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Middelhoff sagt Gerichtstermin ab Ex-Spitzenmanager stellt Insolvenzantrag

Für den inhaftierten Thomas Middelhoff kommt es knüppeldick: Der ehemalige Spitzenmanager lässt einen Gerichtstermin platzen und erklärt sich für zahlungsunfähig. Der Ex-Manager hat einen Insolvenzantrag gestellt.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor, Thomas Middelhoff. Quelle: dpa

Der Streitwert: Knapp sieben Millionen Euro. Die Gegner: Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und Unternehmensberater Roland Berger. Der Gerichtstermin: Auf unbestimmte Zeit verschoben.

Schon der eigentliche Fall ist brisant: Rund 6,97 Millionen Euro fordert Berger von seinem einstigen Geschäftspartner Middelhoff. Dieses Geld will er 2008 im Rahmen eines Geschäfts der gemeinsam gegründeten Investment-Firma BLM vorgestreckt haben. Middelhoff behauptet, die notariell bereits anerkannte Forderung bestehe nicht. Und konterte gleichzeitig mit einer Gegenklage in Höhe von 6,86 Millionen Euro – „zur Aufrechnung“, wie es in einer Mitteilung des zuständigen Landgerichts Bielefeld heißt.


Am kommenden Donnerstag sollte es zum nächsten Showdown zwischen den beiden Parteien kommen. Nebst zwei Zeugen waren sie vor das Landgericht Bielefeld geladen worden. Doch jetzt ist der Termin geplatzt - aus einem pikanten Grund.

„Der Klägervertreter [Middelhoffs Anwalt] hat den Terminsaufhebungsantrag mit dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Klägers begründet“, erklärte der Sprecher des Landgerichts gegenüber der „WirtschaftsWoche“. Ob und wann ein neuer Termin anberaumt wird, stehe noch nicht fest.

Der Middelhoff-Prozess von A bis Z


Der Hintergrund: In der vergangenen Woche berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", das Finanzamt Bielefeld-Außenstadt habe einen Insolvenzantrag gegen den Ex-Vorstandschef von Bertelsmann und Arcandor gestellt.

Am Dienstag teilte Middelhoffs Anwalt mit, der frühere Topmanager habe beim Amtsgericht Bielefeld selbst einen Insolvenzantrag über sein Vermögen gestellt. Der Antrag sei am Dienstag eingegangen, erklärte eine Gerichtssprecherin. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter sei der Rechtsanwalt Thorsten Fuest aus Bielefeld bestellt worden.

Middelhoff sei "zurzeit nicht in der Lage, eine fällige Einkommensteuerforderung der Finanzverwaltung zu erfüllen", heißt es in einer Mitteilung seines Rechtsanwalts. "Über eine Klage gegen diese Forderung ist in der Hauptsache bisher durch das zuständige Finanzgericht noch nicht entschieden, eine Aussetzung der Vollziehung jedoch abgewiesen worden."

Gleich mehrere Gläubiger erheben Millionenforderungen gegen den früheren Manager. Darunter Middelhoffs einstiger Vermögensberater Josef Esch und die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. In Summe soll ein hoher zweistelliger Millionenbetrag ausstehen.

Der Middelhoff-Prozess von A bis Z

Middelhoff bleibt im Gefängnis

Thomas Middelhoff sitzt seit dem 14. November 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Das Landgericht Essen hat ihn wegen vermeintlicher Privatflüge auf Kosten von Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt.

Im Gefängnis wird Middelhoff vorerst auch bleiben müssen. Trotz eines Kautionsangebots von rund 900.000 Euro hatte das Oberlandesgericht Hamm eine Haftbeschwerde Mitte März abgelehnt. Es bestehe weiter Fluchtgefahr, weil er noch mit rund 20 Monaten Freiheitsstrafe rechnen müsse. Gegen das Untreue-Urteil des Landgerichts Essen mitsamt der dreijährigen Haftstrafe haben Middelhoffs Anwälte beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt.

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