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Metro-Tochter vor Verkauf Real-Gesamtbetriebsrat warnt vor Kahlschlag

Real gilt als eine der größten Baustellen im deutschen Einzelhandel. Quelle: imago images

Der Verkauf der Supermarktkette Real rückt näher. Nun warnt der Betriebsratschef vor einem massiven Stellenabbau, wenn die Metrotochter an das deutsch-russische Konsortium X+Bricks verkauft wird.

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Kurz vor dem geplanten Verkauf der Supermarktkette Real an Finanzinvestoren warnt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Werner Klockhaus vor einem Kahlschlag beim Personal. „Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10.000 Arbeitslosen“, sagte Klockhaus in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Das heißt, fast jede dritte Stelle ist in akuter Gefahr. Es wird ein Drama.“

Bereits im Dezember deutete sich an, dass nun doch das deutsch-russische Konsortium X+Bricks den Zuschlag für die Supermarktkette bekommt. Der Investor X+Bricks, den der Real-Mutterkonzern Metro lange ignoriert hatte, soll nach den Plänen der Metro Ende Januar alle 277 Real-Märkte in Deutschland kaufen.

Das mit X+Bricks vereinbarte Konzept sieht formal einen Verkauf von Real als Ganzes vor. Der Großteil der Standorte soll dann aber an andere Händler abgegeben werden, lediglich ein nicht näher bezifferter Kern von Real-Märkten werde eigenständig weiterbetrieben, teilt Metro mit. „Ziel ist es, die Händler vertraglich zur Übernahme der Real-Mitarbeiter zu verpflichten.“

Laut Gesamtbetriebsratsvorsitzendem Klockhaus würden die meisten Mitarbeiter der derzeit etwa 34.000 Mitarbeiter durch Filialschließungen jedoch ihre Stelle verlieren. Vor dem Aus stünden auch die Zentralverwaltung in Düsseldorf, die Logistik, Werbung und IT-Abteilung. „Nach dem Verkauf wird nichts mehr so sein, wie es war“, prophezeit Klockhaus. Eine Stellungnahme seitens Metro gibt es dazu bislang nicht.

Real gilt als eine der größten Baustellen im deutschen Einzelhandel, weshalb sich Metro-Chef Olaf Koch seit Monaten müht, Käufer für das Tochterunternehmen und dessen rund 276 Märkte zu finden. Bereits seit September 2018 suchen Koch und seine Leute offiziell nach einem Käufer für Real. Mehrfach schon hat er Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Geschäftspartner dabei mit spektakulären Kehrtwenden überrascht.

Die sich seit Dezember 2019 finalisierenden Pläne, ebenso wie der mediale Warnruf Klockhaus' in dieser Woche, deuten aber an, dass ein Verkauf der Metro-Tochter nun tatsächlich in greifbare Nähe gerückt ist. Der geplante Verkauf muss noch vom Kartellamt gebilligt werden. Wettbewerbsrechtliche Bedenken – etwa durch eine Kooperation des Konsortiums mit Kaufland – versuchte X+Bricks bereits im Vorlauf während der Verhandlungen auszuräumen. Ob das funktioniert, ist allerdings offen. Die Pläne von X+Bricks muss das Kartellamt noch prüfen, das bei Übernahmen im von wenigen Handelskonzernen beherrschten deutschen Einzelhandel sehr genau hinsieht. Metro scheut denn auch das juristische Risiko und sieht die Bringpflicht beim Käufer: „Die geplante Abgabe von Standorten durch das Konsortium an andere Händler erfolgt nachgelagert und unabhängig von dem Verkauf von Real an das Konsortium.“

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