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Mytheresa, Louis Vuitton, Gucci Die Wiederauferstehung des Luxus-Marktes

Luxushandtaschen von Louis Vuitton, Chanel und Hermes Quelle: dpa

Lieblingshobby? Geld ausgeben. Dank der wachsenden Einkaufslust reicher Chinesen und Amerikaner kann die weltweite Luxusgüterindustrie den Corona-Einbruch schneller abhaken als erwartet.

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Die schwarze Robe von Valentino gibt’s für 5500 Euro, den Ledermantel von Bottega Veneta für stolze 11.000 Euro. Und die Kimono-Jacke von Visvim kostet sogar 17.025 Euro, ist dafür aber auch von den „traditionellen Uniformen japanischer Feuerwehrmänner der Edo-Epoche inspiriert“, wie der Online-Luxusmodehändler Mytheresa vermerkt. Eine Jacke zum Preis eines Kleinwagens? Egal. Für Mytheresa-Kunden scheinen die Kosten keine allzu große Rolle zu spielen. Die Geschäfte des börsennotierten Unternehmens jedenfalls laufen blendend. 

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 per Ende Juni kletterten die Erlöse um 36,2 Prozent auf rund 612 Millionen Euro. Zuletzt hätten  wieder mehr Veranstaltungen stattgefunden, weswegen "mehr Geld für Kleidung" ausgegeben wurde, sagt Firmenchef Michael Kliger, der das Unternehmen im Januar erfolgreich an die Wall Street geführt hat.

Die Zahl der Neukunden sei im vierten Geschäftsquartal um bisher nie erreichte 110.000 gestiegen, das bereinigte Betriebsergebnis legte im abgelaufenen Geschäftsjahr auf fast 55 Millionen Euro nach 35,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum zu. Und nicht nur bei dem Münchner Luxusplayer geht es aufwärts. 

Auch beim Luxusmode-Giganten Kering, zu dessen Fashion-Imperium Marken wie Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta und Brioni gehören, steigt der Absatz. Burberry berichtet von einem Umsatzsprung von mehr als 80 Prozent. Der Halbjahresgewinn von LVMH mit Marken wie Louis Vuitton oder Tiffany stieg von 1,7 Milliarden Euro auf 7,6 Milliarden Euro. Kurzum: Für die Luxusbranche ist die Corona-Krise abgehakt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Bain und des italienischen Luxusgüterverbands Fondazione Altagamma verkaufen sich persönliche Luxusgüter wie Kleidung, Schuhe, Lederwaren, Parfüm und Schmuck mittlerweile sogar ähnlich gut wie vor der Pandemie. Trotz des gewaltigen Einbruchs 2020 infolge der Corona-Krise erweist sich die weltweite Luxusgüterindustrie als ausgesprochen robust“, konstatiert Bain-Expertin Marie-Therese Marek. 

Bleibt China der Absatztreiber für LVMH und Gucci?

Von einem anziehenden Geschäft berichtete zuletzt auch der neue Boss-Chef im Podcast Chefgespräch der WirtschaftsWoche. Bis 2025 soll sich der Umsatz auf vier Milliarden Euro verdoppeln und Hugo Boss „eine der 100 weltweit führenden Marken“ werden, hat Grieder schon vor wenigen Wochen erklärt. Im zweiten Quartal zog der Umsatz auf 629 Millionen Euro an nach nur 275 Millionen Euro in der Vorjahreszeit, die vom ersten Lockdown geprägt war. 

Zwar bedient Boss das Premiumsegment, unterliegt aber ganz ähnlichen Marktmechanismen wie die internationalen Luxuslabels. Ob deren Höhenflug anhält, hängt vor allem vom chinesischen Markt ab, der seit Jahren Treiber und Stütze der Branche ist. Dort sei das Luxusgeschäft schon 2020 um rund 45 Prozent gewachsen, „dieser Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2021 fort", schreiben die Experten von Bain. Doch bleibt das so? Chinas Präsident Xi Jinping forciert derzeit die Umverteilung der Einkommen und strebt eine stärkere Regulierung an, zudem ist auch in Asien die Delta-Variante des Coronavirus ausgebrochen und könnte für Einschränkungen sorgen.

Zuletzt lief es aber auch in den USA wieder besser. Dort haben laut Bain Impfungen und Konjunkturprogramme die Kauflust geschürt. Dagegen seien die Umsätze in Europa, in Japan und im Rest Asiens im ersten Vierteljahr geschrumpft. Im optimistischsten Szenario könnte das globale Geschäft mit persönlichen Luxusgütern in diesem Jahr 280 bis 295 Milliarden Euro Umsatz erzielen, was dem Niveau von 2019 entspräche, rechnen die Berater vor. Wahrscheinlicher aber sei, dass die Edelmarken alles in allem 250 bis 265 Milliarden Euro Umsatz erreichten. Eine vollständige Erholung wäre in diesem Fall erst 2022 zu erwarten.

Mehr zum Thema: Mit About You ist nach Fashionette und Mytheresa das dritte deutsche Online-Modeunternehmen innerhalb kurzer Zeit an der Börse gestartet. Die Aktien-Newcomer haben sich recht unterschiedlich geschlagen.

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