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Neue Beweisanträge Middelhoff-Prozess könnte sich länger hinziehen

Die Verteidiger stellen neue Beweisanträge zu Vorstands-Wochenenden in Saint-Tropez und einer teuren Festschrift für Thomas Middelhoffs Mentor. Setzt das Gericht nun zusätzliche Verhandlungstermine an?

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Der Untreue-Prozess gegen den früheren Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, könnte sich nach neuen Beweisanträgen der Verteidigung noch länger hinziehen. Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt forderte am Dienstag in Essen Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf, zur nächsten Sitzung am Freitag ihre „Terminkalender mitzubringen“. Wenn das Gericht den Anträgen auch nur teilweise folgen sollte, müssten möglicherweise weitere Termine für die nächsten zwei bis drei Monate festgelegt werden, sagte Schmitt.

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Die Verteidiger hatten am Dienstag zahlreiche neue Beweisanträge gestellt und weitere für den nächsten Verhandlungstag angekündigt. Durch die Vernehmung zusätzlicher Zeugen und die Verlesung von E-Mails und Schriftstücken wollen sie unter anderem beweisen, dass auf Einladung Middelhoffs veranstaltete Vorstands-Wochenenden im südfranzösischen Saint-Tropez in erster Linie der Teambildung und strategischen Diskussion in der Konzernspitze diente. Die Ankläger hatten die Treffen dagegen als Privatveranstaltungen bewertet, deren Kosten Arcandor nicht in Rechnung hätten gestellt werden dürfen.

Außerdem wollen die Verteidiger nachweisen, dass eine 180.000 Euro teure Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner - einen Mentoren Middelhoffs - für Arcandor ein wertvolles Instrument der Image- und Netzwerkpflege war. Die Staatsanwaltschaft sieht darin dagegen ein „persönliches Geschenk“, für das Middelhoff selbst hätte aufkommen müssen.

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Die Kammer will nun die Anträge beraten. Erst am Freitag, dem nächsten Verhandlungstag, dürfte damit klar werden, ob der Prozess wirklich in die Verlängerung geht. Noch Anfang Oktober hatte Richter Schmitt Staatsanwaltschaft und Verteidigung aufgefordert, sich darauf vorzubereiten, „jederzeit plädieren zu können“.

Aus Sicht der Kammer könne es nun mit dem Verfahren zügig zu Ende gehen. In dem Prozess wirft die Staatsanwaltschaft Middelhoff vor, den inzwischen insolventen Handelskonzern insgesamt mit betriebsfremden Kosten von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben.

Hauptsächlich geht es um Flüge mit Chartermaschinen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist dies entschieden zurück.

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