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Metro Kaufhof-Favorit bietet offene Flanke

Das Bietergefecht um Kaufhof läuft auf René Benko zu. Nur ein Thema kann den österreichischen Immobilieninvestor noch stoppen: Woher stammen seine Millionen?

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Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko Quelle: dpa

Der Name passt. „Mustermann“ steht auf dem Klingelschild der Signa-Repräsentanz in der Düsseldorfer Innenstadt. Die Glastür öffnet sich zu einem Raum, der gleichermaßen kühl wie teuer wirkt. Auf dem rötlich schimmernden Empfangstresen stehen ein paar Orchideen, an der Wand dahinter prangt ein blasses Aquarell – willkommen im Reich von René Benko, jenes österreichischen Immobilieninvestors, der sich mit seinem Unternehmen Signa anschickt, den Traditionshändler Kaufhof zu übernehmen.

Der Mustermann

Mustermann? Das Klingelschild sei beim Einzug wohl vergessen worden, sagt Benko. Doch für die Führungsspitze des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro, dem Kaufhof gehört, könnte Benko tatsächlich so etwas wie der lang erhoffte Fabelinvestor werden. Er wolle investieren und expandieren, statt Filialen zu schließen, versichert Benko landauf, landab in Interviews. Er lobt das Kaufhof-Management und sei bereit, einen ordentlichen Preis zu zahlen. In der vergangenen Woche hat er eine verbindliche Offerte über etwas mehr als zwei Milliarden Euro abgegeben.

Geldwäsche-Ermittlungen

Bereits auf ihrer Sitzung am Freitag könnten die Metro-Aufsichtsräte eine Vorentscheidung darüber fällen, ob Benko den Zuschlag erhält. Der bezirzte zuletzt auch die Arbeitnehmervertreter im Gremium – offenbar mit Erfolg. Sowohl das Metro-Management als auch die Aufseher würden derzeit lieber Benko als Kaufhof-Käufer sehen als den zweiten Interessenten, Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, heißt es im Umfeld des Konzerns.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Nicolas Bergguen Quelle: dpa

Benko will alle Vorwürfe ausräumen, doch der Verdacht trifft ihn an seinem empfindlichsten Punkt. Schon seit geraumer Zeit ranken sich um den Jungmillionär Legenden. Immer wieder ploppt etwa das Gerücht hoch, das Geld für den Kaufhof-Deal stamme aus den Kassen kasachischer Öldespoten. Benko verweist derlei Spekulationen ins Reich der Fantasie. Die Wirklichkeit ist schillernd genug.

So sind an Benkos Unternehmen Signa Prime AG, über das er Kaufhof erwerben will, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der griechische Reeder George Economou, der Münchner Kunststoffclan Schoeller und eine österreichische Unternehmerfamilie beteiligt. Es gebe „allen Gerüchten zum Trotz kein Geld aus irgendwelchen dunklen Quellen“, sagt Benko.

Die Benko-Boys

Wäre er Erbe, Online-Unternehmer oder Hedgefondsmanager, Benkos Millionen würden wohl ohne große Zweifel akzeptiert. Aber Immobilien? Zu märchenhaft scheint sein Aufstieg zum Häuserkönig. Ein 34-Jähriger, der in einem der schönsten Innenstadtpalais Wiens residiert, ein Privatjet sein Eigen nennt und seinen Ferrari unlängst in einen S-Klasse-Mercedes tauschte, um nicht gar so protzig zu wirken. Seinen Unternehmensbeirat schmückt eine Melange des politisch-industriellen Komplexes der Alpenrepublik: Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gehört ebenso zu den Benko-Boys wie Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner.

Signa-Immobilien

Benko, Sohn eines Tiroler Gemeindebeamten und einer Kindergärtnerin, schmiss mit 18 die Schule. Einem Freund hatte er dabei geholfen, staubige Dachböden in Luxuswohnungen zu verwandeln, und dabei zu viele Fehlstunden angesammelt. Eine Nummer größer wurde das Geschäft im Jahr 2000. Benko lernte den Tankstellen-Erben Karl Kovarik kennen. Mit dessen Kapital im Rücken begann Benko Ärztezentren zu errichten. Das Unternehmen wuchs. Schließlich habe er „viel Gespür für das Geschäft“, bescheinigt Benko sich selbst. Es folgten Großprojekte wie der Neubau des Innsbrucker Kaufhauses Tyrol. Benkos Signa legte Fonds auf und heuerte zwischenzeitlich den früheren Berliner Oberbürgermeister Eberhard Diepgen als Berater an, um in der deutschen Hauptstadt zu investieren. Auch das Gebäude der Deutschen Börse und das gerade umgebaute Düsseldorfer Einkaufscenter Sevens sind Signa-Immobilien.

Die Zukunft von Kaufhof und Karstadt

Der Großkonzern Metro Quelle: dapd

2009 zog sich Kovarik plötzlich aus dem gemeinsamen Unternehmen zurück. Offizielle Erklärung: Alters- und Gesundheitsgründe. Fast zeitgleich brach jedoch eine Scheidungsschlacht im Hause Kovarik aus, bei der es auch um die Signa-Anteile ging. Zudem begannen die Ermittlungen der Wiener Staatsanwaltschaft. Benko will erst jetzt – zwei Jahre später – davon erfahren haben. Gerüchten zufolge soll eine Immobilie von ihm gekauft und wenig später wieder verkauft worden sein. Die Transaktion erregte offenbar das Misstrauen einer Luxemburger Bank, die die Behörden über ihren Verdacht informierte, dass bei dem Geschäft Geld gewaschen worden sein könnte. Benko will die Vorwürfe schnell aufklären, zumal der Vorgang auch bei Metro für Irritationen sorgt.

Gerangel um Kaufhof

Ein schneller Abschluss wäre auch aus Metro-Perspektive wünschenswert, obwohl ein Sprecher betont, der Konzern stehe nicht unter Zeitdruck. So dürfte das Interesse von Metro-Großaktionär Haniel an einer Sonderdividende aus dem Verkaufserlös gestiegen sein, nachdem das Kreditrating der Holding weiter gelitten hat. Ende Dezember endet zudem die Amtszeit von Metro-Chef Eckhard Cordes. Ein erfolgreicher Kaufhof-Abschluss brächte ein wenig Glanz in sein tristes letztes Jahr bei Metro, das von einer Gewinnwarnung und einem monatelangen Gerangel um den Chefposten überschattet wurde. Cordes weist derlei Motive stets zurück. Allerdings müht er sich schon lange, die Warenhäuser loszuschlagen. Doch es fand sich kein Käufer, der mehr als zwei Milliarden Euro zahlen wollte – bis Benko kam und sich in der Folge auch Karstadt-Investor Berggruen als Interessent outete.

"Karstadt und nochmals Karstadt"

Gegen Berggruen gibt es Metro-intern jedoch Vorbehalte. Die Arbeitnehmer fürchten bei einer Zusammenlegung mit Karstadt über kurz oder lang einen deutlichen Abbau von Arbeitsplätzen. Für Cordes’ Nachfolger Olaf Koch, der gegen die Stimmen der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat zum neuen Metro-Chef gewählt wurde, dürften derlei Bedenken Gewicht haben. Koch kämpft darum, Vertrauen bei der Belegschaft zu gewinnen. Auch Karstadt-Chef Andrew Jennings treiben derzeit andere Themen um als ein Gemeinschaftsunternehmen mit Kaufhof. Er konzentriere sich „voll auf Karstadt, Karstadt und nochmals Karstadt“, sagt Jennings im Interview.

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