Metro "Sandy" über Düsseldorf

Nach Dax-Abstieg und Gewinnwarnung legt Metro-Chef Olaf Koch schlechte Quartalszahlen vor. Der konjunkturelle Gegenwind in Europa entpuppt sich als Wirbelsturm von Sandy-Format. Nun will der Konzern im Weihnachtsgeschäft punkten.

Wo es bei der Metro überall brennt
Real: Der Verkauf der Supermarktkette Real wird seit Jahren diskutiert - und im entscheidenden Moment immer wieder abgeblasen. Jetzt nimmt Metro-Chef Koch einen neuen Anlauf die Tochter loszuschlagen. „Die Kette ist wieder auf dem Markt“, heißt es Ende August 2012 in Frankfurter Finanzkreisen. Läuft alles nach Plan, könnte das internationale Geschäft oder Teile davon bis Ende des Jahres den Besitzer wechseln, heißt es im Unternehmensumfeld. Quelle: dpa
Rechtstreit mit den Media-Markt-GründernSeit November 2011 liegt die Metro mit den Media Markt-Gründern Erich Kellerhals und Leopold Stiefel (rechts) im Clinch. Obwohl beide nur eine Minderheit am Unternehmen halten, sicherten sie sich ein Vetorecht an der Media-Saturn-Holding. Um dieses auszuhebeln, hatte Metro-Chef Koch einen Beirat eingerichtet, in dem mit einfacher Mehrheit entschieden wird. Dagegen klagte Kellerhals. Im August 2012 urteilte das Oberlandesgericht München, dass die Einrichtung des Beirats rechtens war. Mit welcher Mehrheit im Beirat Beschlüsse gefasst werden können, müsse aber ein Schiedsgericht klären. Dieses entschied, dass der Beirat für wichtige operative Fragen wie Zukäufe von Unternehmen oder das Budget zuständig sei. Über die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern der Media-Saturn-Holding und die Gewinnverwendung müssten Kellerhals und Metro aber weiter gemeinsam entscheiden. Koch kann also nach wie vor nicht durchregieren. Kellerhals will sich - sollte der Streit nicht beigelegt werden - nach einem anderen Gesellschafter umsehen. Fortsetzung folgt. Quelle: dapd
Kaufhof:Nach langem Hin und Her hat Metro die Verhandlungen um einen Verkauf von Kaufhof Mitte Januar auf Eis gelegt. Als Grund gab das Unternehmen die schwierige Situation auf den Finanzmärkten an. Dabei wollte Metro die ungeliebte Warenhauskette schleunigst los werden. Ganz reibungslos gingen die Verhandlungen nicht vonstatten. Der ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes soll Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär René Benko persönlich aufgesucht haben, um mit ihm Details des Verkaufs zu besprechen. Signa wollte die Übernahme noch vor Weihnachten über die Bühne bringen. Quelle: dpa
Mit dieser Entscheidung des neuen Metro-Chefs Olaf Koch geht auch der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen leer aus. Berggruen hatte sein Interesse an Kaufhof mehrmals unterstrichen. Quelle: dpa
Media Markt:Media Markt indes machte zuletzt munter weiter negative Schlagzeilen. Im Zuge der Schmiergeldaffäre ist der Deutschlandchef des Elektronikhändlers, Michael Rook, angeklagt worden. Gewerbliche Bestechung in 70 Fällen lautete der Verdacht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Augsburg. Anbieter von Verträgen für Breitband-Internetanschlüsse sollen Verantwortlichen von Media-Saturn insgesamt 5 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt haben, um im Gegenzug ihre Produkte in den Märkten der Kette verkaufen zu dürfen. Neben Rook wurde auch ein Regionalmanager angeklagt. Während Rook bisher seine Unschuld beteuert, haben weitere Mitangeklagte inzwischen Geständnisse abgelegt. Bei einer Verurteilung drohen ihnen lange Gefängnisstrafen. Quelle: dapd
Führung:An der Spitze des Handelskonzerns gab es zum 1.1.2012 einen Wechsel. Eckhard Cordes machte Platz für den bisherigen Finanzvorstand Olaf Koch. Zuvor hatte es eine wochenlange Hängepartie um die Nachfolge Cordes gegeben. Sie endete mit einer äußerst knappen Mehrheit für Koch im Aufsichtsrat. Quelle: Reuters
Haniel:Der heftige Machtkampf um die Metro-Spitze hat zu einem weiteren Führungsproblem geführt: Im November wirft Aufsichtsratschef Jürgen Kluge bei der Metro-Mutter Haniel das Handtuch. Er hatte Mitte Oktober bereits seinen Vorsitz im Aufsichtsrat von Haniels wichtigster Beteiligung Metro niedergelegt und damit die Konsequenz aus dem öffentlichen Streit um die Vertragsverlängerung von Metro-Chef Eckhard Cordes gezogen. Quelle: dpa
Immerhin: Der Metro-Aufsichtsrat hat in einer Sondersitzung das Familienoberhaupt des Haniel-Clans, Franz Markus Haniel, mit den Stimmen von Anteilseignern und Arbeitnehmer-Vertretern zum Nachfolger von Kluge gewählt. Quelle: dpa
Bilanz:Der finstere Gesichtsausdruck auf einer Pressekonferenz im November 2011 des damaligen CFOs und aktuellen Chefs, Olaf Koch, zeigt es: Metro steuert schweren Zeiten entgegen. Der Handelskonzern hatte Anfang Dezember seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2011 gesenkt. Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung sagte Koch im Januar 2012: „Das vergangene Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas haben zu einer Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt.“ Quelle: dpa

