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Online-Angreifer Die bedrohtesten Händler Deutschlands

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Zalando schreckt die City-Platzhirsche

Diesen Händlern vertrauen die Kunden
Die Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants hat für ihren „Proposition Index 2013“ jüngste Trends und Entwicklungen in der Handelsbranche analysiert. Dafür wurden 30.000 Konsumenten aus neun Ländern zu 660 führenden Handelsunternehmen (darunter über 80 aus Deutschland) befragt. Die Meinung der Kunden zu Preisen, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis, Service und Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens wird in einer Index-Skala mit einem Maximalwert von 100 zusammengefasst. Quelle: dpa
Eines der Ergebnisse der Studie ist, dass die Kunden mehr Vertrauen in den traditionellen Handel haben: Fanden sich 2012 noch fünf reine Onlineformate unter den Top 20, sind es 2013 mit Amazon und Ebay nur noch zwei. "Die reinen Onlineanbieter verlieren im Vergleich zu den stationären Händlern vor allem in den Kategorien Auswahl, Preisstellung und Vertrauen", sagt Christian Ziegfeld, der für die Studie verantwortliche Partner bei OC&C. "In der Konsequenz wenden sich einige Kunden wieder häufiger dem traditionellen Handel zu. Dennoch haben Onlinekonzepte weiterhin gute Wachstumsaussichten." Quelle: dpa
Dem stationären Handel - also dem physischen Geschäft in der Innenstadt - kommt zugute, dass die Kunden wieder mehr Wert legen auf die Vorauswahl und die Orientierung, die der klassische Handel bietet. Auch die Preisvorteile des Onlinehandels sind nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Durch das verhältnismäßig starke Wachstum drängen einige Onlineformate zudem in den Massenmarkt. Für Onlinehändler wird es somit immer schwerer, das Produktangebot und das Leistungsversprechen optimal auf den Kunden auszurichten. Quelle: dpa
Der allgemeine Trend setzt sich im Textileinzelhandel fort: Viele stationäre Anbieter überzeugen mit ihrer Sortimentsauswahl, dem Service und der Qualität. Reinen Onlinern fällt es dagegen schwer, mit dem immer breiteren Angebot ein klares Sortimentskonzept zu entwickeln und die steigenden Anforderungen der Konsumenten zu erfüllen. So verliert beispielsweise Zalando gegen den Versandhändler Bonprix, der dank einer konsequenten Value-Strategie den ersten Platz der Textil-Rangliste belegt. Auf den weiteren Plätzen folgen Esprit und Ernsting‘s Family. Zalando (Platz 9) kämpft hingegen mit der wachsenden Breite des Sortiments und bietet zu wenig Orientierung in der Sortimentsauswahl. Quelle: dpa
In der Kategorie Unterhaltungselektronik gab der noch im Jahr 2012 so starke Online-Händler notebooksbilliger.de die Branchenführung ab und bricht um 6,7 Indexpunkte ein, während sich Media Markt und Saturn in der Kundenzufriedenheit leicht verbessern. Die Schwäche von notebooksbilliger.de liegt in der Entwicklung zum Mainstream-Anbieter begründet. Die Onlineformate gewinnen zwar immer mehr neue, aber dafür weniger treue Kunden hinzu. In der Folge sind die Kunden zwar nach wie vor zufrieden, beurteilen die Anbieter aber nicht mehr mit Höchstnoten. Bei Media Markt vollzieht sich der gegenteilige Effekt: Die leicht steigende Kundenzufriedenheit geht auf eine geringere Kundenzahl zurück. So haben nur noch 15 Prozent aller Kunden Media Markt bewertet, 5 Prozent weniger als in 2012. Quelle: dapd
Im Lebensmitteleinzelhandel bleibt Globus in der Kundenzufriedenheit die Nummer eins, dicht gefolgt von Kaufland und Aldi. Edeka verbessert sich um 1,8 Punkte und zieht fast mit Aldi gleich. Bei Netto und Penny zeigt die sorgfältige Arbeit an Format, Sortiment und Kommunikation Effekt: Beide verbessern sich in der Kundenwahrnehmung (um 2,2 bzw. 1,9 Indexpunkte). Aldi profitiert von der Ausweitung des Angebotes an Markenartikeln (+5,0 Indexpunkte) und den Investitionen in die Filialen, die sich beim Einkaufserlebnis bemerkbar machen (+5,6 Indexpunkte). Den stärksten Rückgang der Branche verspürt Metro mit -3,0 Indexpunkten. Der Händler muss vor allem Abschläge bei Sortiment und Kundenvertrauen hinnehmen. Quelle: AP
Unabhängig von der Branche hat es die Parfümerie Douglas unter die beliebtesten Händler der Kunden geschafft. Mit 81,1 Indexpunkten landet die Kette auf Platz drei. Douglas baut seine Stärke vor allem auf klassische Faktoren wie Service, Produktqualität und Einkaufserlebnis. Quelle: dpa

Wie groß die Gefahren tatsächlich sind, wird erst beim Blick auf die zentralen Angreifer deutlich, die Category Killer. „Viele dieser Category Killer haben finanzstarke Geldgeber hinter sich, die massiv in Bekanntheit, Marktanteile und Service investieren und den Ertrag kurzfristig hintenanstellen“, sagt Experte Berentzen.

So wie der amerikanische Internet-Gigant Amazon den Buchmarkt umkrempelte und sein Angebot seither auf zig Warengruppen ausgedehnt hat, stürzt sich eine Vielzahl weiterer Online-Player ins Geschäft. Doch vor allem ein Name fällt, wenn es um den digitalen Generalangriff geht: Zalando.

