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Nach der Insolvenz Sieben Fragen und Antworten zur Weltbild-Pleite

Worauf sich Weltbild-Mitarbeiter und -Kunden nach der Insolvenz des katholischen Versandhändlers einstellen müssen.

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Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“ Quelle: dpa
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Quelle: dpa
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Quelle: Screenshot
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies. Quelle: Presse

Die Rede dauerte 20 Minuten: Es gebe zur Lage des Unternehmens nichts zu beschönigen, aber auch die Guthabenseite sei nicht leer, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter des katholischen Weltbild-Verlags, Arndt Geiwitz, heute bei einer Mitarbeiterversammlung im Augsburger Verlagsgebäude. Weltbild sei eine gute Marke und habe treue Kunden, so Geiwitz, der bereits mit zehn Mitarbeitern vor Ort ist, weitere zehn kämen noch nach.

Die Weltbild-Geschäftsführung hatte am vergangenen Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem die Gesellschafter – zwölf Bistümern, der Verband der Diözesen Deutschlands und die katholische Soldatenseelsorge in Berlin – kein Geld mehr in die Verlagsgruppe pumpen wollten. Doch wie geht es jetzt weiter mit dem Unternehmen und was bedeutet die Pleite für Mitarbeiter und Kunden? Antworten auf die sieben drängendsten Fragen zur Weltbild-Pleite:

1. Was sind die nächsten Maßnahmen des vorläufigen Insolvenzverwalters?

Die wichtigste Aufgabe für Geiwitz und sein Team ist es zunächst, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Dafür muss der vorläufige Insolvenzverwalter mit den Logistik- und IT-Dienstleistern  verhandeln, die letztlich dafür sorgen, dass die Kunden weiter Produkte ordern können. Denn gerät der Verkauf erst einmal ins Stocken, schwinden auch die Aussichten, einen Investor zu finden. Parallel dazu dürften Gespräche mit den Warenkreditversicherern und zentralen Lieferanten stattfinden. Zwar dürfte sich in den Weltbild-Lagern noch reichlich unverkaufte Ware stapeln. Doch zum einen wäre es fatal, wenn Lieferanten nun  im großen Stil  von ihren Sicherungsrechten Gebrauch machten und einen Verkauf damit zum Erliegen brächten.  Zum anderen stellt sich die Frage, wie unabhängig die Belieferung der Weltbild-Filialen erfolgt.

Zwar werden die Geschäfte über ein separates Unternehmen geführt, dass bis dato nicht Insolvenz angemeldet hat. Doch ob Verlage und andere Geschäftspartner derzeit mit großer Begeisterung die Weltbild-Regale füllen, darf bezweifelt werden. Um die Probleme zumindest vorläufig in den Griff zu kriegen, braucht Geiwitz vor allem Liquidität.

Mit Banken könnten daher schon bald Gespräche über einen so genannten Massekredit anlaufen, der später vorrangig zurückgezahlt wird. Bereits gesichert ist die Vorfinanzierung des Insolvenzausfallgeldes. Die Arbeitsagentur übernimmt in Insolvenzverfahren die Zahlung der Löhne. Der Betrag wird meist von Banken vorgestreckt – so auch bei Weltbild.

Rettungsaussichten - Folgen für Tolino-Kunden

In diesen Branchen gehen die meisten Firmen pleite
Platz 10: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2011 wurde in dieser Branche 902 Insolvenzen registriert. Quelle: Fotolia
Platz 9: Grundstücks- und WohnungswesenDie Branche hat im vergangenen Jahr 1152 Unternehmenspleiten gezählt. Quelle: Fotolia
Platz 8: Sonstige DienstleistungenBei diesen Dienstleistungen (Verbände, Interessensvertretungen, Reparatur von Gebrauchsgütern, Frisöre & Kosmetiksalons) wurden im Jahr 2011 1166 Insolvenzen registriert. Quelle: dpa
Platz 7: Verkehr und LagereiDie Transportbranche (Güter & Personen) zählte im vergangenen Jahr 2 162 Insolvenzen. Quelle: dpa
Platz 6: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes GewerbeDie Branche musste im Jahr 2011 2 267 Insolvenzen erleiden. Quelle: dpa
Platz 5: Sonstige wirtschaftliche DienstleistungenDas Geschäft mit Videotheken, Verleihung von Gebrauchsgütern sowie von Arbeitskräften lief 2011 nicht gut - 2 558 Insolvenzen wurden hier gemessen. Insgesamt hat die gesamte Dienstleistungsbranche den höchsten Anteil von Firmenpleiten im Jahr 2011 - 34,9 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammen aus diesem Wirtschaftszweig. Quelle: dpa
Platz 4: Freiberufliche, wissenschaftliche und technische DienstleistungenWirtschaftsprüfer, Kanzleien, Ingenieursbüros, usw. - im Jahr gab es in diesem Bereich bis zu 3 128 Pleiten. Quelle: Fotolia

