WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Metro nach dem Kaufhof-Deal „Wir schalten auf Angriff um“

Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser hat dem Metro-Konzern Milliarden gebracht. Jetzt will Vorstandschef Olaf Koch kräftig investieren – und sparen. Er kündigt die Tarifbindung von Real auf.

Der Vorstandsvorsitzende des Metro-Konzerns, Olaf Koch- Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Koch, haben Sie den Verkauf Ihrer Warenhaustochter Galeria Kaufhof an den kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC) schon bereut?

Koch: Warum sollte ich? Ganz im Gegenteil: Der Preis ist super, der Käufer ist solide und hat eine klare Wachstumsstrategie, es stimmt einfach alles.

Ihre Aktionäre sehen das offenbar anders. Nach Bekanntgabe der Transaktion brach die Metro-Aktie um vier Prozent ein.

Die Kursentwicklung am Tag der Verkündung war nicht gut, vor allem vor dem Hintergrund einer sehr attraktiven Transaktion mit einem sehr guten Verkaufspreis. Vor drei Jahren wurden uns für Kaufhof nur knapp zwei Milliarden Euro angeboten. Jetzt haben wir mehr als 2,8 Milliarden Euro erzielt. Wir erledigen unsere Hausaufgaben – das sehen auch die meisten Analysten so. Und das wird sich dann auch mittelfristig in der Aktie widerspiegeln. Aber es macht jetzt auch keinen Sinn, sich über den kurzfristigen Kursverlauf das Hirn zu zermartern.

Zur Person

In den vergangenen Wochen ploppten fast täglich neue Schlagzeilen zum vermeintlichen Stand der Verhandlungen auf. Hat das den Verkaufsprozess gestört?

Die ständigen Wasserstandsmeldungen haben vor allem bei den Mitarbeitern eine Menge Fragen zur Zukunft von Galeria Kaufhof aufgeworfen, die wir erst nach Abschluss der Verhandlungen beantworten konnten. Um vernünftig verhandeln zu können, ist Diskretion wichtig. Der Medienrummel insgesamt und insbesondere mögliche Versuche, sich öffentlich als die beste Wahl zu positionieren, sind in einem solchen Prozess eher kontraproduktiv.

War das einer der Gründe dafür, dass Karstadt-Eigentümer René Benko bei Ihnen abgeblitzt ist? Auch er hatte mit seinem österreichischen Unternehmen Signa mitgeboten.

Ich kann nicht auf Details zum Bieterprozess eingehen. Nur so viel: Wir haben in den Gesprächen mit HBC den Eindruck gewonnen, dass sie es mit ihren Expansionsplänen nach Europa ernst meinen. Zudem hat HBC den deutschen Markt seit Jahren beobachtet, sie wissen also, wie das Warenhausgeschäft hier funktioniert und wie wichtig die Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter ist. Nicht zuletzt haben uns die Kanadier einen attraktiven Kaufpreis und eine kristallklare Finanzierung für das Geschäft präsentiert.

Und Benko hat das nicht getan?

Ich kommentiere nur die Transaktion und die beteiligten Parteien.

Das ist die Hudson's Bay Company

Was wird HBC bei Kaufhof jetzt anders machen als Metro?

Der Hauptunterschied ist, dass HBC ganz andere Investitionsmöglichkeiten hat. Wir standen immer vor dem Dilemma, dass jeder Euro, den wir in Metros Cash & Carry-Großmärkte oder in die Expansion von Media-Saturn gesteckt haben, ungleich mehr Rendite erzielt hat als ein entsprechender Einsatz bei Galeria Kaufhof. Trotzdem haben wir durchschnittlich rund 100 Millionen Euro pro Jahr investiert, um die Transformation zu ermöglichen; aber eben nicht mehr. Das ist bei HBC anders. Die Kanadier können sich voll auf die Entwicklung der Warenhäuser konzentrieren. Kaufhof wird jetzt die Aufmerksamkeit und die Mittel erhalten, die das Unternehmen verdient hat.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%