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Metro-Tochter Die Schlacht um Kaufhof

Kampf der Milliardäre – wer im Bietergefecht um die Metro-Warenhaustochter die größten Chancen hat.

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Logo Galeria Kaufhof Quelle: dpa

Bei seinem wahrscheinlich letzten großen Auftritt als Chef des Düsseldorfer Metro-Konzerns präsentierte sich Eckhard Cordes bester Stimmung. Seine Gefühlslage sei „wunderbar“, ließ Cordes wissen. Selbst dass er dem Ergebnisziel des größten deutschen Handelskonzerns dank der Schuldenkrise nun das Attribut „unter Vorbehalt“ voranstellen muss, konnte seine Laune kaum trüben.

Kein Wunder: Eines der wichtigsten Ziele des scheidenden Metro-Lenkers, die Warenhaustochter Kaufhof zu verkaufen, rückt in greifbare Nähe. Noch gibt es keine echten Verhandlungen, die Interessenten sondieren nur das Feld, und auch in der Vergangenheit scheiterten letztlich alle Verkaufspläne an den Preisvorstellungen.

Gelingt der Coup aber, wäre das wohl auch eine persönliche Genugtuung für Cordes, der nach einem beispiellosen Gezerre um seine Vertragsverlängerung im Oktober auf eine zweite Amtszeit verzichtete. Aus den Reihen des Großaktionärs Haniel war zuvor immer wieder Kritik laut geworden, der Portfolioumbau bei Metro komme nicht voran. Tatsächlich fand sich über Jahre kein Investor, der bereit war, den von Cordes auf zwei bis drei Milliarden Euro taxierten Preis für die 139 Kaufhof-Warenhäuser zu bezahlen.

Seit vergangener Woche sind nun gleich drei mögliche Kandidaten im Gespräch: Der Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und der österreichische Immobilienspezialist Signa haben sich als Interessenten geoutet. Womöglich wagt sich aber auch der spanische Warenhausbetreiber El Corte Inglés noch aus der Deckung. Die Erfolgsaussichten der Interessenten sind allerdings sehr unterschiedlich.

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    Der amerikanische Weg

    Wolfgang Urban prüfte sie, Thomas Middelhoff wollte sie, Karl-Gerhard Eick stemmte sich gegen sie: Eine Fusion von Kaufhof und Karstadt zur Deutschen Warenhaus AG beschäftigte sämtliche Karstadt-Chefs in der vergangenen Dekade. Mit Berggruen träumt nun der nächste Kandidat davon, endlich das K.u.K.-Bündnis zu schmieden.

    Tatsächlich wirken die ökonomischen Perspektiven auf den ersten Blick reizvoll. So müsste nur noch eine Hauptverwaltung bezahlt werden. Die benachbarten Filialen der Rivalen bräuchten sich nicht länger Kunden abzujagen, wenn Doppelstand- orte geschlossen würden. Zudem könnte die Entwicklung von Eigenmarken vorangetrieben und die Konditionen bei Lieferanten könnten verbessert werden.

    Allein, alle Synergiepläne der Warenhaus-Granden in Köln und Essen scheiterten bisher an den Risiken einer solchen Fusion – und auch die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Berggruen-Offerte ist überschaubar.

    Mögliche Übernahme

    Eckhard Cordes Quelle: dpa

    Probleme wären bereits bei der Fusionsgenehmigung durch das Bundeskartellamt absehbar. Noch heikler ist aber die Frage, ob die rechnerischen Spareffekte in der Praxis überhaupt erzielt werden könnten. Denn dafür müsste das gemeinsame Filialnetz um mindestens zwei Dutzend Häuser ausgedünnt und eine der beiden Hauptverwaltungen geschliffen werden. Ein solcher Kahlschlag dürfte zu einem Aufschrei der Arbeitnehmervertreter führen und erhebliche Schließungskosten verursachen. Schon als Cordes den Metro-Aufsichtsrat vergangenen Mittwoch über den Stand der Gespräche informierte, hätten die Arbeitnehmervertreter wenig Begeisterung gezeigt, berichtet ein Teilnehmer der Runde.

    Übernahmewahrscheinlichkeit: 35 Prozent

    Die Ösi-Connection

    Auf weniger Schwierigkeiten dürfte die österreichische Signa stoßen, sollte sie ein Angebot für Kaufhof abgeben. Zu den Gesellschaftern des Konzerns, dem in Deutschland Immobilien wie die Zentrale der Deutschen Börse in Eschborn zuzurechnen sind, zählen Finanzzauberer wie der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sowie der griechische Reeder und Milliardär George Economou. Gesteuert wird Signa von René Benko, einem schillernden Immobilieninvestor, der es aus eigener Kraft vom Schulabbrecher zum Multimillionär gebracht hat und der als Held seiner Jugend einst den sparsamen Entenhausener Magnaten Dagobert Duck benannte. Trotz des frühen Vorbilds ist Benko offenbar bereit, einen Mindestpreis von mehr als zwei Milliarden Euro für die Immobilien und das operative Geschäft von Kaufhof zu zahlen, will sich aber auf keinen Bieterkampf einlassen.

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      Was das Trio treibt, sein Glück ausgerechnet im deutschen Kaufhauswesen zu suchen, bleibt rätselhaft. Die Angst vor dem Wertverfall des heimischen Geldes mag als Motiv für Economou noch durchgehen. Aber Wiedeking? Immerhin soll er den Kontakt zum früheren Daimler-Manager Cordes eingefädelt und hernach in Sachen Kaufhof kräftig mitsondiert haben.

      Benko beteuert derweil, das Konzept Warenhaus habe Zukunft, Filialschließungen seien nicht geplant. Auch die Finanzierung sei gesichert. Laufe alles nach Plan, könne man noch vor Weihnachten den Kaufvertrag unterschreiben, sagte Benko vergangene Woche. Offenbar will er den Abschluss durchpeitschen, bevor Cordes’ Nachfolger antritt und die Spielregeln womöglich wieder ändert.

      Wie es dann mit Kaufhof weitergehen würde, welche Akzente Signa etwa bei der Ausrichtung und Modernisierung der Häuser setzen würde, bleibt vage. Trotzdem werden der österreichisch-griechischen Connection derzeit auch in Finanzkreisen die besten Chancen eingeräumt.

      Übernahmewahrscheinlichkeit: 55 Prozent

      Die spanischen Zauderer

      Vor den Interessenbekundungen von Signa und Berggruen wurde der spanische Warenhausriese El Corte Inglés als potenzieller Käufer gehandelt. Branchenkenner tuschelten bereits über geheime Treffen des Spitzenpersonals beider Unternehmen. Doch aus der Deckung wagten sich die Spanier nicht. Zwar sucht Unternehmenspatriarch Isidiro Álvarez angesichts der spanischen Wirtschaftskrise nach Alternativen zum bröckelnden Heimatgeschäft, lässt aber zugleich Vorsicht walten. Denn anders als in Spanien, wo El Corte Inglés nicht über ein strahlendes Image, sondern auch über ein bequemes Monopol verfügt, geht es im Ausland deutlich rauer zu. Die wenigen Versuche, international zu expandieren, schlugen bislang fehl. Die Gespräche mit der Metro-Spitze ließen sich wohl allzu betulich an. Will sich El Corte Inglés nicht die Chance entgehen lassen, nach Deutschland zu expandieren, muss das Management schnell Flagge zeigen.

      Übernahmewahrscheinlichkeit: 10 Prozent

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