2. Wie stehen die Rettungschancen?

Schlecht. Die Rettung größerer Versandhändler ist in der Vergangenheit regelmäßig gescheitert. Quelle ging unter, Neckermann wurde dicht gemacht, der Online-Ableger von Praktiker sofort eingemottet. Geiwitz‘ Kollege Patrick Wahren war 2012 als Verwalter für den Schlecker-Onlineshop zuständig und strebte einen Verkauf an. Doch die Pläne gingen nicht auf.  Auch mit dem bisheirgen Produktsammelsurium des Weltbild-Shops dürfte es schwer werden, Investoren zu locken. Zwar ist die Marke bekannt und das Unternehmen dürfte über interessante Kundendaten verfügen. Doch derlei Werte könnten mögliche Interessenten im Fall einer Abwicklung auch separat erwerben.

3. Was kommt auf die Kunden zu?

In den Weltbild-Läden ändert sich erst einmal nichts. Kunden können wie gewohnt einkaufen, da das Filialgeschäft in einem separaten Unternehmen gebündelt ist, das bisher nicht von der Insolvenz betroffen ist. Aus Vorsichtsgründen empfiehlt es sich jedoch, vorhanden Gutscheine jetzt einzulösen und mit Reklamationen oder Umtauschwünschen nicht zu warten. Heikel sind Einkäufe im insolventen Online-Shop. Zwar läuft der Betreib zunächst weiter. Auf größere Anschaffungen oder den Kauf von Gutscheinen sollten Kunden vorerst jedoch verzichten. Bei Handelsinsolvenzen bekommen Kunden häufig Problemen bei späteren Reklamationen oder beim Umtausch von Artikeln. Warengutscheine verlieren im Fall einer Abwicklung des Unternehmens ihren Wert. Mitunter weigern sich Lieferanten, die Bestellungen eines insolventen Geschäftspartners weiter zu bearbeiten.

4. Was bedeutet die Weltbild-Insolvenz für Nutzer des Lesegeräts Tolino?

Weltbild hatte sich im vergangenen März zusammen mit den Konkurrenten Thalia und Club Bertelsmann sowie mit dem Partner Hugendubel und der Deutschen Telekom als Technologiedienstleister zusammengetan, um das E-Book-Lesegerät Tolino auf den Markt zu bringen – praktisch eine deutsche Allianz gegen Amazon. Leser, die elektronische Bücher bei einem der vier Handels-Partner kaufen, richten sich ein Konto in der Tolino-Cloud ein, die auf den Servern der Telekom liegt. Obwohl die Buchhändler das Gerät jeder für sich vermarkten, liegen alle gekauften Titel anschließend auf diesem einen Konto, egal, wo sie erworben wurden. Entsprechend, heißt es nun bei den Tolino-Partnern, könnte ein Tolino-Nutzer auch dann seine bei Weltbild gekauften Bücher abrufen, falls dieser Dienst von der Weltbild-Insolvenz betroffen wäre. Worauf sich die Anti-Amazon-Allianz allerdings einstellen muss: Fällt durch die Insolvenz Weltbild als Verkäufer der Geräte aus, steigt die Zahl der Nutzer logischerweise weniger schnell als bislang.

„Weltbild” vor der Pleite

5. Welche Auswirkungen hat die Weltbild-Insolvenz für Hugendubel?

Das Münchner Traditionsunternehmen ist seit der Fusion zur DBH Buch Handels Finanzholding, in der beide Partner 2007 ihr stationäres Geschäft in einem joint venture zusammengelegt hatten, aufs engste mit Weltbild verbunden. Hugendubel plante eigentlich, sich angesichts der Krise in Augsburg vorsichtshalber aus dem Verbund zu verabschieden. Für Ende Januar war eine Abspaltung vom maladen Partner geplant. Die Insolvenz könnte die Pläne zu Makulatur machen.

