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Nach Thomas-Cook-Pleite So will Condor-Chef Teckentrup die Fluglinie für neue Eigner attraktiv machen

Der Manager versucht, potenzielle Käufer durch Gewinnversprechen anzulocken. Er ist zuversichtlich, dass die Airline neue Geldgeber finden wird.

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„Gesunde Airlines brauchen acht Prozent Ebit-Rendite. Das ist auch eine vernünftige Zielrendite für Condor.“ Quelle: dpa

Die ins Straucheln geratene Fluglinie Condor will sich mit Kostensenkungen attraktiv für neue Eigner machen. „Wir müssen 70 bis 80 Millionen Euro besser werden im Ergebnis. Ein Teil davon muss im laufenden Geschäftsjahr realisiert werden“, sagte der Chef des Ferienfliegers, Ralf Teckentrup, in einem an diesem Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Gesunde Airlines brauchen acht Prozent Ebit-Rendite. Das ist auch eine vernünftige Zielrendite für Condor.“

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Condor einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 57 Millionen Euro erzielt. Bei 1,7 Milliarden Euro Umsatz erreichte die Airline damit eine Marge von knapp 3,4 Prozent. Das sei nicht genug, sagte der Manager.

Condor sucht seit der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook Ende September einen oder mehrere neue Eigner. Dank eines Schutzschirmverfahrens – einem speziellen Insolvenzverfahren für strauchelnde Unternehmen, die aber zahlungsfähig sind und gute Überlebenschancen haben – kapselte sich die deutsche Traditionsmarke von der überschuldeten Mutter ab.

Der Bund und das Land Hessen helfen der Airline mit einem Kredit von 380 Millionen Euro aus. Dieser muss bis zum 15. April zurückgezahlt werden. Condor hofft, unter Begleitung von Sachwalter Lucas Flöther bis Anfang des Jahres verbindliche Kaufgebote vorlegen zu können. Über die hätte dann der Gläubigerausschuss zu entscheiden.

Seit Beginn des Hauptverfahrens im Dezember kann Condor sämtliche Verträge mit Lieferanten und auch Arbeitsverträge kündigen. Hier strebt Teckentrup günstigere Neuverträge an und verhandelt mit den Gewerkschaften für Piloten, Flugbegleiter und die anderen der insgesamt etwa 4900 Beschäftigten über Zugeständnisse, um die Kosten zu drücken. Um drei bis vier Prozent oder bis zu 68 Millionen Euro sollen die Stückkosten herunter für das angestrebte Ebit von gut 130 Millionen Euro im Jahr.

Verhandlungen mit mehreren Interessenten

Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit etlichen Kaufinteressenten. Bisher hat sich keiner von ihnen öffentlich zu erkennen gegeben. In Branchenkreisen wird deshalb geraunt, es finde sich womöglich keiner, weil die Condor-Flotte mit ihren 56 Maschinen rasch erneuert werden müsse und der Ferienflugmarkt heftig umkämpft sei.

Der Wettbewerb auf den Europastrecken sei sehr hart wegen des Verdrängungswettbewerbs, den sich vor allem die Lufthansa mit den Billigairlines Ryanair und Easyjet liefere, sagte der Condor-Chef.

Vor diesem Hintergrund wäre es den Konkurrenten nur recht, wenn Condor vom Markt verschwinde. „Den Gefallen tun wir ihnen nicht“, gab er sich kämpferisch. Es sei „extrem wahrscheinlich“, dass die einst zur Lufthansa gehörende Fluglinie neue Geldgeber finde. „In einem Jahr sitze ich immer noch hier.“

Denn im Unterschied zu anderen Airlines verdiene Condor im Tourismus-Fluggeschäft Geld. Die große Stärke sei die Vertriebskraft mit guten Beziehungen zu Reiseveranstaltern und dem Einzelplatzverkauf, auf den 44 Prozent der Sitzplätze entfallen. „Dank unserer Vertriebsfähigkeit sind wir in der Lage, an Segmente heranzukommen, die andere nicht so bedienen können“, betonte Teckentrup.

Buchungszahlen zu dem für Condor überlebenswichtigen Sommergeschäft liegen frühestens Ende Februar vor, wenn das Gros der Kunden seine Urlaubspläne geschmiedet hat. Doch trotz der ungewissen Zukunft von Condor zeichne sich Stabilität im Veranstaltergeschäft ab. „Die Veranstalter haben im Moment 60 bis 70 Prozent der Sitzplätze für den nächsten Sommer bei weitgehend unveränderter Kapazität reserviert.“

Damit sei er sehr zufrieden. „Mehr Plätze habe ich nicht, sonst wäre für den Einzelplatzverkauf nichts übrig.“

In den kommenden zehn Jahren brauche Condor für die Erneuerung der zum Teil sehr alten Flotte eine Milliardensumme, sagte Teckentrup. „Im Moment haben wir etwa zwei Drittel Leasing, ein Drittel eigene Maschinen. Mir wäre es lieber, über 50 Prozent der Flotte selbst zu besitzen. Aber das liegt am künftigen Eigentümer.“

Die Leasinggesellschaften seien in den ersten Wochen nach der Pleite des Mutterkonzerns nervös gewesen, ob Condor weitermache. „Mittlerweile sind alle wieder unterwegs und fragen, wie es mit der Flottenerneuerung weitergeht.“

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