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Obstproduktion "Es ist Luxus, in Europa Bananen zu haben"

Chiquita-Bananen Quelle: Presse

Der Anbau von Bananen wird vom Pilz TR4 bedroht. Andrew Biles, Chef des Chiquita-Konzerns, beschreibt, was die Produzenten dagegen tun - und warum der Bananenhandel anders funktioniert als bei anderen Nahrungsmitteln.

Herr Biles, eine Banane ist gelb und krumm, in Deutschland wird fast ausschließlich die Sorte Cavendish verkauft. Was macht die Chiquita-Banane so anders als andere Bananen?
Mit der Banane ist es wie mit dem Apfel: Es gibt preiswerte Äpfel, saure Äpfel, süße Äpfel. Unsere Bananen unterscheiden sich dadurch, wie wir unsere Farmen betreiben, wie wir die Qualität vom Anbau bis zum Verkauf im Supermarkt kontrollieren. Dazu die Lagerung, der Transports, die Art und Weise, wie wir sie vom Baum schneiden. Unser Ziel ist es, die höchste Qualität zum Verbraucher zu bringen. Die Aufmerksamkeit für jedes Detail der Lieferkette macht den Unterschied.

Der Kunde sieht nur: Banane.
Ja, als Unternehmen wissen wir, dass wir unsere Bananen nachhaltig produzieren. Dass wir uns um die Bedingungen auf den Farmen kümmern und vor allem die Menschen, die dort arbeiten. Wir achten auf den Verbrauch von Wasser – also alles das, was dahintersteckt, wenn sie eine Banane sehen. Die Banane ist im Umsatz ein wichtiger Faktor im Supermarkt. Sie ist ein wenig unter Druck für ein Produkt, das so einen weiten Weg hinter sich hat und das all den Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften unterliegt, die der Kunde heute erwartet. In Deutschland bekommen Sie Bananen für rund einen Euro das Kilo. Sie konkurrieren mit dem heimischen Apfel, der vielleicht drei Euro das Kilo kostet.

Fakten über Chiquita und Bananen

Sie müssten die Preise erhöhen?
Bananen sind recht flexibel beim Preis, der Absatz ändert sich nicht dramatisch, wenn ihr Preis etwas steigt. Sie sind Teil des täglichen Lebens vieler Menschen.

Ihre Kampagnen betonen die Lebenslust. „We are bananas“ ist einer der Slogans, der im Englischen nicht nur heißt, dass sie Bananen verstehen, sondern auch ein wenig verrückt sind.
Ja, wir bewerben unsere Bananen mit verspielten Botschaften. Kinder und Eltern sind eine unserer größten Zielgruppen. Die Händler erwarten von uns nachhaltiges Produzieren, weil ihre Kunden das wissen wollen. Natürlich glauben wir auch, dass unsere Bananen besser schmecken, wir sind da vielleicht etwas voreingenommen. Aber wir glauben vor allem, dass es nicht nur darum geht, wie sie schmeckt, sondern auch, wie sie behandelt wird. Die Kommunikation, die dem Kunden unsere Werte vermitteln soll, ist eine Herausforderung. Dazu fehlen uns auch die Mittel. Unsere Produkte sind keine Luxuswaren mit irren Margen.

Alle ihre Bemühungen enden in dem Moment, in dem der Kunde am Regal steht und eine nicht perfekte Banane sieht. Braune Flecken sind für viele Menschen ein Grund, sie liegen zu lassen.
Die Erwartung ist die perfekte gelbe Banane, richtig. Sie könnten genauso gut eine Banane mit ein paar Stellen in der Schale essen – ihre Eigenschaften in Bezug auf Nährwerte wären die gleichen.

Sind nur die Deutschen besonders anspruchsvoll, wenn es um die äußere Hülle geht?
Nein, in den USA ist es ähnlich. Die Franzosen beziehen ihre Bananen viel aus ihren ehemaligen Kolonien und haben eine andere Erfahrung mit dem Produkt. Die Markenbekanntheit in Deutschland, wo wir seit 1966 vertreten sind, ist sehr hoch.

Andrew Biles ist CEO von Chiquita Bananas & Pineapples mit Sitz in Rolle bei Genf. Quelle: imago

Sie hat nicht gereicht, um Produkte wie Smoothies erfolgreich in den Markt zu bringen, ein Segment, das in Deutschland eigentlich sehr erfolgreich ist. Wird es einen neuen Versuch geben?
Nein, seit wir nicht mehr an der Börse sind, ist der Fokus klar: Produktion und Export von Bananen und Ananas. Alles andere haben wir beendet. Wir sind sicher, dass wir uns auf unsere Spezialitäten konzentrieren müssen. Wir verkaufen allerdings Bananenpüree an die großen Smoothie-Hersteller der Welt. Aber das ist ein reines B2B-Geschäft. Dort landen unter anderem die Bananen, die nicht für die Vermarktung geeignet sind - was es uns ermöglicht, keine einzige einzelne Banane zu verschwenden. Das ist unser Plan bis 2020.

Ihr Unternehmen ist seit 2015 nicht mehr börsennotiert. Was hat sich seitdem geändert?
Chiquita wurde von der brasilianischen Familie Cutrale zusammen mit der Bank Safra als Joint-Venture von der Börse genommen. Chiquita war und ist einer der führenden, wenn nicht sogar der führende Produzent von Bananen weltweit - und sicherlich eine der größten Marken. Wenn man sich den Bananenmarkt weltweit anschaut, dann ergab sich vor dem Besitzerwechsel dennoch ein etwas anderes Bild.

Das wie aussah?
Chiquita war sehr konzentriert auf seine Märkte, sehr konzentriert auf sein Geschäftsmodell und – wie man sich vorstellen kann – als börsennotiertes Unternehmen auch sehr konzentriert auf seinen Börsenkurs. Als Privatunternehmen haben wir eine andere Perspektive, eine längerfristige. Das Ziel ist nun eher, das Unternehmen über die kommenden Generationen weiterzugeben. Seitdem haben wir einen sehr starken Ethos eines inhabergeführten Unternehmens.

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