Die Münchner betonen, die Insolvenz habe aktuell „keine unmittelbaren Auswirkungen“ auf ihren eigenen Geschäftsbetrieb, zumal die Filialen von der Insolvenzanmeldung unberührt sind, Einkauf, Bestellung und Logistik würden operativ auch heute schon selbst abgewickelt. Hugendubel liege mit seinem eigenen Geschäftsplan aktuell über Plan, man blicke „optimistisch in die Zukunft“. Ob der Optimismus begründet ist, wird sich zeigen müssen – dann, wenn auch das Filialnetz von Weltbild von der Insolvenz berührt werden sollte, was, Stand Montag, 13. Januar, noch nicht der Fall ist.

Kein Schlecker 2

Die größten Unternehmensinsolvenzen 2013
Platz 1Als die größte und namhafteste Unternehmensinsolvenz 2013 ist Praktiker in die Statistiken eingegangen. Die Krise des Unternehmens begann schon 2009. Ein Personal- und Filialabbau setzte ein und Unternehmensberater wurden hinzugezogen. Doch alle Reformbemühungen blieben ohne Erfolg - Ende 2012 stand ein satter Jahresfehlbetrag und im Juli 2013 meldete Praktiker schließlich Insolvenz für die verbliebenen 200 Praktiker-Filialen in Deutschland an. Rund 7600 Mitarbeiter waren davon betroffen. Bemühungen einen rettenden Investor für die marode Baumarktkette blieben erfolglos. Anfang September gab der Insolvenzverwalter dann bekannt, alle Märkte endgültig zu schließen. Quelle: dpa
Platz 2Großpleite im Callcenter: Die Walter Services GmbH aus Ettlingen, die mit rund 6.000 Mitarbeitern zahlreiche Outsouring-Dienstleistungen anbietet, stellte im Juli am Amtsgericht Karlsruhe einen Insolvenzantrag. Grund dafür war die drohende Zahlungsunfähigkeit des Betreibers Callcenter-Geschäften. Überkapazität am Markt und ein hoher Margendruck führten den Konzern tief in die Krise. Jetzt will das Unternehmen, das aus 20 Gesellschaften an 16 deutschen Standorten besteht, ein Schutzschirmverfahren durchführen und sich neu aufstellen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 3Er folgte Praktiker in die Insolvenz: Max Bahr aus Hamburg, den Praktiker 2007 übernommen und seitdem als Tochtergesellschaft mitfinanziert hat. Am 25. Juli 2013 wurde meldete der Baumarkt unter Verweis auf die fehlende finanzielle Unterstützung der Lieferanten Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt waren in den rund 100 Max-Bahr-Märkten 3.200 Beschäftige tätig. Auch hier scheiterten alle Rettungsversuche: die ursprünglich als Käufer gehandelten Konkurrenten Hellweg und Globus hatten 2013 kein Interesse mehr an der Premium-Marke. Im November begann die Abwicklung des 130 Jahre alten Unternehmens. Nur für vereinzelte Märkte besteht noch Hoffnung. Quelle: dpa
Platz 4Kunert Fashion GmbH, Hersteller von Socken- und Strumpfwaren eröffnete am 1. Mai 2013 das Insolvenzverfahren. Dem Unternehmen machten vor allem Pensionsverpflichtungen zu schaffen, aber auch die hohen Produktionskosten in Deutschland. Der Textilhersteller mit Sitz in Immenstadt wurde im Zuge einer sogenannten übertragenden Sanierung durch die Grosso Holding übernommen. Kunert Fashion hatte zu diesem Zeitpunkt 1.150 Mitarbeiter, etwa jeder zehnte Arbeitsplatz wurde nun gestrichen. Leiter des Insolvenzverfahrens war Arndt Geiwitz, der auch die Schlecker-Insolvenz betreute. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 5Solarunternehmen ohne Zukunft: die Conergy AG aus Hamburg verlor in diesem Jahr den Kampf gegen die Krise der Solarbranche und meldete am 25. Juli Insolvenz an. Dabei ging es dem Unternehmen zwischenzeitlich richtig gut: Seit 2005 war Conergy an der Frankfurter Börse notiert. Die Aktie war zeitweise mehr als 160 Euro wert, doch das ist lange her. Zuletzt ging es für das Unternehmen eher bergab. Der Umsatz sank um fast 40 Prozent, das Eigenkapital war aufgezehrt. Rund 1.100 Mitarbeiter, davon 800 in Deutschland, sind von der Pleite betroffen. Dennoch gibt es Hoffnung, dass das Unternehmen weiter bestehen könnte. Mit seinem Schicksal ist die Conergy AG kein Einzelfall: Mehrere Schwergewichte der deutschen Solarbranche mussten aufgrund des internationalen Wettbewerbsdrucks vor allem aus Fernost aufgeben. Quelle: dpa
Platz 6 Vor einigen Jahren noch hat sie beim Bau der Allianz-Arena in München mitgeholfen, jetzt ist sie insolvent: Die Alpine Bau AG mit Sitz in Echingen. Die deutsche Firma geriet in den Abwärtsstrudel der österreichischen Muttergesellschaft und schrieb rote Zahlen. Jetzt will die Geschäftsführung des Unternehmens mit etwa 1.000 Beschäftigten ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchführen. Ziel ist die Sanierung sowie die Suche nach einem finanzkräftigen Investor. Quelle: dpa
Platz 7Nach 90 Jahren Firmengeschichte steht der TV-Hersteller Loewe 2013 vor dem Aus. Nach monatelangen Rettungsversuchen stellte der Betrieb am 1. Oktober einen Antrag auf Planinsolvenz in Eigenverwaltung. Schon länger leidet Loewe unter dem Preiskampf in der Branche und steht angesichts der hohen Preise für seine Geräte unter Druck. Seit Jahren schreibt Loewe Verluste und leidet unter der harten koreanischen Konkurrenz wie Samsung und LG Electronics. Allein in der ersten Jahreshälfte brach der Umsatz um fast 40 Prozent auf 76,5 Millionen Euro ein, die Anleger flohen in Scharen, die Aktie sackte um ein Drittel auf 4,10 Euro ab. Ende Oktober wurde gemeldet, dass ein erster Investor gefunden wurde. Ob alle der zuletzt noch 760 Mitarbeiter bleiben können, ist noch offen. Quelle: dpa

