-amerikanische Versandhändler will auch in Polen und Tschechien Logistikzentren aufbauen. Bei einer Kundgebung auf dem Leipziger Universitäts-Campus trafen sich die Beschäftigten mit Studenten. „Die Amazon-Streikenden gehen zu ihren Kunden und erklären ihnen, warum sie streiken“, sagte Schneider. Amazon versicherte erneut, dass der Ausstand in Bad Hersfeld und Leipzig keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb hat. „Wir sind völlig in der Quote“, sagte ein Sprecher. Middeke sagte dagegen, arbeitende Kollegen hätten von Schwierigkeiten im Packbereich berichtet. Die Gewerkschaft fordert von Amazon höhere Löhne und tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Der US-Konzern nimmt aber die Logistikbranche als Maßstab, in der niedrigere Löhne gezahlt werden. Seit Monaten organisiert Verdi einen Arbeitskampf, um einen Tarifvertrag mit dem Versandhändler zu erzwingen. Amazon Deutschland reagierte laut „Focus“ gelassen auf die Streikankündigungen: Das Unternehmen sei „gut vorbereitet“. Quelle: dpa
LufthansaOft über mehrere Tage kamen Passagiere nicht an ihr gewünschtes Ziel. Nach monatelangen Verhandlungen legten Lufthansa und Verdi ihren erbittert geführten Tarifstreit dann doch bei. Die Mitarbeiter sollen nun 3,0 Prozent mehr Lohn erhalten, die Beschäftigten aus den Bereichen Systems, Technik und Cargo 4,7 Prozent mehr Geld bekommen. Zudem hat man sich für die Dauer des Tarifvertrages auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen geeinigt. Die Vereinbarung soll 26 Monate laufen. Quelle: REUTERS
PostNeun Millionen Briefe kamen wegen Warnstreiks bei der Post verspätet zu ihrem Empfänger. Damit haben die rund 132 000 Beschäftigten erreicht, dass sie in zwei Schritten mehr Geld bekommen. Nach einer Marathonsitzung einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine Anhebung der Gehälter ab dem 1. August um 3,1 Prozent und ab dem 1. Oktober 2014 nochmals um 2,6 Prozent. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 26 Monaten. Quelle: dpa
Streik nicht gleich StreikWelche Art Streik wann erlaubt ist, wird genau geregelt: Aus Sicht der Gewerkschaften sind Warnstreiks - kurze und zeitlich befristete Arbeitsniederlegungen - ein Druckmittel, um wieder Bewegung in festgefahrene Tarifverhandlungen zu bringen. Streiks wiederrum folgen erst nach einem endgültigen Scheitern der Tarifgespräche. Und zu Solidaritätsstreiks können Gewerkschaften grundsätzlich aufrufen, wenn sie als Unterstützungsstreik für ein anderes Unternehmen dienen. Generell muss dabei aber immer eine gewisse Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Quelle: dpa
PorscheDer Betriebsratschef des Sportwagenherstellers, Uwe Hück, hat den Druck auf die Arbeitgeber erhöht und mit einem harten Arbeitskampf ab Juni gedroht: "Dann hätten wir einen heißen Streiksommer für soziale Gerechtigkeit, der sich gewaschen hat." Für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall-Branche fordert die IG Metall 5,5 Prozent mehr Geld. Ein Angebot der Arbeitgeber hatte die Gewerkschaft abgelehnt. Sie hatten nach zwei Nullmonaten eine Erhöhung um 2,3 Prozent bei 13 Monaten Laufzeit geboten. Hück nannte das Angebot "eine Frechheit und respektlos den fleißigen Mitarbeitern gegenüber, die Milliardengewinne erarbeitet haben." Quelle: dpa
SchifffahrtEin Arbeitskampf könnte schon bald auch die Binnenschifffahrt in Deutschland behindern. Mehr als 95 Prozent der Verdi-Mitglieder in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung haben sich in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Hintergrund ist ein Umbau der Verwaltung, bei dem Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Nach Verdi-Angaben sollen etwa 2500 der 12.500 Stellen wegfallen. Quelle: dpa
EU-BeamteAuch die rund 3500 Beschäftigten des EU-Ministerrates sind von ihrer Gewerkschaft zu einem Streik gegen drohende Gehaltskürzungen aufgerufen worden. Die automatische Anpassung an Gehaltserhöhungen soll in den Mitgliedstaaten wegfallen. Jährliche Gehaltskürzungen sind ebenso vorgesehen wie höhere Beteiligungen an der Krankenversicherung und schlechtere Beförderungschancen. Quelle: dpa

