Neuausrichtung unterm Schutzschirm: Warum viele Pimkie-Läden bald kiloweise gebrauchte Kleidung verkaufen
2010 gab es 156 Pimkie-Shops in deutschen Einkaufsstraßen und Shoppingcentern. Inzwischen sind es nur noch 20.
Foto: imago imagesEs gab Zeiten, da strömten junge Kundinnen noch in Scharen in die Filialen der französischen Modekette Pimkie, um sich mit neuen Shirts und Tops einzudecken. 2010 etwa gab es 156 Pimkie-Shops in deutschen Einkaufsstraßen und Shoppingcentern. Doch nach und nach wurde das Filialnetz ausgedünnt. Inzwischen sollen es nur noch rund 20 Pimkie-Läden in Deutschland sein.
Kein Wunder: Die Marke steckt seit Jahren in der Krise – international wie in Deutschland. So durchlief die deutsche Pimkie-Vertriebsgesellschaft Framode GmbH bereits ab November 2020 ein erstes Schutzschirminsolvenzverfahren. Mitarbeiter wurden entlassen, Filialen geschlossen.
Nun dürfte die Zahl der Pimkie-Shops wohl erneut sinken – und in vielen der verbleibenden Läden ein völlig neues Verkaufskonzept starten. Zumindest ist das das Ziel eines zweiten Schutzschirmverfahrens, das die Framode GmbH nach Informationen der WirtschaftsWoche beim Amtsgericht Offenburg beantragt hat.
Wie schon 2021 steuert Kilian Haus von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp als Generalbevollmächtigter die operative Sanierung. Rechtsanwalt Felix Höpker von der Kanzlei White & Case soll als vorläufiger Sachwalter dafür sorgen, dass die Interessen der Gläubiger gewahrt werden. Die 217 Mitarbeiter werden bis Ende März Insolvenzgeld erhalten.
20 Euro pro Kilo Kleidung
Der kurze Abstand zwischen den Insolvenzverfahren zeigt, wie angespannt die Lage für das Modeunternehmen ist. Die Verbraucher halten ihr Geld zusammen, zudem machen neue Wettbewerber wie die chinesischen Onlinediscounter Temu und Shein der Branche zu schaffen.
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Bei Framode nun lediglich die Kosten zu senken und Schulden abzubauen, reicht also nicht aus. Kilian Haus spricht daher auch von einer „strategischen Neujustierung“. Die Hoffnung: Framode verfügt über ein zweites Geschäftskonzept, das deutlich besser läuft und nun an diversen Standorten Pimkie ersetzen könnte. Dabei geht es im Grunde um eine 180-Grad-Wende.
Denn statt Fast-Fashion soll es in den Läden, die umgerüstet werden, künftig Secondhand-Kleidung geben – und zwar kiloweise. „Kilo Shop“ heißt denn auch das Franchiseformat, das bereits in ersten Filialen Einzug gehalten hat.
Die Idee dahinter: „Kilo Shop verkauft Vintage-Kleidung und -Accessoires für Damen und Herren nach Gewicht“, heißt es auf der deutschen Kilo-Shop-Homepage. Gebrauchte Kleidungstücke werden gereinigt, nach verschiedenen Kriterien gebündelt und an der Kasse abgewogen. Ab 20 Euro pro Kilo geht es los. Für wie viele und welche Pimkie-Standorte sich das Kilo-Shop-Format eignet, bleibt zunächst allerdings offen.
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