6. Die Politik und die katholische Kirche haben Hilfe für betroffene Mitarbeiter angekündigt – was ist davon zu halten?

Kaum rauschte die Nachricht über die Pleite am Freitag über die Agenturen, meldete sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und sicherte den betroffenen Mitarbeitern Unterstützung zu. „Wir als Staatsregierung werden alles, was sich an wirksamen Möglichkeiten eröffnet, unterstützen“, sagte Seehofer.  Der vorläufige Weltbild-Insolvenzverwalter Geiwitz dürfte derlei Versprechungen mit Skepsis quittieren. Schon bei der Schlecker-Pleite hatten zahlreiche Politiker erst Hilfen für die Mitarbeiter in Aussicht gestellt, dann aber Bürgschaften für die Finanzierung einer Transfergesellschaft verweigert, was laut Geiwitz auch zum Scheitern der Investorengespräche beitrug. 

Auch der bisherige Weltbild-Eigner – die katholische Kirche – hat angedeutet, Geld zur Verfügung zu stellen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ soll es um rund 65 Millionen Euro gehen, einen Betrag, den die Kirche zuletzt  für eine Sanierung zugesagt hatte. Sollte der Betrag tatsächlich fließen, könnte das die Arbeit des Verwalters deutlich vereinfachen.

7. Woran ist Weltbild gescheitert?

Die Verlagsgruppe Weltbild ist innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten gewaltig gewachsen. Für das Geschäftsjahr 1990/1991 weist der Augsburger Medienkonzern noch einen Umsatz von 120 Millionen Euro aus. Für 2011/2012 meldeten die Fuggerstädter –unkonsolidierte – Erlöse in Höhe von 1,59 Milliarden Euro. Allerdings passte die Eigentümerstruktur hinter der Gruppe, die ihren Kern Mitte der 50er Jahre im Augsburger Verlagsunternehmen Wilfried-Werk mit seiner Zeitschrift „Mann in der Zeit“ hatte, schon lange nicht mehr zum wachsenden Business.

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Die Geschäftsführung um Dauer-Manager Carel Halff jonglierte ständig mit den Interessen von zwölf sehr unterschiedlichen und zerstrittenen katholischen Bistümern plus weitere Eigentümern samt deren Gremien. Hier waren viele Bälle gleichzeitig in der Luft – zu viele. Zweitens schwirrten die Bälle herum, während gleichzeitig das Verlagsgeschäft weltweit durch die Digitalisierung komplett durcheinander gewirbelt wurde. Halff sprach gegenüber der WiWo einmal von „tektonischen Verschiebungen“ vor allem durch Amazon und den Trend zum E-Book.

Wer da mithalten will, braucht vor allem zweierlei: Tempo und Geld. In Kombination mit über Kreuz liegenden und allenfalls in Uneinigkeit einigen Gesellschaftern und einer Geschäftsstrategie, die beispielsweise erst die Zahl der Filialen in die Höhe trieb um sie dann wieder zu reduzieren, ein teuflischer Cocktail.

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