Hierzulande trifft Sie der Tarifkonflikt im Einzelhandel besonders hart. Ist eine Lösung mit der Gewerkschaft Verdi in Sicht?

Das wäre wünschenswert. Verdi sollte darauf achten, den Bogen nicht zu überspannen. Eine Tarifpartnerschaft verlangt auch partnerschaftlichen Umgang miteinander. Wir sind der größte tarifgebundene Händler in Deutschland, und deshalb ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Metro-Gesellschaften einer ungleich größeren Streikintensität ausgesetzt werden als andere Unternehmen – zumal sich einige davon ganz oder teilweise aus der Tarifbindung verabschiedet haben. Es ist für uns völlig unverständlich, wieso bisher etwa drei Viertel der Streikmaßnahmen insbesondere auf Real, aber auch auf den Kaufhof entfallen sind, obwohl die beiden Unternehmen nicht einmal zehn Prozent des Umsatzes und der Beschäftigten in der Branche repräsentieren. Es gab sogar direkte Kundenansprachen nach dem Motto „kauft nicht hier ein“, teilweise wurde auch bewusst der Geschäftsbetrieb gestört. Solche Aktionen sind für uns geschäftsschädigend.

Warum trifft es besonders Metro?

Nirgendwo im Handel gibt es so viele Betriebsräte wie bei uns. Insofern ist es für Verdi einfacher, bei uns Leute zu mobilisieren. Es trifft aber genau die Falschen, insbesondere da wir uns strikt an die Tarifverträge halten.

Wollen Sie raus aus der Tarifbindung?

Die Tarifgemeinschaft ist weiterhin wichtig und wünschenswert. Aber es gibt Grenzen, wenn diese Partnerschaft infrage gestellt wird – wie ja auch die Tarifflucht anderer Unternehmen zeigt. Angesichts dieser Entwicklung wird es betriebswirtschaftlich immer schwieriger, die Tarifbindung aufrechtzuerhalten, gerade in Vertriebslinien wie Real, die zu kämpfen haben. Wir wollen investieren, um Real wieder auf die Beine zu stellen; aber dafür brauchen wir Geschlossenheit. Deswegen ist es umso ärgerlicher, wenn wir als tariftreues Unternehmen in einer solchen Phase ohne Grund stärker bestreikt werden als andere Unternehmen.

Wie wollen Sie Real drehen?

Unsere Marktleiter erhalten mehr Verantwortung, und wir listen mehr regionale Lieferanten. Wir werden auch die Prospektwerbung verändern und unsere Kompetenz stärker unterstreichen mit Themenwochen und Events. Zum Beispiel werden wir jetzt bei Real eine Italienwoche machen und entsprechend hochwertige Produkte von Pasta über Espresso bis zu Sportbekleidung herausstellen.

Themenpakete sind doch ein alter Hut. Aldi hatte gerade eine Italienwoche...

Wir sprechen hier von einer ganz anderen Größenordnung. Wichtig ist, den Kunden zu zeigen, dass Real viel mehr bietet, als „einmal hin, alles drin“, wie es in der Real-Werbung heißt.

