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Nach Rekord-Geschäftsjahr Die Zukunft bei dm ist papierlos

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Smartphones als digitales Schweizer Taschenmesser

Das Risiko, das Verbraucher bei Bonusprogrammen wie Payback eingehen, scheint schwerer zu wiegen als das wahrgenommene Risiko, dass von dem Missbrauch persönlicher Daten in einem sozialen Netzwerk ausgeht. Quelle: Reuters

„Der deutsche Handel ist bei solchen Entwicklungen vergleichsweise langsamer“, weiß Aline Eckstein, Bereichsleiterin des ECC am IFH Köln. „Und das obwohl die Konsumenten hierzulande solche neuen Entwicklungen einfordern, um die Vorteile des stationären Handels mit denen des Internets zu verknüpfen und ihr Shopping-Erlebnis zu optimieren“, so Eckstein. Denn immerhin tragen inzwischen 40 Prozent der deutschen Handynutzer mit ihrem Smartphone ein digitales Schweizer Taschenmesser mit sich rum.

Ihrer Ansicht nach besteht ein zentraler Erfolgsfaktor von digitalen Services darin, einen Mehrwert für den Kunden zu bieten. "Insofern ist es schön, wenn dm hier mit gutem Beispiel für weniger Zettelwirtschaft voran geht. Noch größer würde der Mehrwert durch die Möglichkeit, die E-Bons auch mit dem Smartphone zu verwalten.“

Und was sagt die dm-Zielgruppe zum neuen E-Bon? Die ersten Reaktionen auf der Facebook-Fanseite der Drogerie sind zweitgeteilt. Da gibt es die dm-Junkies, die sich sofort für den Service registriert haben und begeistert von ihrem ersten papierlosen Einkauf schreiben. „Ich finde den E-Bon sehr fortschrittlich und würde mir wünschen, dass weitere Unternehmen diese Konzept integrieren“, schreibt jemand.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch viel Kritik. Vor allem das mangelnde Vertrauen stellt ein Problem dar. „Meiner Meinung nur wieder ein Weg für die Märkte, unsere Einkäufe für ihr Statistik und gezielte Werbung elektronisch abspeichern zu dürfen“, schreibt eine Userin.

Sie ist nicht die einzige, die in dem sozialen Netzwerk ihre Zweifel äußert: „Da hat die Wirtschaft doch wieder eine "tolle" Idee! Jeder, der das mitmacht, kann noch besser kontrolliert werden! Wer was wann wo und wie viel einkauft. Und alles mit Einverständnis des Bürgers. Leichter kann Kontrolle durch Wirtschaft und Staat nicht sein. Totaler Mist.“ Nicht zuletzt sorgt dann auch für Unmut, dass man eine Paybackkarte haben muss, um den E-Bon nutzen zu können.

In über 100 Posts geht es Mitte Oktober, als dm den Service im Internet ankündigt, eine ganze Weile hin und her. Dabei sind sich die diskutierenden User dem absurden Widerspruch, in dem sie sich befinden, gar nicht bewusst. Die Kundin „Tine Pe“ bringt es am Ende auf den Punkt: „Der Lieblingsbeschäftigung des deutschen Staatsbürgers wurde hier wieder eine Steilvorlage gegeben. Also alle, die sich jetzt von dm und Payback kontrolliert fühlen, melden sich bitte bei Facebook ab und halten den Mund.“

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