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Nach Missständen Fleischindustrie will über Mindestlohn verhandeln

Nach dem Missbrauch von Werkverträgen in der Schlachtbranche wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften schon bald über eine Lohnuntergrenze reden. Auch ausländische Arbeitskräfte würden davon profitieren.

Der Kühlraum des Unternehmens Teterower Fleisch. In der Fleischindustrie wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften einen Mindestlohn aushandeln. Quelle: dpa

Berlin/HannoverDie Fleischindustrie und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) wollen schon bald über einen Mindestlohn für Schlachthöfe verhandeln. Dieser soll dann auch für die oft ausländischen Werkvertragsbeschäftigten gelten, teilten die NGG und der Verband der Ernährungswirtschaft am Freitag mit.

Auslöser ist die Diskussion über den Missbrauch von Werkverträgen und die teils unwürdigen Lebensbedingungen osteuropäischer Billigarbeiter. Die Branche habe ein großes Interesse, dass das Problem gelöst werde, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss, Valerie Holsboer, der „Berliner Zeitung“ (Freitag).

Wegen der Missstände habe die NGG seit Juli 200 Unternehmen der Branche zu Verhandlungen aufgefordert, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Claus-Harald Güster am Freitag in Berlin. „Auf Druck der Gewerkschaft NGG bewegen sich die Arbeitgeber der Fleischbranche endlich. Wir erwarten, dass im Interesse der Beschäftigten zügig Verhandlungen aufgenommen werden können, um Mindeststandards in der Branche zu regeln“, meinte Güster. „Unser Ziel ist es, einen Tarifvertrag abzuschließen mit einem Einstiegslohn von mindestens 8,50 Euro, der dann auch für die Werkvertragsbeschäftigten gelten muss.“

Die Schaffung eines Tarifverbundes der großen Schlachthöfe und Fleisch-Verarbeitungsbetriebe stehe kurz bevor, erklärte Michael Andritzky, Hauptgeschäftsführer des Regionalverbands der Ernährungswirtschaft, der für Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt zuständig ist, am Freitag in Hannover. Bisher gab es noch keinen Arbeitgeberverband, so dass Verhandlungen über einen Branchen-Mindestlohn nicht möglich waren.

Zu großen Verdienststeigerungen wird ein Tarifvertrag nach Andritzkys Einschätzung bei den rund 80 000 Beschäftigten der Unternehmen und den etlichen tausend Werkvertragsarbeitern nicht führen. Diese erhielten jetzt bereits meist 7,50 Euro Stundenlohn. Große Kostensteigerungen kämen auf die Branche nicht zu.

Mitte Juni waren zwei rumänische Werkvertragsarbeiter der Papenburger Meyer-Werft bei einem Brand in ihrer Unterkunft ums Leben gekommen. Der Vorfall löste bundesweit eine breite Diskussion über die Situation osteuropäischer Billigarbeiter und den Missbrauch von Werkverträgen aus. Die niedersächsische Landesregierung will über den Bundesrat gegen die Missstände vorgehen, die auch die in dem Bundesland konzentrierte Schlachtbranche betreffen.

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