Nach Insolvenzantrag Strenesse glaubt an den Neustart

Das insolvente Modelabel Strenesse will sich auf die Suche nach Investoren begeben. Firmenchef Luca Strehle gibt sich optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte er.

Der Modehersteller Strenesse hat nach hohen Verlusten einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Quelle: dpa

Das schwäbische Modeunternehmen Strenesse glaubt an eine Rettung im Zuge des Insolvenzverfahrens. "Ich bin immer noch überzeugt, dass wir auf dem absolut richtigen Weg sind", sagte Strenesse-Chef Luca Strehle dem Magazin "Der Spiegel". "Der jetzige Schritt ist eine Zäsur, um die Sanierung voranzutreiben, ohne den Mühlstein der Altlasten mitschleppen zu müssen." Durch die Insolvenz gewinne das Unternehmen in den kommenden Monaten enorm an Liquidität.

Nach dem Insolvenzantrag soll es nun auf Investorensuche gehen. „Es wird mit Sicherheit ein ordnungsgemäßer Investorenprozess aufgesetzt“, sagte Jörg Nerlich, der vom Amtsgericht Nördlingen als vorläufiger Sachwalter bestellt wurde, der Tageszeitung „Die Welt“. Ob die Familie Strehle am Ende eine Rolle spielen werde, sei heute nicht absehbar, so der Insolvenzexperte aus der Kölner Kanzlei Görg.

Wissenswertes über Strenesse

Die Strenesse AG hatte am Mittwoch einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, da sonst auf absehbare Zeit die Zahlungsunfähigkeit drohte. Das Amtsgericht in Nördlingen ordnete das vorläufige Verfahren an. Dabei bleibt der bisherige Vorstand im Amt, der externe Sachwalter wird der Geschäftsführung jedoch zur Seite gestellt. Zusätzlich wurde der Sanierungsexperte Michael Pluta in den Vorstand berufen. Er wurde unter anderem als Insolvenzverwalter des Modellbahnbauers Märklin bekannt. Gemeinsam mit Pluta werde er sich über Ostern ein genaues Bild der Lage bei Strenesse verschaffen, kündigte Nerlich in der „Welt“ an.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Von der Insolvenz sind mehr als 350 Beschäftigte betroffen. Vorstandschef Strehle hatte erklärt, der Geschäftsbetrieb gehe uneingeschränkt weiter. Strenesse befindet sich seit rund 65 Jahren im Besitz der Familie Strehle. Das Unternehmen machte sich international einen Ruf als Anbieter von Designer-Mode. In den vergangenen Jahren hatte Strenesse jedoch mit sinkenden Umsätzen und tiefroten Zahlen zu kämpfen.

Erst im Februar stand das Unternehmen vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Inhaber einer mit neun Prozent verzinsten Schuldverschreibung über zwölf Millionen Euro entschieden, dass Strenesse drei Jahre Luft bekommt und das Geld erst 2017 zurückzahlen muss. Doch ächzt Strenesse auch unter knapp fünf Millionen Euro Bankschulden und einem Gesellschafterdarlehen von Gerd Strehle, dem Vater von Vorstandschef Luca Strehle. "Wir wissen, dass unsere Gläubiger hinter unserem Sanierungskonzept stehen", sagte Luca Strehle.

Bekannt war Strenesse unter anderem als Ausstatter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Seit dem vergangenen Jahr tragen die Spieler und Bundestrainer Joachim Löw bei offiziellen Anlässen aber Kleidung des Rivalen Hugo Boss.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%