WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Öfen im Trend Wenn der Kamin zur teuren Rußschleuder wird

Feuer statt Gasheizung: In Deutschland steigt die Zahl der Ofenbesitzer und derer, die es werden wollen. Was so heimelig aussieht, kann aber ganz schnell ungemütlich werden. Was Kaminbesitzer beachten müssen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Kaminöfen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Quelle: Presse

Flackernde Flammen hinter Glas, Lagerfeuerromantik im Reihenhauswohnzimmer - laut einer Marktstudie des Industrieverbandes Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI) schwärmen 40 Prozent der 40-Jährigen für ein loderndes Kaminfeuer. Und auch das Umweltbundesamt bestätigt: "Der Energieträger Holz gewinnt bei der Raumwärmeerzeugung immer mehr an Bedeutung." Schon 2008 hatte es in Deutschland 14 Millionen so genannter Einzelraumfeuerungsanlagen, also Kamine, Pelletöfen und Co. gegeben. Laut HKI steigt die Zahl derer, die sich den Traum vom eigenen Kamin erfüllen, stetig. Bereits in jedem vierten deutschen Haushalt brennt ein Kamin. "Die Anschaffung einer modernen Feuerstätte ist ein zentraler Wohntrend unserer Zeit", heißt es in der Studie.

Auch bei denen, die noch keinen wie auch immer gearteten Ofen ihr Eigen nennen, stehe die gemütliche Wärme hoch im Kurs: 20 Prozent aller Befragten wünschen sich laut Studie einen Kaminofen, Kachelofen oder Heizkamin. Besonders stark sei das Interesse bei den 35- bis 45-Jährigen. Sie schätzen die besondere Atmosphäre eines Kaminfeuers in den eigenen vier Wänden. Außerdem hoffen sie auf geringere Heizkosten. Das Problem ist, dass das nicht immer funktioniert und sich so mancher Kamin letztlich als teure Rußschleuder herausstellt. Es muss zwar nicht derart drastische Auswirkungen haben, wie in Paris, wo die Behörden offene Kaminfeuer in der Vorweihnachtszeit verboten haben, um die Feinstaubwerte zu verbessern. Trotzdem kann der falsche Kamin seinen Besitzer viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Grundsätzlich sollte ein Kaminofen deshalb immer eine Glastür haben. Offenes Feuer belastet nur die Raumluft. Und wer möchte schon auf der Terrasse frieren, weil drinnen dicke Rauchschwaden das Atmen unmöglich machen? Auch zu heiß soll es nicht werden. "Die meisten Kamine sind für normale Wohnzimmer in normal gedämmten Häusern überdimensioniert", weiß Michael Koswig von der Stiftung Warentest. Heißt, sie haben eine zu starke Heizleistung. Eine Faustformel, wie viel Kilowatt wie viel Quadratmeter heizen, gibt es leider nicht. Koswig empfiehlt, im Zweifelsfall mit einem elektrischen Heizlüfter einmal zu testen, wie warm schon die zwei Kilowatt Nennheizleistung machen. Er rät bei der Anschaffung eines Kamins grundsätzlich dazu, nur so wenig Heizleistung wie möglich zu kaufen. "Es sei denn, Sie beheizen damit ein Schloss." Denn wer seinen Ofen ständig drosselt - also die Luftzufuhr reduziert - damit er im Wohnzimmer nicht schwitzt, sorgt damit für zu viel Ruß im Kamin. Und wer die Fenster aufreißen muss, um nicht in einer Sauna zu sitzen, jagt die gesamte Wärme wieder hinaus. Ganz davon abgesehen sorgt ein bullernder Ofen eben nicht für die gewünschte Gemütlichkeit.

Außerdem sollten Kaminkäufer aus Sicherheitsgründen auf die folgenden Punkte achten:

  • die Tür des Ofens muss dicht sein, weder Griff noch Tür dürfen wackeln
  • das Glas der Tür muss hitzebeständig und mindestens fünf Millimeter dick sein
  • der Aschekasten sollte ausreichend groß sein
  • der Ofen muss die Anforderungen der Prüfungsnorm DIN 18 891 erfüllen und in Deutschland zugelassen sein
  • die Abgaswerte sollten die Vorgaben der Bundes-Immissionsschutzverordnungen erfüllen
  • der zuständige Schornsteinfeger muss informiert werden, damit er die baulichen Gegebenheiten prüft und nach der Installation die Betriebserlaubnis erteilt

Worauf bei Holzkaminen zu achten ist

Damit ein Kaminofen wirklich Wärme und Behaglichkeit verbreitet, müssen Kunden einiges beachten. Quelle: Fotolia

Laut der Marktstudie des HKI liebäugeln neben den Eigenheimbesitzern auch immer mehr Mieter mit der Anschaffung eines Kamins. In diesem Fall rät der HKI, sich vor dem Kauf eines Ofens mit dem Vermieter in Verbindung zu setzen, da von diesem eine Genehmigung zum Einbau eingeholt werden sollte. Aber egal, wie die Besitzverhältnisse aussehen: man sollte sich nicht einfach den nächstbesten Holzofen aus dem Baumarkt kaufen, auch wenn der vielleicht die günstigste Alternative ist. Allgemein liegt die Preisspanne bei Kaminöfen grob zwischen 200 und 9000 Euro - und in einigen Fällen lohnt es sich, dass teurere Modell zu wählen. Auf den Seiten der Kaminofen Hersteller können sich Interessierte einen Überblick über Händler und Preise verschaffen.

