Oetker verkauft Reederei Hamburg Süd Was die Übernahme für Käufer Maersk und Verkäufer Oetker bedeutet

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Weniger Biertrinker - weniger Bierverkauf

Und auch die Getränkesparte der Bielefelder, die aus der größten deutschen Braugruppe Radeberger in Frankfurt und der Wiesbadener Sektkellerei Henkell & Söhnlein besteht, gilt nicht gerade als Margen- oder Ergebnisrakete. Konzernergebnisse veröffentlicht Oetker zwar prinzipiell nicht. Der Umsatz der deutschen Brauereien schrumpft jedoch seit Jahren kontinuierlich, schlicht und einfach weil immer weniger Bier getrunken wird. Die Oetker-Marken Radeberger, Jever oder Berliner Pilsener dürften hiervon nicht verschont worden sein.

Auch der Versuch, sich durch die Übernahme von Bionade, ein jüngeres und gesunderes Image zu verpassen, dürfte gescheitert sein. Bionade hatte zum Zeitpunkt der Übernahme seinen Zenit längst überschritten. Hinzu kommen die Probleme mit dem Kartellamt. Das hatte die Oetker-Brauereien vor drei Jahren zu einem Bußgeld in Höhe von rund 150 Millionen Euro verdonnert.

Da Oetker jedoch sofort Einspruch gegen den Bescheid einlegte, liegt der Vorgang beim Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort wird es im kommenden Jahr zum Prozess kommen. Bei der Bußgeldberechnung gibt es erhebliche Spielräume, die das OLG in den vergangenen Jahre zunehmend zu Lasten von Klägern auslegt. So erhöhte das OLG 2013 im Flüssiggaskartell die Höhe der Geldbußen um rund 35 Prozent. Im Falle Oetker droht nun schlimmstenfalls sogar eine Strafe in Milliardenhöhe.

Was für den Biermarkt gilt, also sinkende Konsumzahlen, das gilt auch für die Sekt- und Spirituosensparte der Oetkers, die bei Henkell in Wiesbaden gebündelt werden. Mit 3,7 Litern pro Kopf trinken die Deutschen so wenig Schaumwein, wie seit Jahren nicht mehr. Insgesamt ist der Konsum des Prickelwassers seit Jahren rückläufig. Ebenfalls zum Angebot der Henkell-Gruppe gehören angestaubte Schnapsmarken wie Jacobi, Scharlachberg, Pott Rum oder Kümmerling.

Es wird sich vieles verändern müssen im Oetker-Reich. Die Spielräume dafür wurden durch den Hamburg-Süd-Verkauf deutlich größer. Wem aber die Familie diese gewaltige Aufgabe zutraut, ist weiterhin offen.

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