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Metro Was hinter den Aufspaltungsplänen steckt

Paukenschlag in der Handelslandschaft: Die Metro AG will sich teilen. Auf der einen Seite das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft, auf der anderen die Unterhaltungselektronik. Was hinter den Plänen steckt.

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Metro Group spaltet sich auf. Quelle: Marcel Stahn

Worum geht es?
Die Meldung kam unterwartet am Mittwochmorgen: „Der Vorstand der Metro AG bereitet die Schaffung von zwei unabhängigen, börsennotierten Geschäftseinheiten durch die Aufteilung der Metro Group vor“, verkündete der deutsche Handelsriese in einer Adhoc-Mitteilung. Der Aufsichtsrat muss noch zustimmen, endgültig ist die Spaltung also noch nicht. Wird der Plan von den Kontrolleuren durchgewunken, könnte die Teilung Mitte 2017 erfolgen.

In welche Teile will sich der Konzern aufspalten?
Im Zuge der Aufteilung der Metro AG entstünden zwei voneinander unabhängige Unternehmen: ein Großhandels- und Lebensmittel-Spezialist und ein Unternehmen für Unterhaltungselektronik-Produkte und -Dienstleistungen. Sprich: Auf der einen Seite die Metro-Cash-&-Carry-Großmärkte und die Real-Supermärkte, auf der anderen Seite Media-Saturn. Vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsräte ist vorgesehen, dass Olaf Koch das Großhandels- und Lebensmittel-Geschäft führen würde, während Pieter Haas, derzeit Mitglied des Metro-Vorstands und CEO von Media-Saturn, die Leitung der Consumer Electronics Gruppe übernähme.

Warum will sich der Konzern aufspalten?
Durch die Aufspaltung sollten beiden Teilen neue Wachstumsperspektiven eröffnet werden. „Die Ratio hinter dem Schritt geht auf die Unternehmensentwicklung der vergangenen Jahre zurück“, sagt Metro-Chef Olaf Koch im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Es habe sich gezeigt, dass die verschiedenen Teile kaum Synergieeffekte nutzen können. "Die Überschneidungen in Kernprozessen wie Einkauf und Logistik sind minimal. Dafür unterscheidet sich der Lebensmittelhandel zu stark von dem Geschäft mit Elektronikartikeln", sagt der Handelsexperte Jörg Funder.

Stattdessen hat die Konzerngröße für die Metro-Unternehmen gleich mehrere Nachteile. Zum einen ist die Struktur zu komplex. Künftig sollen die spezialisierten Unternehmen schneller und flexibler Entscheidungen treffen können. Zum anderen hoffen die Metro-Verantwortlichen so den negativen Konglomerats-Effekt loszuwerden. Die unterschiedlichen Geschäftsfelder waren für Analysten und Börsianer bislang nur schwer unter einen Hut zu bekommen. Künftig sollen sich Investoren gezielter für ein Unternehmen entscheiden können. Im Klartext: Der Börsenwert der neuen Unternehmen soll so gesteigert werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Steinemann sagte: „Ich glaube fest daran, dass eine Aufteilung des Konzerns in zwei unabhängige und fokussierte Unternehmen im besten Interesse aller Beteiligten wäre, weil wir damit beschleunigtes, profitables Wachstum ermöglichen. Nach eingehenden Diskussionen unterstütze ich die bisherigen Ergebnisse der Prüfung durch den Vorstand.“

Das Metro-Geschäftsjahr 2014/2015

Warum kommt die Aufspaltung jetzt?

Die Metro AG hat in den vergangenen Jahren im eigenen Laden aufgeräumt und Unternehmensanteile abgestoßen. Höhepunkt war der Verkauf der Warenhaustochter Kaufhof an die Hudsons Bay Company. Dieser Verkauf "war ein ganz entscheidender Schritt für die Umsetzung dieser Pläne", so Koch. Unter anderem mit diesen Einnahmen konnte der Konzern die Netto-Verschuldung um rund fünf Milliarden Euro abbauen. „Wir haben uns das Recht für diesen Schritt hart erarbeitet“, sagt Olaf Koch.

Was bedeutet die Aufspaltung für die einzelnen Konzernteile?
Durch einen Spin-Off sollen das Großhandelsgeschäft mit den Marken Metro Cash & Carry und Makro sowie die SB-Warenhauskette Real aus dem Konzern abgespalten und als selbstständiges börsennotiertes Unternehmen weitergeführt werden. Auf den Bereich entfallen derzeit knapp zwei Drittel des Metro-Umsatzes und drei Viertel des operativen Ergebnisses. Unter dem bisherigen Dach der Metro AG verbliebe nach der Abspaltung allein Europas größte Elektronikkette Media-Saturn. Sie soll künftig – unter neuem Namen – geführt werden. Beide Unternehmenszentralen sollen in Düsseldorf sein. Das operative Geschäft von Media-Saturn werde aber weiter von Ingolstadt aus gelenkt, sagte Koch.



