Nach Fusionsverbot Edeka bleibt auf Höhenflug

Gute Nachrichten für Edeka: Die Nummer 1 unter Deutschlands Lebensmittelhändlern baut seine Führungsposition aus. Die große Marktmacht hat jedoch auch Schattenseiten für das Unternehmen.

Edeka hat seine führende Position im deutschen Lebensmittelhandel ausgebaut Quelle: dpa

Der genossenschaftliche Edeka-Verbund hat seine führende Position im Handel mit Lebensmitteln ausgebaut. Während die Branche in Deutschland insgesamt stagnierte, erreichte Edeka ein Wachstum von zwei Prozent, teilte das Unternehmen am Montag in Hamburg mit.

Die Edeka-Unternehmen setzten insgesamt 47,2 Milliarden Euro um. Den entscheidenden Anteil an dem Umsatzplus hatten die Märkte der 4000 selbstständigen Kaufleute unter dem Edeka-Dach, die die Erlöse um 3,6 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro steigerten. "Unsere Unternehmer sind einmal mehr unser wichtigster Wachstumsmotor", sagte Edeka-Chef Markus Mosa.

Auch die Tochtergesellschaft Netto konnte im hart umkämpften Discount-Markt ihren Umsatz um 2,2 Prozent auf 12,0 Milliarden Euro ausweiten.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Unternehmenslenker Mosa will Edeka in Zukunft stärker als „Genussmarke im deutschen Lebensmitteleinzelhandel“ positionieren und die Märkte durch Gastro-Konzepte erweitern. Zudem soll die Zahl der Eigenmarken unter den Marken "Edeka" und "Gut&Günstig" weiter erhöht werden. Nachdem Edeka den Anteil von regionalen und Bio-Produkten bereits in den vergangenen Jahren ausgebaut hat, soll der Schwerpunkt 2015 auf veganen Lebensmitteln liegen.

So gut die Zahlen aus dem Unternehmen auch klingen: Der eigene Erfolg und die große Marktmacht hatten Edeka erst kürzlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Bundeskartellamt untersagte im April die geplante Übernahme von mehreren hundert Filialen von Kaiser’s Tengelmann.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Aus Sorge, die zusätzliche Marktmacht und das Verschwinden eines Wettbewerbers würden die Verhältnisse auf dem Lebensmittelhandel zu Ungusten von Konsumenten und Lebensmittelherstellern verschieben, schoben die Wettbewerbshüter der Fusion einen Riegel vor. Schließlich, so die Argumentation, beherrschen Branchenprimus Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi schon jetzt 85 Prozent des deutschen Lebensmittelhandels.

Nun hoffen Edeka und Tengelmann darauf, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Entscheidung des Kartellamts aufhebt. In der vergangenen Woche stellten sie einen Antrag auf Ministererlaubnis. Dass die beiden Händler damit Erfolg haben, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%