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Nach dem Edeka-Tengelmann-Deal Wie Rewe seine Führung umkrempeln will

Rewe plant einen grundlegenden Umbau der Führungsstruktur. Die Schlappe im Kampf um Kaiser’s Tengelmann könnte die Pläne beschleunigen. Was das für den Lebensmittelhändler bedeutet.

Rewe-Chef Alain Caparros wird 2018 abgelöst, jetzt beginnt die Nachfolgeplanung. Quelle: imago

Flammende Appelle, eine Anzeigenkampagne und reihenweise eigene Angebote – was hat Rewe-Chef Alain Caparros nicht alles unternommen, um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch den Rivalen Edeka zu torpedieren. Allein, es half nichts. Am Dienstag hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den seit Jahren größten und umstrittensten Deal im deutschen Lebensmittelhandel genehmigt: Edeka darf trotz massiver Wettbewerbsbedenken des Bundeskartellamtes alle 451 Kaiser’s-Tengelmann-Filialen übernehmen, muss aber happige Auflagen erfüllen. Rewe geht leer aus.

Zwar hatte Caparros im Vorfeld angekündigt, „alle rechtlichen Schritte“ zu nutzen, „um einen Kauf durch Edeka zu verhindern“. Doch hinter den Kulissen ist den Beteiligten klar, dass der Edeka-Durchmarsch kaum noch zu stoppen ist. Stattdessen müssen sich die Rewe-Granden mit der veränderten Lage arrangieren – und wollen zugleich die Führungsstruktur ihres Konzerns neu justieren.

Welcher Supermarkt die besten Eigenmarken hat
Platz 8: Real "Selection", "Bio", "Quality" und "Tip" heißen die Eigenmarken, mit denen Real Kunden überzeugen will. Wie seine Konkurrenten verspricht die Handelskette der Metro-Gruppe Marken-Qualität zum kleinen Preis. In den Tests der Stiftung Warentest der vergangenen fünf Jahre unterlag Real mit seinen Angeboten allerdings häufig den Mitbewerbern. Die Produkte erhielten die Durchschnittsnote 2,99. Quelle: Das Vergleichsportal Vergleich.org hat aus 65 Testberichten der Stiftung Wartentest im Zeitraum von 2011 bis 2015 die besten Eigenmarken deutscher Supermärkte ermittelt. Quelle: dpa
Netto Quelle: dpa
Platz 6: Aldi SüdDie Billigheimer von Aldi sind auch mit Eigenmarken wie Alpenmark, rio d'oro und Knusperone groß geworden. Mit einer Durchschnittsnote von 2,78 landet Aldi Süd im Qualitätsranking aber nur auf dem 6. Platz. Quelle: dpa
Platz 5: EdekaNicht nur die Discounter werben offensiv mit Eigenmarken. Auch Edeka vetreibt offensiv Marken wie "gut&günstig". Die Produkte des Lebensmittelhändlers erhielten im Durchschnitt die Note 2,66. Quelle: dpa
Platz 4: PennyIm Penny-Porfolio finden sich Marken wie "Naturgut", "San Fabio", "Bäckerkrönung" und "Penny Bunte Basics". Durchschnittsnote: 2,62. Quelle: dpa
Platz 3: ReweDie Supermarktkette Rewe landet mit ihren Eigenmarken - darunter "Beste Wahl", "Rewe Bio" und "ja!" - und einer Durchschnittsnote von 2,61auf Rang zwei. Quelle: dpa
Platz 2: Aldi NordAldi-Nord kommt mit einer Durchschnittsnote von 2,56 auf den zweiten Platz. Die No-Name-Artikel der Supermärkte stammen übrigens selten von ihnen selbst. Fast immer lagern die Händler die Produktion an Hersteller aus - häufig sogar an jene, deren eigene Markenartikel nebenan im Regal stehen. Hinter Aldis " Van Botta Keksen" etwa versteckt sich der "Leibniz"-Keks. Quelle: AP

So ist nach Informationen der WirtschaftsWoche ein grundlegender Umbau des Rewe-Vorstands geplant. Statt wie bisher sechs sollen mittelfristig nur noch drei Vorstände den Konzern mit seinen europaweit rund 330.000 Mitarbeitern steuern und die Bereiche Handel national, Handel international und Finanzen abdecken. Auch unterhalb des Vorstands dürfte die Zahl der Manager sinken. So könnten einzelne Funktionen, die von Tochtergesellschaften separat besetzt werden, zusammengelegt werden, heißt es im Konzernumfeld.

Über den Zuschnitt des Vorstands „müssen die Aufsichtsräte erst noch entscheiden“, sagt ein Rewe-Sprecher dazu, bestätigt aber „Überlegungen“, bei denen auch die „Zahl der Vorstände und der Zuschnitt der Vorstandsressorts zur Debatte“ stehen. Mit der Tengelmann-Entscheidung hätten derlei Ideen indes nicht zu tun.

Tatsächlich lagen die Umbaupläne schon in den Schubladen der Konzernoberen, bevor Gabriel ihre Hoffnungen beerdigte, bei der Supermarktkette noch zum Zuge zu kommen – oder zumindest Edeka als Käufer zu verhindern. Jetzt dürfte die Caparros-Crew die internen Pläne mit Verve vorantreiben, Ziel der Überlegungen sei schließlich die „Steigerung der Effizienz und Agilität“ der Gruppe, sagt der Rewe-Sprecher.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Nicht minder wichtig: Der weitverzweigte Handels- und Touristikriese soll steuerbar bleiben, wenn der Vorstandschef Ende 2018 seinen Posten räumt. Seit zehn Jahren führt Caparros Rewe, mal charmant, mal robust, durch die Widrigkeiten des Tagesgeschäfts. Er hat die Strukturen auf sich zugeschnitten und leistet sich bisweilen Auftritte der lautstarken Art wie zuletzt bei einer Anhörung im Wirtschaftsministerium. Als Lügner kanzelte er dort im November Tengelmann-Eigner Karl-Erivan Haub ab und warf ihm vor, nur mit Edeka, nicht aber mit Rewe verhandelt zu haben. „Bei Edeka kümmert sich der Vorstandschef um das Thema, bei Rewe nicht“, frotzelte Haub zurück. Tatsächlich hatte nicht Caparros, sondern Vorstand Lionel Souque das Interesse signalisiert. Assistenz- statt Chefarztbehandlung also?

In der Praxis geht Souques Rolle weit darüber hinaus. Der Franzose ist derzeit der heißeste Anwärter für die Caparros-Nachfolge, auch wenn der Rewe-Sprecher betont, dass es „keine Entscheidungen“ zur Nachfolge gibt. Höchstens Souques Vorstandskollege Jan Kunath taugt noch zum Kronprinzen. Der brachte zunächst die Baumarkttochter Toom auf Kurs und leitet seit 2010 Rewes Discountableger Penny. Souque lenkt das deutsche Supermarktgeschäft, das 2014 knapp 17 Milliarden Euro Umsatz in die Kassen gespült hat und nach Schätzungen eines Insiders 2015 kräftig gewachsen ist.

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