Nutella-Konzern: So viel weniger verdient Ferrero in der Krise
Das Geschäft mit Überraschungseiern und anderen Ferrero-Produkten war im vergangenen Geschäftsjahr so wenig lukrativ wie schon lange nicht mehr.
Foto: imago imagesOb Krise oder Boom, Kriegsstimmung oder Friedenszeiten: Süßes geht eigentlich immer. Der Ferrero-Konzern, Hersteller etwa von Rocher-Kugeln und Überraschungseiern, hat seinen operativen Gewinn in den vergangenen Jahrzehnten deshalb so gut wie ohne Unterbrechung gesteigert. Rückschläge waren winzig. Die Zeit von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg aber ist anders: Nach Daten, die der WirtschaftsWoche vorliegen, setzen hohe Kosten für Rohwaren und Gehälter Ferrero heftig zu. Salmonellen in Schokobons und ähnlichen Produkten verursachten im vergangenen Jahr zusätzliche Ausgaben. Die Folge: Der Gewinn des Unternehmens ist eingebrochen.
Den Zahlen zufolge verdiente Ferrero in seinem Geschäftsjahr 2021/2022 unter dem Strich rund ein Viertel weniger als im Jahr zuvor: Netto blieben dem Konzern nur noch 751 Millionen Euro – nach fast einer Milliarde Gewinn im Vorjahr. Weil zugleich der Umsatz um rund 10 Prozent auf den Rekordwert von 14 Milliarden Euro stieg, erwirtschaftete Ferrero netto nur noch eine Umsatzrendite von rund 5 Prozent. Die Marge vor Abschreibungen, Steuern und Zinsen ging von rund 16 auf 12 Prozent zurück. So wenig rentabel war das Geschäft des Konzerns in Familienbesitz schon lange nicht mehr.
Teure Rohstoffe
Größter Kostentreiber bei Ferrero sind die Ausgaben für die Rohstoffe, die das Unternehmen etwa zu Nutella mischt oder in Pralinenform gießt. Nach den Daten, die der WirtschaftsWoche vorliegen, gab Ferrero für Vorprodukte 5,7 Milliarden Euro aus – und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Personalkosten stiegen um 12 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Für Dienstleistungen, darunter Werbung, gab der Konzern 16 Prozent mehr aus. Ferrero hat zwar eine große Marktmacht – derartig heftige Kostensteigerungen konnte das Unternehmen in dem Geschäftsjahr, das schon im August zu Ende gegangen ist, aber offenbar nicht an seine Kunden weitergeben.
Zumal der Konzern viele Konsumenten mit einem Salmonellenfall erschreckte: In einem Werk in Belgien sind im vergangenen Jahr Bakterien offenbar in einen Tank gelangt. Ferrero informierte darüber zunächst nur zögerlich, rief dann aber weltweit viele Produkte unter der Marke „Kinder“ zurück. Die Fabrik in Belgien blieb wochenlang geschlossen.
Behörden bringen den Salmonellenfall mit vielen Krankheitsfällen in Verbindung. Für Ferrero sind offenbar auch die finanziellen Folgen beträchtlich: Ein Jahresabschluss einer zum Ferrero-Konzern gehörenden Zwischenholding gibt einen Hinweis darauf, dass die Rückrufe und die Fabrikschließung Kosten in bis zu dreistelliger Millionen-Euro-Höhe verursacht haben dürften. Der Bericht weist für das vergangene Geschäftsjahr „sonstige externe Ausgaben“ von gut 3 Milliarden Euro aus – nach 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr. In dem Posten sind die „direkten“ Kosten für den Rückruf und den Produktionsstopp enthalten, wie es in dem Bericht, den die WirtschaftsWoche eingesehen hat, heißt.
Kosten durch Imageverlust
Umsatzausfälle durch den zumindest kurzzeitigen Imageverlust dürften hinzukommen. Laut Marktforschungsdaten brachen die Händlererlöse mit Ferrero-Produkten in Deutschland auch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres ein.
Ferrero gibt sich stets ausgesprochen verschlossen. In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Pressemitteilung machte das Unternehmen weder Angaben zum Gewinn noch zu den Folgen des Salmonellenfalls: Ferrero berichtete nur über den Umsatz. Der Konzern teilte zudem mit, 733 Millionen Euro in seine Produktion investiert zu haben – vor allem in Deutschland, Polen und den USA. Die „Oberhessische Presse“ berichtete in der vergangenen Woche, Ferrero wolle weitere 100 Millionen Euro in sein Werk im hessischen Ort Stadtallendorf investieren.
Bei Ferrero gilt seit Langem das Ziel, dass der Konzern den Umsatz alle zehn Jahre verdoppelt – was eine durchschnittliche jährliche Steigerung von 7,2 Prozent erfordert. Das Unternehmen erreichte das im vergangenen Jahr vor allem durch Übernahmen. In seinem jüngsten Geschäftsjahr akquirierte Ferrero aber nur den Vitaminriegel-Anbieter Fulfil-Nutrition für offenbar rund 140 Millionen Euro. Das Umsatzwachstum ist demnach vor allem eine Folge der Inflation und von Marktanteilsgewinnen.
Ferreros Haupteigentümer Giovanni Ferrero errichtet zudem außerhalb des Stammkonzerns eine weitere Unternehmensgruppe, die ebenfalls einen Umsatz in Milliardenhöhe erwirtschaften dürfte. Zu dieser Gruppe unterhalb eines belgischen Dachunternehmens gehören etwa der Kekshersteller Delacre und der amerikanische Fruchtgummianbieter Ferrara.
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