Wie sieht es bei Metro derzeit wirtschaftlich aus?
In den vergangenen Jahren litten sowohl Metro Cash & Carry als auch die Real-Supermärkte unter Umsatzrückgängen. Die Supermarktkette gilt ohnehin als Sorgenkind des Konzerns. Es sind bereits mehrere Anläufe gescheitert, einen Käufer für die SB-Warenhäuser zu finden. Media-Saturn war bis Ende des vergangenen Jahrzehnts hoch erfolgreich, erkannte aber nicht, dass mit Online-Händlern wie Ebay und Amazon mächtige Wettbewerber entstanden waren. Erst spät und sehr zögerlich stiegen die Bayern selbst ins Internetgeschäft ein. Bis heute hat die Kette damit zu kämpfen, dass sie das Netz unterschätzt hat. Inzwischen nutzt die Gruppe ihre breite Präsenz in den Städten aber aus: Fast die Hälfte aller Online-Shopper holt die Ware in den Läden ab statt sich die Handys oder Fernseher nach Hause liefern zu lassen. Metro erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 60 Milliarden Euro, rund 21 Milliarden Euro davon entfielen auf Media-Saturn.

Wie geht es mit Real weiter?

Während die Metro Cash & Carry Märkte die starken Umsatzbringer des künftigen Lebensmittelunternehmens sind, sehen Branchenkenner wie Jörg Funder in Real das "Sorgenkind". Olaf Koch bekannte sich am Mittwoch dennoch überraschend stark zur Supermarktkette. "Real ist kein Klotz", sagte er.

Koch will den Vollsortimenter künftig stärker auf Service und Qualität bei den Lebensmitteln trimmen. Das wäre eine Abkehr von der Vergangenheit. "Das Format hieß bislang Selbstbedienungs-Warenhaus. Das ist das Gegenteil von Service", so Koch.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Metro hatte sich zuletzt auf Wachstums- und Expansionskurs gesehen. Was wird daraus?

„Wir schalten auf Angriff um“, hatte Koch nach dem Kaufhof-Deal im Interview mit der WirtschaftsWoche groß angekündigt. Künftig wolle er sogar mehrere Gänge höher schalten, bekräftigte der Metro-Chef im Gespräch. Die Auslandsexpansion der Großhandels-Märkte und die Investitionen bei Real sollen vorangetrieben; ebenso die Investitionen in Gastronomie-Start-ups und die Weiterentwicklung der Elektromärkte Media Markt und Saturn inklusive des Online-Geschäfts.

Wie die Aufspaltung umgesetzt werden soll

Wie soll die Aufspaltung konkret umgesetzt werden?
Die Aufteilung würde durch eine Abspaltung von Metro Cash & Carry, Real und weiteren dazugehörigen Aktivitäten und Konzernteilen von der derzeitigen Aktiengesellschaft erfolgen. Diese würde sich danach mit neuem Unternehmensnamen komplett auf den Sektor Unterhaltungselektronik konzentrieren. Damit könnten beide Unternehmen ihre Entwicklung mit wesentlich erweitertem Spielraum vorantreiben. Auch würde die Verteilung und Verwendung von Investitionsmitteln in jeder der beiden neuen Gesellschaften klarer.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Die Arbeitnehmer dagegen reagierten Insidern zufolge verstimmt. Sie seien erst in letzter Minute informiert worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. "Die vorliegenden Informationen lassen derzeit keine belastbaren Rückschlüsse auf die Auswirkungen für die Beschäftigten zu", sagte ein Verdi-Sprecher.

Auf die rund 65.000 Mitarbeiter bei Media-Saturn und die über 112.000 Beschäftigten bei Cash&Carry sowie die rund 36.000 Real-Mitarbeiter sollen die Pläne keine negativen Auswirkungen haben, versicherte Koch - sie seien vielmehr eine Chance für mehr Wachstum.

Was sagen die Aktionäre?
Die Großaktionäre Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim unterstützen das Vorhaben. Auch die beiden größten Aktionärsvertretern Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sind sich einig: Die geplante Aufspaltung sei eine gute Idee. Die Sprecherin der DSW bezeichnet es als „einen charmanten Vorschlag“. Neben der höheren Bewertung für Aktionäre, da diese Aktien an beiden Gesellschaften im Verhältnis zu ihren Anteilen erhalten würden, könne so nun auch ein eigenständiger Börsengang von Media-Saturn zu Stande kommen. Der wurde in den Jahren zuvor stets von Minderheitsgesellschafter und Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals blockiert. Der Milliardär hält zwar nur eine Minderheitsbeteiligung von 21,62 Prozent an Media-Saturn – die restlichen Anteile liegen bei der Metro – , verfügt aber über umfassende Veto-Rechte. „Es scheint eine erhöhte Chance zu bestehen, dass die Streitigkeiten mit Herr Kellerhals durch eine Aufspaltung beseitigt werden können“, sagt Daniel Bauer von der SdK.

Was bedeutet die Aufspaltung für den Streit mit Media-Saturn-Minderheitsaktionär Erich Kellerhals?
Der Einfluss von Media-Saturn-Minderheitsaktionär Erich Kellerhals könnte nach der Aufspaltung des Handelsriesen Metro marginalisiert werden. Die Aufspaltung sei Sache der Anteilseigner der Metro, Kellerhals habe dabei „keinerlei Störpotenzial“, sagte Koch. Media-Saturn solle nach der Aufspaltung des Konzerns Teil einer Holding mit Sitz in Düsseldorf sein. Diese Holding werde die klare Mehrheit an Media-Saturn halten und könne dann auch Zukäufe tätigen, die dann ebenfalls unter ihrem Dach verankert würden: „Die Unternehmensgruppe wird in den kommenden fünf Jahren mehr sein als Media-Saturn.“

Wie reagiert die Börse auf die Pläne?
Bei den Aktionären kamen die Aufspaltungspläne gut an. Die Aktien schossen am Mittwoch um mehr als zehn Prozent in die Höhe und setzten sich an die Spitze des Nebenwerteindex MDax.

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