Metro Group nach Kaufhof-Übernahme Wie geht es jetzt mit Karstadt weiter?

Oh, wie schön ist Kanada? Nicht für Karstadt. Das Scheitern im Übernahmekampf um Kaufhof hat für Karstadt-Eigner René Benko langfristig gravierende Folgen. Die Perspektiven für Karstadt verdüstern sich.

Karstadt und Kaufhof Quelle: dpa

Die Schlacht um Kaufhof ist entschieden: Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) übernimmt Kaufhof, der österreichische Immobilieninvestor und Karstadt-Eigner René Benko geht dagegen leer aus. Benkos Pläne für einen Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt sind damit vom Tisch.

Der österreichische Karstadt-Eigner Signa reagiert enttäuscht: „Wir haben uns drei Jahre lang auf die Verwirklichung der Deutschen Warenhaus Holding intensiv und gewissenhaft vorbereitet, um die beiden deutschen Traditionsmarken Kaufhof und Karstadt gemeinsam in eine gute Zukunft zu führen“, hieß es in einer Mitteilung. „Dies ist nun nicht mehr möglich.“ Erstmals habe die „historische Chance“ bestanden, Kaufhof und Karstadt zu vereinen und „gemeinsam miteinander offensiv in einem schwieriger werdenden Marktumfeld zu agieren“.

Doch welche Folgen hat die Kaufhof-Entscheidung für Karstadt?

Das ist die Hudson's Bay Company

Folgt man den Aussagen von Karstadt-Chef Stephan Fanderl, halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Schon in einem Brief an die Karstadt-Mitarbeiter vor ein paar Wochen ließ er erklären, dass sein Unternehmen Kaufhof nicht zum Überleben brauche.

Alles halb so schlimm also? Das in den vergangenen Wochen entfachte PR-Trommelfeuer lässt auch eine andere Lesart zu. Mal wurden großzügige Jobgarantien ins Spiel gebracht, mal ploppten Schlagzeilen über vermeintliche Sanierungserfolge bei Karstadt auf. Der Wirbel nervte nicht nur die Metro-Granden, sondern zeigte nebenher auch, wie stark das Essener Unternehmen und seine österreichischen Eigentümer auf die Übernahme setzten.

Die Top 10 Warenhausbetreiber Europa 2015

Kein Wunder: Der Zusammenschluss von Kaufhof und Karstadt hätte Benko langfristig wohl Millionenbeträge gespart – etwa über einen gebündelten Einkauf oder die Schließung der ohnehin überdimensionierten Karstadt-Hauptverwaltung. Zudem hätte das in den vergangenen Jahren erfolgreiche Kaufhof-Konzept als Blaupause genutzt werden können, um Karstadt umzukrempeln.

Benkos Optionen sind verbaut

Nicht minder wichtig: Auch finanztechnisch hätte ein Zuschlag den Österreichern neue Möglichkeiten eröffnet. So ist die Bewertung des Warenhauskonzerns weniger vom klassischen Geschäft, also dem Verkauf von Shirts, Socken und Schuhen abhängig, als von den Kaufhof-Immobilien – und der Wert der Häuser ließe sich über Mieterhöhungen kräftig steigern. Das schlägt zwar zunächst auf die Erträge im operativen Geschäft durch, wirkt aber andererseits wie ein Hebel auf die Gesamtbewertung des Unternehmens und schafft so Raum für neue Finanzierungen. Diese Optionen sind Benko nun verbaut.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Stattdessen muss er Karstadt in Eigenregie auf Kurs bringen. Eine Mammutaufgabe, denn allen Erfolgsmeldungen der vergangenen Tage zum Trotz bleibt das Unternehmen wohl noch über Jahre ein Sanierungsfall: Das Gros der Karstadt-Filialen ächzt unter einem gewaltigen Investitionsstau. Die Feinkosttochter Perfetto steckt in der Krise. Die margenstarken Eigenmarken im Modebereich sind weitgehend unbekannt. Im schnell wachsenden Online-Geschäft ist bei Karstadt keine Strategie erkennbar. Die Gewerkschaft Verdi fordert eine Rückkehr zum Tarifvertrag, was die Personalkosten nach oben treiben würde.

Vor allem aber scheint die Karstadt-Mannschaft ausgelaugt von immer neuen Sparrunden, Umstrukturierungen und Managementwechseln. Bereits seit mehr als 15 Jahren kämpft das Unternehmen gegen den Niedergang. Ein Ende des Karstadt-Dramas rückt mit der heutigen Entscheidung in weite Ferne - zumindest ein glückliches.

Mit Material von dpa

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%