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Nach Rekordstrafe Für Jack Ma und Alibaba ist der Ärger längst nicht vorbei

Alibaba wurde am Samstag mit einer Strafe von umgerechnet 2,8 Milliarden Dollar belegt. Quelle: dpa

Die chinesische Marktaufsicht hat Alibaba mit einer Rekordstrafe von 2,8 Milliarden Dollar belegt. Einige Investoren glauben, dass es nun wieder aufwärts gehen wird. Dabei zeichnen sich schon wieder neue Probleme ab.

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Am ersten Handelstag nach der größten Kartellstrafe in der chinesischen Geschichte hat sich bei Alibaba-Anlegern Erleichterung breit gemacht. Obwohl der Konzern am Samstag mit einer Strafe von umgerechnet 2,8 Milliarden Dollar belegt wurde, kletterte die Alibaba-Aktie am Montagmorgen an der Hongkonger Börse zunächst um 7,8 Prozent.

Seit Ende Oktober war der Kurs um fast 30 Prozent zurückgegangen. Einige Käufer scheinen nun darauf zu setzen, dass das Schlimmste mit der Überweisung der Strafe an den chinesischen Staat überstanden ist.

Erinnerungen werden wach an den US-Chiphersteller Qualcomm, der 2015 in China mit der bis dahin höchsten Kartellstrafe von knapp einer Milliarde US-Dollar belegt worden war. Für Qualcomm war diese Strafe tatsächlich der Beginn eines steilen Aufwärtstrends. In den vergangenen sechs Jahren seit dem Kartell-Urteil legte der Umsatz in China um gut 50 Prozent zu.

In Fall von Alibaba sprechen jedoch gleich mehrere Gründe dagegen, dass nun alle Probleme überwunden sind. Das liegt schon in der Natur des Kartell-Urteils. Es sieht nicht nur eine Milliardenstrafe vor, sondern fordert Alibaba klar dazu auf, seine Geschäftspraktiken zu ändern.

Gemeint ist, dass Alibaba viele Händler bisher dazu zwang, nur auf den eigenen Plattformen, nicht aber bei der Konkurrenz zu verkaufen. Die Praxis wurde „er xuan yi“, übersetzt „wähle eine von zweien“, genannt. Damit „beseitigt oder behindert“ Alibaba den Wettbewerb, argumentierte die Marktaufsicht. Es beeinträchtige die Innovation und Entwicklung der Plattformen. Die Rechte und Interessen der Verbraucher würden geschädigt, hieß es weiter.

Genau solche exklusiven Deals, die Kunden nur bei Alibaba finden können, bezeichnete CEO Daniel Zhang noch vor einigen Jahren als einen der wichtigsten Wachstumstreiber.

Das Urteil der Marktaufsicht kommt zudem zu einer Zeit, in der Alibaba nicht nur von Seiten der Politik, sondern auch von Konkurrenten so stark wie noch nie in der Geschichte unter Druck gesetzt wird. Neben dem ewigen Konkurrenten JD.com ist in den vergangenen Jahren mit Pinduoduo ein weiterer Spieler hinzugekommen, der Alibaba Marktanteile abnimmt. Der vom Unternehmer Colin Huang gegründete Anbieter wuchs zuletzt so rasant, dass er im vergangenen Jahr mit 788 Millionen Nutzern erstmals mehr Shopper anzog als die Plattformen von Alibaba, die 779 Millionen Menschen erreichten. Huang hat Jack Ma im Ranking der reichsten Chinesen kürzlich hinter sich gelassen.

Jedoch knallten bei Pinduoduo und anderen großen Tech-Konzernen am Samstag keineswegs die Sektkorken, als die Rekordstrafe gegen den Platzhirschen verkündet wurde. Der Internetkonzern Tencent etwa verschickte eilig eine Nachricht an Mitarbeiter, in der betont wird, wie wichtig es sei, Kartell-Regeln zu beachten. Die Strafe gegen Alibaba wird als eine Warnung an die gesamte Branche gesehen.

Das renommierte Wirtschaftsmagazin Caixin sprach von einem „seismischen Moment“ in den Bemühungen der Regierung, „gegen das monopolistische Verhalten von Online-Plattformen vorzugehen“. In einem Kommentar der Volkszeitung hieß es, die hohe Strafe sei eine „wirksame“ Maßnahme. „Die Haltung der Regierung, Online-Plattformen zu unterstützen, hat sich nicht geändert – aber der Fokus richtet sich sowohl auf Entwicklung als auch Regulierung.“

Insbesondere für Alibaba-Gründer Jack Ma scheinen die Turbulenzen kein Ende zu nehmen. Der Gründer des chinesischen Online-Giganten hatte Ende Oktober in einer Rede die chinesischen Regulatoren scharf kritisiert. Anfang November stoppten die Behörden dann plötzlich den geplanten Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group mit Verweis auf neue Regeln. Und Ma verschwand über Wochen aus der Öffentlichkeit.



Auch Monate später gibt es noch immer mehr Fragen als Antworten dazu, wie es mit der Ant Group weitergehen wird. Aufgrund der neuen, verschärften Regulierungen, so vermuten Branchenkenner, dürfte sich der Börsengang von Ant bis mindesten 2022 verschieben. Die Bewertung des Unternehmens könnte um etwa 60 Prozent fallen – ausgehend vom Wert des vergangenen Jahres (280 Milliarden Dollar), schätzt Francis Chan, Analyst bei Bloomberg Intelligence. Am Montag wurde dann bekannt, dass die Ant Group künftig härter reguliert werden soll.

Neben Ant werden auch die Medien-Assets von Alibaba von den Behörden durchleuchtet. Die Aufsichtsbehörden seien „schockiert“ über das Ausmaß der Alibaba-Beteiligungen, werden die mit dem Vorgang vertraute Personen zitiert. Nun solle ein Plan ausgearbeitet werden, wie Alibaba seine Beteiligungen abstoßen kann. Es sei wahrscheinlich, dass eine Firma in Staatshand Anteile übernehmen wird.

Derweil geht Pekings persönliche Vendetta gegen Ma unbeirrt weiter. So berichtete vergangene Woche die britische Financial Times, dass nun auch die von Ma gegründete Wirtschaftsuniversität Hupan ins Visier genommen wurde. Neue Anmeldungen für das Programm in Mas Heimatstadt Hangzhou seien ausgesetzt worden, hieß es.

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Die Angst scheint groß, dass die Eliteschmiede, an der Ma selbst gelegentlich unterrichten soll, andere Werte verbreitet, als es der Führung lieb ist. „Die Regierung glaubt, dass Hupan das Potenzial hat, Chinas Top-Unternehmer zu organisieren, um auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, das Jack Ma anstelle der kommunistischen Partei gesetzt hat“ wird eine Person im Umfeld der Schule zitiert.

Mehr zum Thema: In China ist die Zahl der Milliardäre im vergangenen Jahr so schnell gestiegen wie nirgendwo sonst. Chinas neuer reichster Mann hat sein Vermögen mit Mineralwasser gemacht. Zwei Neulinge wurden mit E-Zigaretten reich.

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