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Mobile Shopping Wish - eine App für die Lust am Ramsch

Nichts brauchen, ständig kaufen - die Shopping-App Wish ist mit billigen Produkten, Verführung vor allem auch Zeitvertreib. Quelle: Bloomberg

Die Shopping-App „Wish“ lockt junge Kunden mit günstigen Preisen. Handelsexperten sagen dem Unternehmen eine goldene Zukunft voraus. Doch gleichzeitig kämpft der Anbieter mit Service-Problemen und dem Datenschutz.

Ein flamingofarbenes Tablet für gerade einmal 25 Euro, ein Drei-Euro-Pullover für den Hund und ein Multifunktionsmesser für einen Euro. Wer die Shopping-App Wish auf dem Smartphone öffnet, landet im Schnäppchen-Wunderland: Ein Gerät, das offene Plastiktüten wieder verschließen kann, kostet einen Euro. Genau wie ein Gürtel, der beim Abnehmen helfen soll.

Neue, kuriose Produkte ploppen immer wieder auf dem Bildschirm auf. Ähnlich wie bei Instagram kann der Nutzer anscheinend endlos nach unten wischen und bekommt ständig neue Produkte angeboten. Offenbar eine unwiderstehliche Verlockung: Seit Monaten dominiert Wish die Charts der Appstores.

In der Kategorie „Top Apps“ belegt sie aktuell im deutschen Google-Play-Store den sechsten Platz, noch vor Amazon, Ebay und Zalando. Im Appstore steht sie auf Platz drei der „Shopping”-Apps. 300 Millionen Menschen weltweit haben die App dem Unternehmen zufolge auf ihren Smartphones installiert.


Die hohen Downloadzahlen sind keine Überraschung für Werner Reinartz, Professor für Marketing an der Universität zu Köln. „Gehen Sie einmal in die Fußgängerzone und zählen die Primark-Tüten.“ Primark und nun auch Wish würden sich vor allem an eine Zielgruppe richten, die wenig Einkommen hat, erklärt Reinartz.

Gerrit Heinemann, Professor für E-Commerce an der Hochschule Niederrhein, schätzt es ähnlich ein und zählt deswegen vor allem Jugendliche und Millennials zur Zielgruppe der Firma. Bei diesen Nutzern zögen die günstigen Angebote besonders. Viele würden mit ihrem Taschengeld bezahlen, das für Amazon und Co. nicht ausreiche.

Bei „Wish“ hingegen können sie nach Lust und Laune shoppen. Dadurch ändert sich sogar das allgemeine Kaufverhalten. Viele kaufen nicht mehr zielgerichtet ein, sondern spontan: Sie scrollen durch die App und bestellen aus einer Laune heraus. So kommen laut Wish-Firmenchef Peter Szulczewski 90 Prozent der Einkäufe auf der Seite durch Impuls-Entscheidungen zustande. Individuell auf den Kunden angepasste „Stöber”-Seiten und Flash-Sales verstärken diesen Effekt: Je länger beispielsweise ein Artikel im virtuellen Warenkorb liegt, desto mehr Rabatte gibt es. Für die Kunden sei dies das pure Einkaufsvergnügen, so Professor Gerrit Heinemann.

Marktzahlen belegen, dass die Strategie des Unternehmens aufgeht: Das Magazin „Forbes“ schätzte den Wert der Context Logic Inc., dem Unternehmen hinter Wish, 2017 auf 8,5 Milliarden Dollar. Geschäftsführer Peter Szulczewski meldete im selben Jahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. In mehreren Finanzierungsrunden hat das Unternehmen zudem insgesamt 1,3 Milliarden Dollar von Investoren bekommen. Und sogar Internetriesen wie Alibaba und Amazon zeigen Interesse: Gerüchten zufolge haben beide Unternehmen bereits im Jahr 2015 versucht, Wish aufzukaufen – für zehn Milliarden Dollar. Ohne Erfolg.

Der rasante Aufstieg der App wirft allerdings auch Probleme auf. Qualität und Service leiden unter den günstigen Preisen: Im Internet wimmelt es nur so von schlechten Bewertungen. Immer wieder weisen Facebook-Nutzer unter den Beiträgen des Unternehmens darauf hin, dass Produkte nicht ankommen und der Kundenservice auf Beschwerden nicht reagiert.

Zwischen Bestellung und Eintreffen von Handys, Kleidern und Co. können mehrere Wochen vergehen. Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt sogar offen vor der Webseite. Denn die Ware halte oft nicht das, was die Fotos versprechen. Außerdem sei es nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden, Produkte wieder zurückzuschicken.

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