Möbelriese Ikea Rückgabeflut nach neuen Regeln ausgeblieben

Mit der Ankündigung für ein lebenslanges Rückgaberecht sorgte der Möbelriese Ikea für Aufsehen. Ein Jahr später zeigt sich: Die Kunden nutzen die neue Freiheit maßvoll.

Die Ware einfach wieder zurückbringen – so verspricht es Möbelriese Ikea. Quelle: dpa


Das vor gut einem Jahr eingeführte unbefristete Rückgaberecht bei Ikea lässt die Kunden des Möbelriesen eher kalt. „Wir haben nur einen leichten Anstieg von zehn Prozent bei den zurückgegebenen Möbeln registriert“, sagte eine Unternehmenssprecherin der Deutschen Presse-Agentur in einer ersten Jahresbilanz. „Die meisten Kunden tauschen die Ware weiterhin in den ersten vier Wochen nach dem Kauf um.“
Der Möbelhändler hatte im August vergangenen Jahres mit der Präsentation des neuen Katalogs ein lebenslanges Rückgaberecht für nahezu alle Artikel aus den Filialen und des Online-Handels eingeführt. Zuvor konnten die Ikea-Kunden Möbel nach dem Kauf drei Monate lang umtauschen oder zurückgeben. Die neue Regelung gilt für Produkte, die seit dem 25. August 2014 gekauft wurden. Das Geld gibt es in bar, als Guthabenkarte oder es wird auf das Konto überwiesen, je nachdem wie beim Kauf gezahlt wurde.

Wenn das Kinderbett "Gutvik" heißt
Essen, Wohnen, Leben: Ikea präsentiert sich gern als allumfassendes Wohlfühlpaket. Doch der schwedische Möbelkonzern hat sich schon den ein oder anderen Patzer geleistet. Wir haben einige Ausrutscher gesammelt. Quelle: dpa
Wenn derzeit die Buchstaben IS fallen, dann denkt der politisch interessierte Mensch sofort an Waffen, Gewalt und Islamisten. Denn die Abkürzung steht für die Terrorgruppe Islamischer Staat, die im Irak für Angst und Schrecken sorgt. Viele Menschen demonstrierten bereits für mehr Engagement bei der Bekämpfung von IS, so wie hier im Bild in Frankfurt am Main. Schlecht, wenn Ikea ausgerechnet in dieser Zeit ein Fehler unterläuft. Quelle: dpa
Im aktuellen Katalog taucht neben dem Bett auf dem Titelbild ein kleiner Roboter auf. Darauf zu sehen: die beiden Buchstaben IS. Dass dies ausgerechnet zu einer Zeit zu sehen war, in der diese beiden Buchstaben mit so viel Bedeutung aufgeladen waren, war mehr als unglücklich. Auf Anfrage der Nachrichtenseite Merkur Online erklärte Ikea denn auch schnell, dass dies nur „reiner Zufall“ gewesen sei. Es handelte sich lediglich um eine Deko für das Bild, die im Handel nicht einmal erhältlich ist. Quelle: Presse
Die Namen von Ikea-Möbeln sind legendär: Bei Billy denkt sofort jeder Kunde an das Regal, bei Pax an den Kleiderschrank, bei Killan an die Couch. Doch dass so ein Name auch anstößig sein kann, das zeigte Ikea unabsichtlich mit dem Kinderbett „Gutvik“. Auf Deutsch klingt das Produkt mehr als obszön. Wie es zu dem Namen gekommen ist? Die meisten Ikea-Produkte werden nach Orten in Schweden benannt. Dass das in Deutschland merkwürdig klingen könnte, hat in Schweden niemand bedacht: Die Namen werden gewöhnlich global vergeben. Auf schwedisch klingt das Wort übrigens schon nicht mehr ganz so dramatisch: Dort wird es „Gütwig“ ausgesprochen. Quelle: Presse
Längst nicht das einzige schwedische Wort, das auf Deutsch etwas merkwürdig anmutet. Auch der Apfelkuchen ist nicht gerade appetitlich betitelt. Die Künstlerin Judith Holofernes postete auf ihrer Facebook-Seite ein Produktbild mit dem Namen des Kuchens: „Äppelkaka“. Auch das dürfte in Deutschland nicht gerade die beste Werbung für den Kuchen sein. Quelle: Screenshot
Nicht nur Namenspannen waren bei Ikea teils unappetitlich. Ein Lebensmittelskandal brachte auch das Restaurant in Verruf. Zum Hintergrund: Ikea macht mit seinem Restaurant enormen Umsatz. Eines der beliebtesten Produkte dort: Köttbullar, schwedische Fleischbällchen. Doch 2013 kam im Rahmen eines Lebensmittelskandals heraus, dass in den Bällchen Pferdefleisch verarbeitet wurde. Der Aufschrei war groß. Vorsorglich stoppte Ikea den Verkauf deshalb. Inzwischen sind die Fleischbällchen aber zurück im Angebot. Quelle: dpa
Viele Konsumenten sind riesige Fans von Ikea. Einige besonders begeisterte Kunden haben deshalb die Webseite „Ikea Hackers“ gegründet. Darin präsentieren sie, wie sich Ikea-Produkte umbauen lassen – zum Beispiel das Modell Pax in einem begehbaren Kleiderschrank. Doch Ikea schickte der Betreiberin Mitte 2014 eine Abmahnung. Der Grund: Sie dürfe die Seite nur dann weiter betreiben, wenn sie keine Anzeigen mehr zeige. Die Folge: ein Shitstorm. Die schwedische Möbelkette lenkte schließlich ein. Die Seite durfte online bleiben. Quelle: Screenshot

Der Durchschnittswert der umgetauschten Waren liege bei etwa zehn Euro, erklärte die Sprecherin. Hauptsächlich würden Kleinteile umgetauscht. In den Büchern mache sich die neue Regelung daher auch nicht wesentlich bemerkbar. Exakte Zahlen über die zurückgegebenen Produkte wollte der Möbelhändler nicht vorlegen. Die Umtauschquote in Deutschland liege aber unter der von Ikea-Häusern in anderen europäischen Ländern. Das Management habe diese Entwicklung auch so erwartet, betonte die Sprecherin. „Wir sind zufrieden damit.“

Wie Ikea Deutschland erobert

Die Hälfte der Produkte wird nach ihren Angaben in Originalverpackung zurückgegeben und geht dann wieder in den Verkauf. Wenn nur die Verpackung kaputt ist, wandere die Ware in die Fundgrube des Möbelhauses. Beschädigte Möbel würden in der Regel an soziale Einrichtungen weitergegeben. Missbrauch mit dem neuen unbefristeten Umtauschrecht habe das Unternehmen kaum registriert. „Nach der großen Aufregung nach der Bekanntgabe des neuen Rückgaberechts hat sich alles gut eingependelt." Ende August wird der neue Ikea-Katalog auf den Markt kommen. Das neue Rückgaberecht bleibe auf jeden Fall bestehen, versicherte die Sprecherin.

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