WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Musikfestivals Verrockt am Ring

Seite 2/3

Keine Zahlen für einzelne Festivals

Mittlerweile ist gar keine Rede mehr von „über 40 000“ Zuschauern: Die Deag nennt in einem Gegendarstellungsverlangen gegen die WirtschaftsWoche nun die Zahl von 38 500 verkauften Tickets am Veröffentlichungstermin. Das wären im Schnitt nicht mal 13 000 verkaufte Tickets pro neuem Festival. Eine genaue Einzelaufschlüsselung will die Deag nach wie vor nicht preisgeben. Beim Vertriebspartner Ticketmaster, der die Karten in Deutschland verkauft, war intern schon von einem „Horrorszenario“ die Rede, der Vorverkauf laufe „grausam“, sei fast zum Erliegen gekommen. Für die börsennotierte Deag wäre ein Flop der neuen Festivals weit mehr als nur ein gewaltiger Imageschaden – es drohen möglicherweise auch zweistellige Millionenverluste.

Die größten Steuerverschwendungen der Regierung
Deutschland ist Weltmeister im Hopfenexport. Da könnte man meinen, diese Sparte der Landwirtschaft kann auch ohne Subventionen auskommen. Das sieht die Bundesregierung anders: Rund 260.000 Euro zahlt das Landwirtschaftsministerium für die Entwicklung einer automatischen Hopfenernte. Damit kann die Branche in Zukunft ihr Margen erhöhen – zu Lasten der Saisonarbeiter und des Steuerzahlers. Quelle: dpa
Auch der Sportwagenhersteller Porsche springt auf den Trend E-Auto an und arbeitet an einer elektrischen Version des Panamera. Da freut die Bundesregierung sehr – und zahlt Porsche dafür rund 850.000 Euro. Bei einem Gewinn in 2012 von 1,8 Milliarden Euro wohl Peanuts für die Stuttgarter – und umso ärgerlicher für das Gemeinwesen. Und das ist erst der Anfang: Mehr als 22 Millionen Euro Steuergelder fließen in ein E-Auto-Gemeinschaftsprojekt von führenden Industrieunternehmen und Universitäten – auch das ist Porsche mittendrin. Quelle: dpa
Die Deutschen mögen ihren Wein – so sehr, dass sie auch den Winzern unter die Armen greifen. Da Weinberge an manchen Stellen schwer zugänglich sind, geben die Bürger 800.000 Euro für die Entwicklung Roboter-Hubschraubers aus, der eigenständig Pflanzenschutzmittel auf den Reben verteilen soll. Quelle: dpa
Die großen Energieriesen in Deutschland wollen grüner werden – und das nicht nur aus Imagegründen.. Schon allein aus finanziellen Gründen haben die Unternehmen ein Interesse daran, ihre Emissionen zu verringern. Da helfen groß angelegte Forschungsprojekte, etwa an CO2-Filteranlagen für Braunkohlekraftwerke. Ein Glück, das trotz der Milliardenumsätze der Konzerne auch die Bundesregierung ihren finanziellen Beitrag – oder besser, den der Bürger – dazu leisten will: bis 2013 noch gut 4,2 Millionen Euro aus der Staatskasse. Und das für eine etwas saubere Verbrennung eines fossilen Energieträgers. Quelle: dpa
Die Fußball-Fans freuen sich über die Erfolge der deutschen Teams in der Champions League. Gerade Bayern München und Borussia Dortmund begeistern – und das soll auch mit Hilfe von Steuergeldern in Zukunft so bleiben. Denn gerade der BVB ist für die Zukunft gut aufgestellt – mit dem automatisierten Hightech-Trainingsraum Footbonaut. Damit der bald noch besser funktioniert, gibt der Bund rund 572.000 Euro für die Weiterentwicklung des Trainingsroboters aus. Quelle: dpa
Auch der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes für das Bauunternehmen Züblin liegt der Politik an Herzen. Da es als Demonstrationsobjekt für Niedrigstenergie-Gebäude dienen soll, gibt Vater Staat rund 560.000 Euro dazu. Und bevor sich das Säckel wieder schließt, hat sich Züblin – ein Konzern mit Milliardenumsatz – nach den Informationen des Steuerzahlerbundes weitere 600.000 Euro Forschungszuschüsse gesichert. Quelle: dpa
Firmen, die an Energiewende-Projekten arbeiten, profitieren momentan besonders von Subventionen. So gehen etwa 6,4 Millionen Euro an Bxi Innotech, die Brennstoffzellen für Eigenheime entwickelt – und das unternehmerische Risiko federt der Steuerzahler deutlich ab. Quelle: dpa

Der WirtschaftsWoche liegen die Rock-am-Ring-Abrechnungen der zurückliegenden Jahre vor. 2012 und 2013 etwa betrugen die zu deckenden Kosten jeweils rund 12,5 Millionen Euro. Die Deag teilt mit, die Kosten würden unter denen der Vergangenheit liegen. Allerdings explodiert offenbar der größte Kostenblock, die Gagen für die eingekauften Bands. Die Deag will auf Anfrage zu Künstlergagen keine Stellung nehmen. Durch die „Festivalinflation steigen die Gagen“, hatte Schwenkow aber schon Ende September in der „Rhein-Zeitung“ geklagt. Das Ergebnis des Nürburgring-Festivals teilen sich Deag und die neue Nürburgring-Betreiberfirma hälftig.

 Förtsch verkauft Deag-Aktien

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zu „Der Ring“ kommen bei der Deag noch die Ergebnisse der anderen Festivals hinzu. Der Berliner Konzertveranstalter rechnet weiter damit, dass diese nicht tiefrot ausfallen: „Die Festival-Aktivitäten werden nach unserer Kalkulation deutlich profitabel sein.“ Müssen sie auch. Verkraften könnte die Deag zwar auch größere Verluste, laut Quartalsbericht für das zweite Quartal 2014 verfügte der Konzern über ein Eigenkapital von 45,4 Millionen Euro und über liquide Mittel von 33,9 Millionen Euro.

    Darin sind aber Mittel aus einer erst im Mai erfolgten Kapitalerhöhung, die anders eingeplant waren, als gleich wieder in Festivals versenkt zu werden. Und auch die Gewinnaussichten würden eingetrübt, sollten die Festivals floppen: Die Deag-Mutter hatte 2013 einen Verlust von 0,8 Millionen Euro, 2012 einen Gewinn von 2,3 Millionen; der Gesamtkonzern verzeichnete 2013 einen Gewinn von 975 000 Euro, nachdem es im Vorjahr noch 2,68 Millionen Euro gewesen waren.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%