Kein anderes Unternehmen schreckt die City-Platzhirsche so wie die Berliner, die zuerst den Schuhhandel aufgemischt und dann auch dem Modewesen eine neue Kleiderordnung verpasst haben. Binnen fünf Jahren haben die Berliner ihre Umsätze von null auf rund 1,8 Milliarden Euro gesteigert. Im Interview kündigen die Zalando-Chefs an, weiter auf Wachstum zu setzen und die Kundenbindung zu verbessen. Demnächst sollen neue Handy-Apps etwa zur Erkennung von Kleidungsstücken zusätzliche Bestellungen generieren.

Ob des Fabelaufstiegs tröstet sich manch arrivierter Filialist damit, dass Zalando bisher noch keinen einzigen Cent verdient hat. „Die spielen nach eigenen wirtschaftlichen Regeln“, schimpft etwa ein Hamburger Mode-Manager. Allein, an den Konsequenzen ändert das wenig: Die Umsätze sind weg und werden auch nicht in den klassischen Handel zurückfließen.

Derweil könnte der Zalando-Effekt auch in anderen Handelssegmenten Schule machen. Selbst für Produkte, die noch vor Kurzem als Internet-untauglich galten, etablieren sich Online-Marktplätze, werden passende Smartphone- und Tablet-Angebote gezimmert – zum Beispiel für Möbel.

Was Deutschlands Möbel-Händler online bieten
IkeaOnline-Sortiment: 3500 Artikel Versandkosten: Paket: 5,00 Euro Spedition (Onl.-Bestellung): 49,00 Euro Spedition (Fax/Telefon/Post): 99,00 Euro Abholung (Click& Collect): Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Bezahlung bei Lieferung der Möbel in bar oder mit EC-Karte Montageservice: ja, auf Wunsch möglich Quelle: Screenshot
OTTO.deOnline-Sortiment: 400.000 Artikel (keine Differenzierung nach Produktgruppen - reiner Möbelanteil nicht bekannt) Versandkosten: Paket: 5,95 Euro Spedition: 29,95 Euro Abholung (Click& Collect): Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kauf auf Rechnung, Vorkasse Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Karstadt.deOnline-Sortiment: 3.529 Artikel Versandkosten:Aufträge unter 19,90 Euro: 4,95 Euro Standardlieferung: 20,00 Euro Abholung: Möglich, in den Filialen (evtl. Preisabweichungen) Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, giropay, PayPal, Kauf auf Rechnung, Vorkasse Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Westwing.deOnline-Sortiment: Wöchentliches-Rotationsprinzip: Jede Woche werden 2.000 neue Artikel online gestellt Versandkosten:6,90 Euro pro Bestellung Logistikzuschläge bei sperrigen Produkten Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, Lastschrift, Vorkasse, PayPal Montageservice: nein Quelle: Screenshot
Design-3000.deOnline-Sortiment: 2.600 Artikel Versandkosten:Aufträge unter 30,00 Euro: 3,90 Euro Aufträge ab 30,00 Euro: versandkostenfrei Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Rechnung, Lastschrift, Kreditkarte, Vorkasse, PayPal, Nachnahme Montageservice: nein Quelle: Screenshot
Roller.deOnline-Sortiment: 10.000 Artikel Versandkosten:6,50 Euro pro Bestellung Spedition: abhängig von Bestellwert Abholung: k.A. Bezahlmöglichkeiten: Kauf auf Rechnung, Vorkasse, Kreditkarte, PayPal Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Fashionforhome.deOnline-Sortiment: über 10.000 Artikel Versandkosten:7,50 Euro pro Bestellung Aufträge ab 75,00 Euro: versandkostenfrei Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, Lastschrift, PayPal, Vorkasse, GiroPay, Rechnungskauf Montageservice: Ja, gegen Aufpreis möglich; Samstagslieferung möglich. Quelle: Screenshot

Der Besprechungsraum in der ehemaligen Zigarettenfabrik in Prenzlauer Berg in Berlin erinnert eher an eine behagliche Wohn- denn an eine Konferenzlandschaft. Ohrensessel und Stehlampen haben die Chefs des Online-Möbelhändlers Home24 aufstellen lassen, um einen Kontrast zum Großraum-Gewimmel in den angrenzenden Büros zu schaffen. Junge Menschen sitzen dort vor ihren Computerbildschirmen und fügen den bereits bestellbaren 72 000 Sofas, Sideboards und Schuhschränken weitere Modelle hinzu, beantworten Kundenfragen oder kümmern sich darum, dass Online-Nutzer, die bei Google nach Begriffen wie Kommode suchen, Home24 finden.

Bis vor Kurzem hing hier eine als Filmplakat getarnte Kampfansage an der Wand. „Kill Billy“ stand auf dem Plakat, darunter der Zusatz: „Garantiert schwedenfrei. Am Ende“. Gemeint war Ikea, der größte Möbelhändler der Welt, und dessen bekanntestes Produkt, das Regal Billy.

Inzwischen wurde das martialische Plakat abgenommen, die Mission ist auch so klar: Home24 sei mit rund 100 Millionen Euro Umsatz 2013 „der größte reine Online-Möbelhändler in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Domenico Cipolla, und „wir wollen die Position noch ausbauen“. Die Berliner Startup-Fabrik Rocket Internet und der Kölner Handelskonzern Rewe haben in das Unternehmen investiert. In den kommenden Monaten solle das Sortiment „noch breiter, der Service noch besser, die Lieferzeiten noch kürzer“ werden.

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