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Möbelriese Ikea erreicht neuen Rekordumsatz

Der Möbelkonzern Ikea wächst und wächst: Der weltweite Umsatz stieg im vergangenen Geschäftsjahr um fast zehn Prozent. Auch in Deutschland gibt es Rekordumsätze. Doch die ehrgeizige Expansion stockt.

Was Sie noch nicht über Ikea wussten
Ikea: ein Erfolgsmodell, kinderfreundlich, emanzipiert, weltoffen und umweltbewusst. Johan Stenebo kratzte an diesem Bild. Da war von Intrigen, Bespitzelung, Rassismus im Konzern die Rede. Und Stenebo, ausgebildeter Betriebswirt, musste wissen, wovon er spricht. 20 Jahre lang hat er es immerhin bei Ikea gearbeitet. Einem Unternehmen, das er immer noch liebt; von dem er aber auch sagt, dass es auf Lügen aufgebaut ist. Foto: dpa
Im November 2009 hat dieses Buch für großes Aufsehen gesorgt, nicht nur in Schweden. Johan Stenebo hat 20 Jahre für Ikea gearbeitet - und jetzt packt er aus. Das Buch ist mittlerweile auch auf Deutsch erschienen. Stenebo arbeitete sich hoch bis ins Top-Management von Ikea und wurde sogar persönlicher Assistent von Ikea-Gründer Ingmar Kamprad. Anfang 2009 verließ Stenebo das Unternehmen und begann, sein Enthüllungsbuch zu schreiben. Stenebo gab zu, dass er sich mit Peter Kamprad, dem als Kronprinzen gehandelten Sohn des Ikea-Gründers, überworfen habe. Außerdem sei das Buch doch gar keine Abrechnung: „Viele, die mein Buch gelesen haben, empfinden es als Liebeserklärung“, sagte Stenebo vor kurzem. Bibliographie Johan Stenebo, Die Wahrheit über Ikea Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2010, 286 Seiten
Und darin wird deutlich, dass das Image von Ingmar Kamprad nicht so ganz der Wahrheit entspricht. Doch viele der Anekdoten über ihn seien laut Stenebo frei erfunden. Dass er ein extrem bescheidener Mensch sei mit einem 30 Jahre alten Sofa. Dieser Geiz werde zwar ausgeschlachtet und übertrieben dargestellt, im Kern aber durchaus richtig. In Wirklichkeit führe Kamprad Ikea „wie eine Sekte“. Das Unternehmen sei nicht ohne Grund eines der „verschlossensten der Welt“. Foto: Reuters
Bei Ikea würden „Stasi-Methoden“ gelten, schreibt Stenebo, worunter die Mitarbeiter enorm leiden. Sie würden bespitzelt, Frauen diskriminiert. Ausländer seien als „Neger“ beschimpft worden und hätten deutlich weniger Chancen gehabt, Karriere zu machen, als Schweden aus der nahen Umgebung. Foto: ap
Stenebo geht noch weiter: Ikea würde es mit dem Umweltschutz nur vordergründig Ernst meinen. Bei Lieferanten gehe es zu sehr um den Preis, eine intensive Prüfung der Produktionsmethoden gebe es allzu oft nicht. Die „Barnslig“-Teppiche sollen von pakistanischen Kindern geknüpft werden. Der Konzern selbst spricht bei all dem von den „Ansichten einer Privatperson“, auf die man nicht eingehen wolle. Für Stenebo hat es sich jedenfalls gelohnt. Er gibt inzwischen Seminare in Unternehmensführung und hält Vorträge. Foto: dpa
Kamprad wird immer wieder Alkoholsucht nachgesagt: Er soll laut Stenebo „regelmäßig geradezu geplante Perioden ohne Alkoholkonsum“ gehabt haben, sich dazwischen aber „sinnlos betrunken“ haben. Allerdings sei das sehr viel weniger aufgefallen, als man gerüchteweise hört. Der Autor selbst habe Kamprad „nie trinken sehen“. Auch Kamprads Entscheidungen seien nie vom Alkohol beeinflusst gewesen. Auch in einer anderen Hinsicht verteidigt Stenebo seinen Ex-Chef: „Neonazistische Sympathien“ habe Kamprad nicht, er sei „absolut kein Antisemit“. Andere Autoren behaupten dies immer wieder. Foto: dpa
Ein Beispiel für die Sturheit des Unternehmensgründers sei der Entscheidungsprozess gewesen, einen ein Homeshopping-Konzept einzuführen oder nicht. Viele Ikea-Manager hatten große Pläne, hohe Summen wurden für Vorstudien ausgegeben. Grundsätzlich gab es stets ein großes Vertrauen in die Entscheidungen Kamprads, schließlich hatte er meistens Recht behalten. Doch in diesem Fall wäre kein Manager seiner Auffassung gewesen, wie Stenebo schreibt. Und die aktuellen Zuwachsraten des Internethandels hätten schließlich auch bestätigt, dass es eine falsche Entscheidung war. Foto: Reuters


Der Möbelgigant Ikea legt auf allen Märkten zu. Mit Möbeln und Haushaltswaren im Schweden-Design steigerte der Konzern seinen weltweiten Umsatz 2012 um fast zehn Prozent auf die Rekordmarke von 27,6 Milliarden Euro. Auch in Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt, gab es nach Angaben vom Mittwoch mit 3,88 Milliarden Euro einen Rekordumsatz (die WirtschaftsWoche berichtete).