Das Online-Geschäft ausbauen

So sollen Webshops zum Kauf animieren
Der Shop für Aktenvernichter Experteaz.de setzt auf einen Verkäufer, um Besucher emotional anzusprechen. Die Strategie geht offensichtlich auf: Über die Seite werden deutlich mehr Geräte pro Besucher verkauft als über ähnliche, konventionelle Seiten des Betreibers. Quelle: Screenshot
Dass der „Faktor Mensch“ überzeugt, belegt auch eine nicht-repräsentative Studie in Kooperation mit ERGO Direkt. Im Vergleich standen eine statische Darstellung der Homepage und eine Format mit Moderator. Die Studienteilnehmer äußerten sich meist positiver zu der Video-Lösung als zur konventionellen Seite. Quelle: Presse
Die Besucher der statischen Seite sind mit 41 Prozent weniger bereit, ein Angebot des Versicherers einzuholen als die Nutzer der Video-Lösung mit 56 Prozent. Quelle: Presse
Geht es um einen tatsächlichen Vertragsabschluss, überzeugt der Moderator prozentual wieder mehr Leute als die einfache Seite. Quelle: Presse
Neuromarketing basiert nicht auf bewussten Entscheidungen: Wie diese Abbildung zeigt, gefällt einer Mehrheit die statische Seite rational besser. Trotzdem führt die Video-Lösung – wie in der vorherigen Grafik zu sehen – zu einem höheren Umsatz. Quelle: Presse
Die Studienteilnehmer wurden auch gefragt, welche Gefühle die jeweilige Darstellung bei ihnen auslöst. Auch hier sticht der positive Effekt des „Faktor Mensch“ zum Teil sehr deutlich hervor. Allerdings erzeuge der Online-Moderator bei einigen auch Stress und Langeweile. Quelle: Presse
Ein Unternehmen will mit einer Marke bestimmte Aussagen verknüpfen, die positiv beim Kunden ankommen. Der interaktive Dialog kann diese Botschaften besser verstärken als eine statische Seite. Quelle: Presse

Werden Sie mit Real in den Online-Lebensmittelhandel einsteigen?

Das ist bisher nicht geplant. Real setzt online primär auf den Non-Food-Bereich. Lebensmittel-Lieferungen – auch über Internet-Bestellungen – gehören zum Kerngeschäft unserer Cash & Carry-Sparte. Deren Belieferungsgeschäft hat 2012 die Zwei-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Sieben Prozent unserer Umsätze in Deutschland stammen inzwischen aus Lieferungen, zehn Prozent sind drin.

Welche Bedeutung wird der Online-Handel insgesamt im Jahr 2020 haben?

Ich erwarte, dass der größte Teil des Geschäfts trotz aller Dynamik auf absehbare Zeit im stationären Einzelhandel bleibt. Es gibt einzelne Warengruppen wie Elektronik, bei denen der Umsatzanteil hohe zweistellige Prozentwerte erreichen wird. Manche Artikel könnten komplett ins Netz abwandern. Aber beim Gros der Produkte dürfte das Online-Geschäft auf absehbare Zeit einen Umsatzanteil von 20 bis 25 Prozent nicht überschreiten.

MediaSaturn macht sechs Prozent der Umsätze im Netz. Sind Sie zufrieden?

Wir haben das Limit längst noch nicht erreicht. Aber ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung. Wir waren spät dran und haben erst vor knapp zwei Jahren mit dem Online-Geschäft begonnen. Jetzt holen wir uns den Markt zurück, den wir zwischenzeitlich an Online-Player verloren hatten. Es spricht alles dafür, dass wir unseren Marktanteil im stationären Geschäft in Deutschland von rund 18 Prozent auch im Online-Geschäft erreichen können.

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Sie mussten online und in den Läden die Preise senken, um mit Amazon & Co. mitzuhalten. Macht das die Gewinne kaputt?

Wir waren mit vielen Preisen gegenüber Online-Anbietern nicht mehr konkurrenzfähig. Das haben wir geändert, auch wenn es schmerzhaft war und ist. Denn um die Margenverluste auszugleichen, müssen wir die Kosten senken und an den Konditionen arbeiten. Bei beiden Themen kommen wir gut voran.

Bleibt Metro der größte deutsche Händler oder werden Sie von der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland überholt?

Das Wachstumspotenzial der Metro ist enorm. Der Vergleich zu Wettbewerbern interessiert mich dabei nicht. Ob wir nun die Nummer eins, zwei oder drei sind, ist keine Steuerungsgröße und kein Wert an sich. Es spricht nichts dagegen, kleiner zu werden, wenn man dadurch besser wird.

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