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Nach dem Fall Gurlitt Das dunkle Geschäft mit der Raubkunst

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Durchaus ein Geschäft

Was Sammler bereit sind, für Kunst zu zahlen
Lovis Corinth, „Zinnien“, Quelle: Auktionshaus Nagel
Doppelnischenteppich mit seltener Bordürenornamentik aus der westanatolischen Uschak-Region Quelle: Auktionshaus Nagel
Franz von Stuck, „Der lustige Ritt“ Quelle: Auktionshaus Nagel
 Augsburger Kabinettschrank aus dem Jahre 1650/1660 Quelle: Auktionshaus Nagel
Schrank aus Zitan-Holz aus der chinesischen Ming-Dynastie Quelle: Auktionshaus Nagel
Knüpfpaneel mit zwei Kedschebe-Göls Quelle: Auktionshaus Nagel
Pilgerflasche "Neun Drachen" aus Porzellan Quelle: Auktionshaus Nagel

Seit 1991 hat das eigentlich auf Kunstdiebstahl spezialisierte Unternehmen geholfen, Werke im Wert von 250 Millionen Dollar aufzuspüren. Für die Einzelrecherche nimmt ALR 60 Pfund, rund 70 Euro, bei Großaufträgen weniger. Für Recherchen zur Lokalisierung eines vermissten Objektes kassiert das ALR etwa fünf Prozent des Wertes und berechnet für die Rückgabe bis zu 20 Prozent. „Für Opfer des Naziregimes machen wir es aber meist kostenlos“, sagt Katya Hills, eine von 30 Mitarbeitern.

Hat ALR die rote Flagge gehisst, behalten Auktionshäuser das Kunstwerk ein. „Das Objekt hat damit keinen materiellen Wert mehr, es ist praktisch unverkäuflich“, sagt Hills. Trotz der oft komplizierten Rechtslage gilt ein solches Gemälde dann als moralisch kompromittiert, versteigert kann es jedenfalls nicht mehr werden.

135 Millionen Dollar ist

Kommt es zum Eigentümerwechsel außerhalb einer Versteigerung, sind die Auktionshäuser meist dabei. Das zeigte kürzlich der Verkauf von Gustav Klimts „Wasserschlangen II“. Das Bild brachte der betagten Besitzerin Ursula Ucicky – auf Vermittlung von Sotheby’s – angeblich 120 Millionen Dollar. Die Witwe von Klimts unehelichem Sohn Gustav hatte sich mit den Erben der jüdischen Fabrikantin Jenny Steiner geeinigt, die das legendäre Nixenbild 1911 von Klimt erworben hatte.

ALR-Anwältin Doortje van der Haar ist immer wieder für Erben in Verhandlungen involviert, um Kompromisse mit den aktuellen Besitzern von Kunstwerken zu finden. Oft würden sich die Parteien darauf einigen, den Erlös aus dem Verkauf des Bildes durch zwei zu teilen, berichtet sie.

Bittere Auseinandersetzungen aber hat es auch gegeben, wie das Beispiel der Jüdin Maria Altmann zeigt. Nach langem Rechtsstreit wurden ihr im Jahr 2006 fünf Gemälde von Gustav Klimt aus dem Besitz ihres Onkels übergeben. Die Werke waren bis dahin im Schloss Belvedere in Wien ausgestellt. Unter ihnen befand sich auch das weltberühmte Porträt Adele Bloch-Bauer I, das später für einen Rekordpreis von 135 Millionen Dollar privat an den US-Unternehmer Ronald Lauder verkauft wurde.

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Für die Auktionshäuser ist die Versteigerung von Bildern mit dunkler Vergangenheit durchaus ein Geschäft. Sotheby’s taxiert die Erlöse aus der Versteigerung entsprechender Kunstwerke, die an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben worden waren, vage auf eine halbe Milliarde Dollar „in den vergangenen Jahren“.

Konkurrent Christie’s erklärt, von Januar 2010 bis Juni 2013 insgesamt 74 Werke „mit Restitutionshintergrund“ angeboten zu haben. Beobachter schätzen, dass Christie’s damit 115 Millionen Dollar erlöst haben könnte. Das wäre weniger als die 142,2 Millionen Dollar, die das Tryptichon „Three Studies of Lucian Freud“ von Francis Bacon am vergangenen Dienstag erbrachte.

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