Sein erstes Jahr an der Spitze von Deutschlands größtem Handelskonzern hatte sich Metro-Chef Olaf Koch wohl anders vorgestellt. Statt Erfolgsmeldungen häufen sich die Negativschlagzeilen: Dax-Abstieg, Gewinnwarnung, Sparkonzerte in der Zentrale. Nun verhagelte die Konsumschwäche in Osteuropa auch noch das dritte Quartal. Immerhin, geht es nach Koch, ist jetzt ein Wendepunkt erreicht.     

Vor allem bei den Großmärkten und Europas größter Elektrohandelskette Media-Saturn brachen im dritten Quartal die Erträge ein. Koch sprach von einer „herausfordernden konjunkturellen Lage“. Der operative Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren fiel drastisch von 614 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 398 Millionen Euro. Wobei im Vorjahr der Verkauf eines Immobilienpaketes berücksichtigt werden muss. Beim Umsatz konnte der Konzern in Summe ein leichtes Plus verbuchen, wenngleich die Situation in den einzelnen Regionen recht unterschiedlich ausfiel.

So schnitten die Metro-Töchter 2011 ab

In den europäischen Ländern ohne Deutschland schrumpften die Erlöse deutlich um 5,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Und auch in Deutschland ging es leicht bergab. Koch konstatierte für den Heimatmarkt eine „sich abschwächende Konsumneigung“ vor allem im Nonfood-Bereich.

Auch für den Rest des Jahres erwartet der Konzern, dass Rekordarbeitslosigkeit und Sparpakete der Regierungen in den Krisenländern Südeuropas die Konsumausgaben „erheblich belasten“, sieht sich für das vierte Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft jedoch gut aufgestellt. Vor allem in Osteuropa und Asien konnte Metro derweil punkten und verzeichnete teils zweistellige Umsatzzuwächse.

Das Metro-Reich

Stellt sich die Frage, wie Koch den Konzern wieder auf Kurs bringen will. Der seit Anfang des Jahres amtierende Vorstandschef setzte bisher vor allem auf niedrigere Preise und mehr Service, um zusätzliche Kunden in die Großmärkte des Konzerns, in seine Kaufhof- und Real-Filialen sowie zu Media Markt und Saturn locken. Doch die Kampfpreise und die Kosten für Umbau und Service-Offensive zehren an den Margen. Allein bei MediaSaturn sollen die so genannten Preisinvestitionen seit Jahresanfang bei rund 120 Millionen Euro gelegen haben. Koch betont dabei, dass es sich um tatsächliche Investitionen handele. Die Wirkung soll sich demnach in den kommenden Monaten zeigen.

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Tatsächlich finden sich in der Quartalsbilanz bereits Zeichen, dass der eingeschlagene Weg des Konzernumbaus zwar länger dauert als gedacht, aber langfristig in die richtige Richtung führt. Die Nettoverschuldung sank, der Cashflow verbesserte sich, zudem sollen die in Südeuropa aktiven Vertriebslinien zwar Einbußen verzeichnen, zugleich aber Marktanteile gewinnen.

Im Klartext: Die Wettbewerber leiden derzeit wohl heftiger als Metro, der Konzern erweist sich als vergleichsweise resistent.

Für das Schlussquartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft gibt sich Koch denn auch für sämtliche Vertriebslinien optimistisch. Vor allem die Warenhaustochter Kaufhof habe derzeit „einen guten Lauf“. Nebenher könnte ein geplanter Immobilienverkauf im Schlussquartal dem Konzern erhebliche Gewinne bescheren – und die Stimmung der zuletzt gebeutelten Aktionäre aufhellen. Zudem deutet sich ein weiterer Deal an: Über den möglichen Verkauf des Osteuropageschäfts von Real soll bis Ende des Jahres entschieden werden.

Entsprechende Gespräche laufen bereits seit geraumer Zeit. Das betrifft vor allem das Real-Geschäft in Russland und der Türkei, wo die SB-Warenhauskette 108 Filialen betreibt. In Deutschland sind es 312 Standorte. Die Düsseldorfer hatten Real bereits vor Jahren zur Disposition gestellt, haben aber immer alle Optionen offen gelassen, die neben einem Verkauf und einem Teilverkauf auch einen Verbleib unter dem Dach der Metro umfassten.

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