Ein guter Orientierungspunkt für Kaminkäufer ist auch der letzte Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011, für den 19 verschiedene Modelle überprüft worden sind. Darunter waren auch 14 Kaminöfen, die sich zum Verfeuern von Holzscheiten eignen. Allerdings schnitten nur zwei Öfen mit gut ab. Testsieger waren die Kaminöfen Hase Jena (2790 Euro) und Leda Unica (2170 Euro). "Geeignet sind auch die Kaminöfen Buderus Blueline 4W (5750 Euro) und Olsberg Tolima Aqua Compact (3750 Euro), die einen Teil der Wärme nicht an die Raumluft, sondern in den Warmwasserspeicher abgeben", heißt es in dem Bericht.

Viele andere Modelle fielen negativ auf, weil sich die Wärmeabgabe der Öfen nicht bedarfsgerecht regeln ließ. Das Resultat sind dann besagte aufgerissene Fenster wegen zu starker Hitze im Raum.

Auch in puncto Umweltfreundlichkeit konnten viele nicht überzeugen. Beim Heizen mit Holz entweichen nämlich gesundheitsgefährdende Stoffe wie Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe. Und nicht alle Kamine überzeugen mit einer möglichst sauberen Verbrennung. Bei acht Öfen im Test mussten die Umwelt- oder test-Qualitätsurteile deshalb sogar abgewertet werden.

Eine durchweg gute, umweltschonende Verbrennung schaffte nur der Hark 44 GT mit Staubfilter für 3100 Euro. "Der Preis eines Kaminofens ist kein Garant für gute Umwelteigenschaften. Die teuren Öfen von Buderus und Olsberg schnitten dort sogar nur ausreichend ab", so das Fazit der Tester.

Trockenes Holz ist das A und O

Zu viel Qualm kann auch dadurch entstehen, dass das verfeuerte Holz noch zu feucht ist. Deshalb ist das Verbrennen von Holz mit einer Feuchte von mehr als 25 Prozent laut Bundes-Immissionsschutzverordnung verboten. 15 Prozent Feuchte werden empfohlen. Wer Scheite mit 25 Prozent Feuchtigkeit verfeuert, verdoppelte beziehungsweise vervielfachte dadurch den im Abgas enthaltenen Feinstaubgehalt. Außerdem verringert sich Wärmeabgabe des Kamins, weil mehr Energie nötig ist, um das Wasser zu verdampfen. Wer mit nassem Holz heizt, sitzt also frierend im Qualm und atmet jede Menge Feinstaub ein.

Laut den Warentestern sind allerdings zwei von fünf Kaminholzpaketen viel zu feucht. Der gemessene Spitzenwert bei einem Test lag bei 39 Prozent, also deutlich über dem erlaubten Limit von 25 Prozent. Deshalb empfiehlt die Stiftung Warentest Ofenbesitzern, sich ein Einstech-Messgerät zu kaufen, mit dem bei Kauf oder Lieferung die Feuchtigkeit des Holzes überprüft werden kann. Erhältlich sind die Geräte für 15 bis 85 Euro.

Wer sein Holz nicht im Baumarkt kauft, sondern sich frisch geschlagenes Holz liefern lässt, sollte die gespaltenen Scheite etwa zwei Jahre lang trocknen, bevor er sie verbrennt. Für die Lagerung empfiehlt sich ein heller, luftiger Schuppen. Wichtig ist, dass weder Schnee, Regen noch Bodenfeuchtigkeit zum aufgesetzten Holz durchsickern können.

