WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Nestlé Pizza mit Pillen

Seite 2/4

Aufholgeschäft auf dem ganzen Globus

Nestlé lotet Verkauf von Tiefkühl-Sparte aus
Davigel vor Verkauf?Drei mit der Situation vertrauten Personen zufolge lotet Nestlé einen Verkauf der Tochter Davigel aus. Der Hersteller von Tiefkühlkost für Restaurants und Krankenhäuser dürfte den Insidern zufolge rund 300 Millionen Euro wert sein. Mögliche Käufer seien die Nahrungsmitteldienstleister Brake Brothers, Booker Group und Sodexho sowie Finanzinvestoren. Offensichtliche Kandidaten sind einem der Insider zufolge Bain sowie Clayton, Dubilier & Ric , weil beide in der Vergangenheit in die Branche investiert hätten. Im Oktober hatte Nestle-Chef Paul Bulcke schwächelnde Geschäftsbereiche mit dem Schlagwort "in Ordnung bringen oder verkaufen" zur Disposition gestellt. Kurz darauf gaben die Schweizer den größten Teil der kränkelnden Diätsparte Jenny Craig an den US-Finanzinvestor North Castle Partners ab. Das US-Tiefkühl-Pasta-Geschäft ging im Januar an Brynwood Partners. Am 3. Februar 2014 meldete Nestle den Verkauf des Energieriegel-Herstellers PowerBar an die amerikanische Post Holdings. Analystenschätzungen zufolge könnte Nestle Geschäfte im Umfang von fünf bis 15 Milliarden Franken Umsatz abgeben. An der Börse wird gerätselt, ob sich Nestle auch von ihrer 30-Prozent-Beteiligung an dem französischen Kosmetikkonzern L'Oreal trennen könnte. Nestlé zählt zu den größten Nahrungsmittelkonzernen der Welt. Seinen Ursprung hat das Unternehmen 1843. Wie alles begann... Quelle: Screenshot
Nestlé-Logo Quelle: dpa
Screenshot eines Bildes auf der Flickr-Seite Quelle: Screenshot
Historische Maggi-Reklame Quelle: dpa
Kosmetik von L´Oreal Quelle: REUTERS
Nespresso-Kapseln Quelle: dpa
Schweizer Börse Quelle: REUTERS

Die Schwachpunkte sind unübersehbar. Der französische Wettbewerber Danone ist in mehr als 90 Prozent seiner Produktkategorien in den jeweiligen Regionen Nummer eins oder zwei, Unilever in 85 Prozent, Nestlé aber nur in 82, rechnet das Analystenhaus Sanford C. Bernstein vor.

Bulckes Aufholjagd geht über den ganzen Globus. Das Eiscremegeschäft in Europa dominiert Unilever mit der Marke Magnum. In den USA ringt Nestlé mit Marktanteilsschwund im Kaffeegeschäft. Die Wassersparte bringt nur sechs Prozent Gewinnmarge, Danone schafft doppelt so viel. Bei der Schokolade versäumten schon Mauchers Vorgänger den Angriff und überließen Lindt & Sprüngli das Feld. Lediglich KitKat lockt junge Käufer an – und sogar den Internet-Konzern Google. Der taufte jüngst sein neues mobiles Betriebssystem Android auf den Namen Kitkat.

Der Erfolg der Gegensätze

Trotz der Herausforderungen ist Bulcke kein Mann, der Mitarbeiter auf den ersten Blick großartig mitreißt. „Er imponiert durch ruhige Präsenz“, sagt ein Manager, der mit Bulcke wie Brabeck zusammengearbeitet hat. Während Brabeck das Rampenlicht sucht, erlaubt Bulcke Nähe. Selbst einfache Mitarbeiter können ihn leicht ansprechen, wenn er wie so oft langsam über die Flure der Nestlé-Zentrale geht und Entgegenkommende lächelnd grüßt. Dagegen umgibt Hobbybergsteiger Brabeck sich mit der Aura des Unnahbaren. „Er ist die Nummer eins. Das lässt er jeden spüren“, sagt selbst ein Freund. „Brabeck imponiert durch sein Erreichtes, Bulcke hat ein klares Ziel, was er mit Nestlé erreichen will“, sagt ein Manager. Die Truppe folge ihm.

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa

Vom Erfolg dieses Zweiklangs wird die Zukunft Nestlés abhängen. Der Präsident als Stratege, der Chef als operative Kraft – für Bulcke ist das gleichwohl zu wenig. „Ich bin ziemlich strategisch orientiert“, sagt er über sich. Brabeck und er hätten „sicherlich verschiedene Charaktere“. Die Strategie aber entstamme Entscheidungen, „die wir gemeinsam treffen“.

Gesundheit ist bald nicht mehr finanzierbar

Der Lackmustest für Bulcke wird der Erfolg im Gesundheitsgeschäft. Vorbild sind die Pharmakonzerne, die Gewinnmargen von 30 Prozent erzielen – doppelt so hohe wie Nestlé. Solche Vorhaben folgen früheren Ideen. Schon Maucher wollte Nestlé auf den Gesundheitstrip führen. Brabeck kaufte von Novartis Medical Nutrition, doch die Sparte mit gesund machender Nahrung versank. Zuvor hatte er die Marke Nutrel für Lebensmittel mit gesundheitlichem Zusatznutzen eingestampft, nachdem Nestlé mit LC1 gegenüber dem bakterienangereicherten Joghurt Activia von Danone den Kürzeren zog.

Die neue Tochter Health Science, die Nestlé-Urgestein Luis Cantarell führt, soll nun der große Wachstumsmotor werden. Bulckes Kalkül: Weltweit kostet Gesundheit zehn Billionen Dollar, innerhalb von 15 Jahren dürfte sich die Summe verdoppeln. „Das ist bald nicht mehr finanzierbar“, sagt der Nestlé-Chef. Die Schwellenländer bauten ihre Wirtschaft aus, ihre Gesellschaftsstrukturen und damit die Gesundheitssysteme. „Dort fehlen die Finanzmittel, um so schnell das Niveau wie hier in Europa zu erreichen. Wir können dort einen Unterschied machen mit Nestlé Health Science. In diesem enorm großen Gesundheitsmarkt reicht schon ein minimaler Anteil für uns, um einen guten Gewinn zu generieren“, so Bulcke.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%