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Nach dem Tod von Karl Albrecht Wie es mit Aldi weitergeht

Die Aldi-Brüder haben ihr Vermögen auf zwei Stiftungen aufgeteilt. Diese Träger verwalten auch die Geschäfte von Aldi Süd und Aldi Nord. Nach dem Tod von Karl Albrecht muss nun die Macht neu geordnet werden.

Ein Einkaufswagen des Discounters Aldi Süd gegründet. Nach dem Tod des Firmengründers scheint sich ein Strategiewechsel anzubahnen. Quelle: dpa

DüsseldorfDie Todesanzeigen in den Zeitungen sind so, wie man die Albrechts kennt: schlicht, spartanisch, fast sparsam. „Ein gutes Herz hat aufgehört zu schlagen. Wir trauern um den Mittelpunkt unserer Familie“, heißt es zum Tod von Karl Albrecht, dem Mitgründer des Discounters Aldi. Doch nicht nur die Familie verliert ihren Mittelpunkt. Auch das Unternehmen muss sich nach dem Tod des letzten Aldi-Gründers neu orientieren.

Albrecht war zwar bereits seit Jahren nicht mehr im operativen Geschäft tätig. Schon in den 1990er Jahren wechselte er in den Verwaltungsrat, 2002 schied er auch aus diesem Gremium aus. Aber sein Unternehmergeist, seine Führung, seine Idee schwebte weiter über Aldi Süd, den Teil von Aldi, um den sich Karl Albrecht kümmerte. Auch nach dem Abschied blieb der Discounter in Familienhand: Peter Max Heister, der Enkel des Gründers, leitet seit 2006 die Geschäfte des Unternehmens über die Siepmann-Stiftung. Er gilt als Schlüsselfigur im Kampf um die Macht bei Aldi Süd.

Die Siepmann-Stiftung ist ein Vermächtnis von Karl Albrecht. Schon zu seinen Lebzeiten regelte der Unternehmer damit die Nachfolge seines Firmenanteils. 1973 gründete er die Stiftung, der Name Siepmann war der Mädchenname seiner Mutter. Die Organisation verwaltet das Gesamtvermögen von Aldi Süd sowie die Markenrechte an dem Unternehmen. Ähnlich machte es auch sein Bruder Theo, der die Geschicke von Aldi Nord in die Verantwortung der Markus-Stiftung legte. Beide Stiftungen sind noch in Familienhand und verwalten ein Milliardenvermögen.

Zu dem Träger von Aldi Süd gehören zudem zwei gemeinnützige Stiftungen, die dem Vernehmen nach Geld für medizinische und kulturelle Zwecke spenden. Falls es keinen Nachfolger von Karl Albrecht mehr gibt, geht das Vermögen an diese beiden Träger. So ist der Fortbestand des Unternehmens so gut wie sicher.

Noch gibt es aber Nachfahren. Und einer von ihnen, Peter Max Heister, soll vor dem Wechsel vom Vorstand in den Beirat, das höchste Kontrollgremium der Stiftung, stehen, heißt es in einem Artikel der „Welt“. Das soll den Kontrolleuren mehr Macht über den Koordinierungsrat geben, der das Geschäft operativ leitet. In dem Gremium sitzen auch Heisters Vater und Mutter sowie drei externe Personen: Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht, Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher und der Wirtschaftsprüfer Jost Wiechmann.

Gerade die Wahl der Fremdmanager könnten für Aldi richtungsweisend sein. So sieht es der frühere Aldi-Manager Dieter Brandes. Er hält die hochkarätige Besetzung des Gremiums für sehr wichtig: „Das sind keine Leute, die nur zum Kaffeetrinken kommen“, sagt der ehemalige Geschäftsführer bei Aldi Nord zu Handelsblatt Online. Die Fremdmanager seien entscheidend für das Unternehmen, da die Familie keine so große Bedeutung mehr spielen werde. „Die heutigen Chefs sind ja keine Kopien ihrer Väter“, so Brandes. Aldi Süd gilt als das umsatzstärkere der beiden Aldi-Imperien. 2013 soll das Unternehmen 15,6 Milliarden Euro umgesetzt haben, das sind rund vier Milliarden Euro mehr als der Ableger des 2010 verstorbenen Theo Albrecht.


„Das Fundament von Aldi ist bombenfest“

Die Markus-Stiftung, die das Gesamtvermögen von Aldi Nord verwaltet, setzt ebenfalls auf Familiennähe. Dem Vorstand der Stiftung gehören die Witwe von Theo Albrecht, Cäcilie Albrecht, sowie ihr gemeinsamer Sohn Theo an. Zusätzlich zählen zwei Vertraute der Familie, der ehemalige Aldi-Nord-Generalbevollmächtigte Hartmuth Wiesemann und der Familienanwalt Emil Huber, zum Gremium. Brandes sieht darin ein Problem: Anders als Aldi Süd gebe es keine externen Persönlichkeiten im Unternehmen – folglich auch wenig externe Impulse.

Ein Beispiel dafür: die interne Führung. Aldi ist in mehrere Regionalgesellschaften aufgeteilt, im Norden sollen es 35 sein. Früher, als es noch weniger waren, durften die Regionalleiter bei allen Entscheidungen mitreden – „von einem neuen Joghurt bis hin zu strategischen Entscheidungen“, berichtet Brandes. Doch mit 35 regionalen Leitern geht das nicht mehr. Darunter leidet die Mitbestimmung, sie tendiere gegen Null, sagt der ehemalige Aldi-Manager. „Das ist für gute Führung tödlich.“

Vielleicht gilt Aldi Süd auch deshalb als moderner als die Schwester aus dem Norden. Die Strategie des Unternehmens: früh – in Aldi-Zeitrechnung – auf den Markt reagieren. Zur Erinnerung: Das Unternehmen bestätigte den Tod von Karl Albrecht erst fünf Tage nach dessen Ableben. Und Aldi Süd ist längst kein Pionier, wenn es um Innovationen im Einzelhandel geht. Aber die Firma reagiert immerhin schneller als das Imperium von Theo Albrecht: So führte Aldi Süd bereits lange vor der Schwester aus dem Norden erste Markenartikel ein, setzte auf Scanner-Kassen und Backautomaten.

Nach dem Tod von Karl Albrecht beginnt nun eine neue Zeitrechnung bei Aldi. Was das genau heißt, das entscheidet sich in den Stiftungen des Unternehmens. Dem Vermächtnis der Gründerbrüder.

Einen ausführlichen Artikel über die Rettung der Trinkaus-Bank durch die Aldi-Brüder lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Handelsblatts (hier als ePaper).

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