Pelletöfen als Heizungsersatz

Tipps zum Sparen von Heizkosten
Heiztemperatur richtig wählen Quelle: dpa
Temperaturabsenkung bei Abwesenheit Quelle: dpa
Türen, Fenster und Rolllädenkasten abdichten Quelle: dapd
Heizkörper entlüften Quelle: Ewald Fröch - Fotolia.com
Gerade der Brenner von Heizungsanlagen – gemeinhin Heizkessel genannt – muss regelmäßig eingestellt werden, Quelle: Kadmy - Fotolia.com
Heizkörper frei lassen, zur Wand isolieren Quelle: dpa
Thermostat digitale Temperaturregelung Quelle: sugar0607 - Fotolia.com

Auch wenn Holz deutlich billiger ist als Öl oder Gas, raten die Warentester davon ab, einen Kamin mit Holzverbrennung als Ersatz für die Heizung zu verwenden. "Wenn Sie im Winter verreisen, wollen Sie ja nicht, dass alles einfriert", sagt Michael Koswig. Und schließlich müsse man einen Kamin auch befeuern, wenn man krank sei. Sonst bleibt die Wohnung kalt. Kaminöfen seien deshalb klassische Zusatzheizungen für die Übergangszeit. "Wenn mit einem Ofen geheizt werden soll, dann mit Pelletöfen, weil die auch Wasser erwärmen können." Grundsätzlich sollte man in so einem Fall auf ausgeklügelte Systeme setzen, so Koswig von der Stiftung Warentest.

Der Vorteil bei Pelletöfen ist die saubere Verbrennung und die hohe Effizienz. Drei Pelletgeräte mit Wasseranschluss erzielten bei Stiftung Warentest Bestnoten. Besonders effizient waren der Calimax Twist 06 für 8850 Euro und der 800 Euro günstigere Westfeuer Pueblo Aqua. Auch der Pelletofen Wodtke BM ivo.tec water+ bekam die Note "gut". Alle drei Modelle lassen sich an einen Warmwasserspeicher anschließen und sind mit Solaranlagen kompatibel. Die Öfen können so in ein Heizsystem integriert werden.

Wer weniger bezahlen möchte, muss dafür auf den Wasseranschluss verzichten. Doch auch diese Pelletöfen überzeugten die Warentester. So erzielten sowohl der Rika Como für 3.700 Euro als auch der Haas+Sohn Pelletto 417.08. für 2480 Euro sehr gute Werte in den Testkategorien Energieeffizienz, Umwelteigenschaften, Bedienungsfreundlichkeit, Sicherheit sowie Verarbeitung und Robustheit. Außerdem lassen die gepressten Holzpellets sehr gut und exakt dosieren. Bei Pelletöfen und -kesseln sind viele emissionsarme Anlagen mit dem Gütesiegel "blauer Engel" ausgezeichnet.

Vorsicht bei Ethanol-Öfen

Verbraucherschützer und Warentester warnen vor Bioethanol-Kaminen. Quelle: Presse

Vor einem Verwandten der Kaminöfen warnen die Experten allerdings einstimmig: Bioethanol-Öfen. Die mit flüssigem Brennstoff betriebenen Kamine gibt es auch in der Miniaturausgabe für den Wohnzimmertisch. Laut Reklame sind sie eine saubere und günstige Alternative zum echten Kamin - Wärme von rund zwei Kilowatt Heizleistung und gemütliches Kaminfeuer gibt es für 50 Euro aufwärts und es ist noch nicht einmal ein Schornstein nötig. Und genau da liegt das Problem, so Verbraucherschützer und Warentester. Wer nämlich nicht regelmäßig lüftet, riskiert, dass der Sauerstoffgehalt im Raum bedrohlich absinkt. "Doch selbst zertifizierte Kamine bergen kaum kalkulierbare Risiken. Die Norm fordert weder einen Luftsensor, der vor sinkendem Sauerstoffanteil in der Luft warnt, noch einen Kippsensor, der ab einem bestimmten Winkel des Kamins die Brennstoffversorgung kappt", moniert die Stiftung Warentest.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

"So lange die Dinger keine Abgase nach draußen leiten, hat sich daran nichts geändert", bestätigt auch Udo Peters, Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Da reichen die Warnhinweise, dass man Lüften soll." Die Verantwortung liegt also ausschließlich beim Verbraucher. Trotzdem erfreuen sich die Öfen gerade zur Weihnachtszeit einer wachsenden Beliebtheit. Doch diese Deko kann sehr gefährlich werden - auch wenn der Besitzer ordentlich lüftet. Immer wieder gibt es Berichte von Bedienfehlern, die zu schweren Verletzungen bei den Besitzern der Ethanolkamine geführt haben. So gab es Verbrennungen durch Verpuffungen beim Befüllen des noch warmen Ofens, Scheiben sind zersprungen oder die Plastikdübel geschmolzen, so dass gleich der gesamte Dekokamin umstürzte - und mit ihm das brennende Bioethanol. Der Brennstoff selber kann seinem Besitzer auch um die Ohren fliegen, wenn dieser alles richtig macht. "Gefahr birgt die Brennstofflagerung. Im Internet können sogar 10-Liter-Kanister Ethanol bestellt werden. In der Wohnung sollte man jedoch maximal einen Liter der brennbaren Flüssigkeit lagern", warnt die Stiftung Warentest. Energieberater Peters geht noch etwas weiter. Sein Fazit: "Bloß die Finger davon lassen."

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%