Doch der Konzern fühlt sich hier in seiner ehrgeizigen Expansion ausgebremst. Der weltweite Gewinn stieg im Geschäftsjahr 2012 (bis 31. August) um 8 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Einen Großteil davon steckt Ikea wieder in die Expansion. Der Stromgroßverbraucher will bis 2015 auch weitere 1,5 Milliarden Euro in alternative Energieproduktion investieren. „Wir haben in Deutschland eine gute Entwicklung“, sagte der internationale Ikea-Chef Mikael Ohlsson am schwedischen Firmensitz in Helsingborg der dpa. Aber er listete auf, dass Ikea im vergangenen Geschäftsjahr elf Filialen eröffnet habe, unter anderem in Spanien, Japan und Australien - doch keine in Deutschland. Ende 2013 soll ein Haus in Lübeck, im Sommer 2014 dann das erste Ikea-Innenstadthaus in Hamburg-Altona die Pforten öffnen.

Wie Ikea die Frauen aus dem Katalog radierte
Zähne-Putzen ohne die Mama: Im Ikea-Katalog für Saudi-Arabien ist die Mutter im Pyjama einfach wegretuschiert. Quelle: Pressebild
Statt Frauen am Esstisch zu zeigen, retuschierte Ikea sogar lieber alle Personen weg. Quelle: Pressebild
...und zeigt den angepriesenen Tisch zwar als würde er von einer Familie genutzt, die Personen allerdings sind verschwunden. Quelle: Pressebild
Auch in der Küche haben Frauen für die saudi-arabischen Kataloge nichts zu suchen... Quelle: Pressebild
Ikea ließ daher alle Menschen auf seinen Werbeseiten verschwinden. Quelle: Pressebild
Männer machen das Leben für Frauen bunter, Frauen für Männer: Nicht so im Katalog für das wahabitische Königreich. Quelle: Pressebild
Dort sind nur die Möbel selbst zu sehen. Das Unternehmen hat sich mittlerweile für die Aktion entschuldigt. Nach heftigen Protesten sagte eine Sprecherin: „Wir hätten reagieren und erkennen müssen, dass der Ausschluss von Frauen aus der Saudi-Arabien-Version des Kataloges in Konflikt steht zu den Werten der Ikea-Gruppe.“ Quelle: Pressebild

Ikea und andere Möbelhändler in Deutschland haben 2012 von der Finanz- und Staatsschuldenkrise profitiert. Nach Einschätzung des Möbelhandelverbandes BVDM stecken verunsicherte Verbraucher ihr Geld in die eigene Wohnung. Die Branche steigerte den Umsatz um gut zwei Prozent auf mehr als 31 Milliarden Euro. Von diesem Kuchen hat sich Ikea etwa zwölf Prozent gesichert. Doch nach den Plänen der Führung ist das nicht genug: Umsatz und Marktanteil sollen sich verdoppeln. „Wir würden gern in den nächsten 10 Jahren 10 bis 15 neue Läden eröffnen“, sagte Ohlsson.

Ikeas Deutschland-Chef Peter Betzel hat neue Standorte im Auge. „Wir wollen in Ballungsgebieten wie Hamburg, Berlin, Köln oder München noch dichter an die Kunden herankommen“, sagte er am deutschen Firmensitz Hofheim-Wallau bei Frankfurt. Auch Städte wie Ingolstadt, Kaiserslautern, Bremerhaven oder Darmstadt nimmt er ins Visier. Stuttgart sei dagegen schwierig. Die Hürden für Neuansiedlungen wachsen. Mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen streitet sich Ikea, weil deren Landesplanung den Einzelhandel der Innenstädte schützt. Der Möbelgigant versucht seit vier Jahren, über die EU Druck auszuüben. „Wir begrüßen es, dass die EU-Kommission die Sache prüft. Denn wir sind nicht sicher, dass diese Einschränkungen europäischem Recht entsprechen“, sagte Ohlsson.

In Arbeit
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Im letzten Geschäftsjahr besuchten 690 Millionen Kunden die 298 Einrichtungshäuser in 26 Ländern. Mittlerweile gibt es 300 Häuser. In Indien hat Ikea wichtige Hürden zur Gründung einer eigenständigen Tochter genommen. Zunächst drei, dann zehn Möbelhäuser hofft Ohlsson auf dem aufstrebenden Markt zu bauen. Rund um den Globus beschäftigte der Konzern 139 000 Mitarbeiter, in Deutschland waren es 15 290. In den 46 deutschen Ikea-Filialen wurden 101 Millionen Kunden gezählt. Bei einem durchschnittlichen Einkauf ließen sie 80 Euro an der Kasse. Der Konzern veröffentlicht nur ausgewählte Zahlen. Der schwedische Firmengründer Ingvar Kamprad kontrolliert sein Reich über eine Stiftung in den Niederlanden.

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