Online-Händler Amazon schockt mit hohem Verlust

Amazon-Konzern-Chef Jeff Bezos will überall mitmischen und fährt eine aggressive Expansionspolitik. Doch die Investitionen gehen ins Geld: Die Verluste machen Anleger zunehmend nervös.

Das sind die teuersten Amazon-Produkte
Die US-Website Gizmodo hatte ihre User aufgefordert, die teuersten Amazon-Fundstücke einzuschicken. Hier sind die Top sieben, für die Kunden des Onlinehändlers bis zu mehreren Millionen Dollar ausgeben können. Quelle: dpa
KaviarNoch vergleichsweise günstig kommen Gourmets davon, die über Amazon bei "Just Caviar" vier Pfund (rund 1,8 Kilogramm) Kaviar kaufen. Sie müssen dafür "nur" 18.773 Dollar (13.800 Euro) zahlen. Der Versand ist gratis. Quelle: Screenshot
SammelkartenWer kann bei einer Michael Jordan-Sammelkarte für 35.000 Dollar (25.726 Euro) schon nein sagen? Quelle: Screenshot
AutogrammkartenFür nicht einmal 50.000 Dollar mehr gibt es schon eine von Mickey Mantle handsignierte Baseball-Autogrammkarte. Laut Artikelbeschreibung sparen Käufer 5000 Dollar. Quelle: Screenshot
InstrumenteAuch Musikliebhaber werden fündig: Für 169.000 Dollar (124.220 Euro) gibt es gleich zwei antike italienische Bratschen - allerdings gebraucht. Quelle: Screenshot
SpielzeugOder doch lieber etwas für die lieben Kleinen? Dieser Händler verkauft ein Spielzeugauto samt Fahrer für unschlagbare 999.999 Dollar. Quelle: Screenshot
SammlermünzeBei einem aktuellen Goldpreis von 1312 Dollar pro Unze ist diese Münze mit einem Preis von 3,75 Millionen Dollar (für nicht ganz eine Unze Gold) eher ein Liebhaberstück als ein Schnäppchen. Quelle: Screenshot

Der weltgrößte Online-Händler Amazon steckt mit seinen hohen Ausgaben tief in den roten Zahlen fest. Im vergangenen Quartal lief ein Verlust von 437 Millionen Dollar (345 Millionen Euro) auf. Mehr noch, für das laufende Vierteljahr mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft konnte Amazon überhaupt keine klare Prognose geben. Die Vorhersage beim operativen Ergebnis liegt zwischen einem Minus von 570 Millionen Dollar und einem Gewinn von 430 Millionen Dollar. Die Investoren straften die Aktie im nachbörslichen Handel am Donnerstag mit einem Kurseinbruch von mehr als zehn Prozent ab.

Der Verlust im dritten Quartal fiel deutlich höher aus als am Markt erwartet. Dazu trug auch eine Abschreibung von 170 Millionen Dollar auf das erst im Sommer herausgekommene erste Amazon-Handy Fire Phone bei. Das groß angekündigte Smartphone wurde bisher nicht zum Verkaufsschlager und bekam auch schlechte Kritiken in der Fachpresse. Amazon senkte nach wenigen Wochen auf dem Markt den Preis, was auch zu der Abschreibung beitrug. Im Vorjahresquartal war der Verlust mit 41 Millionen Dollar drastisch niedriger gewesen.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Die Anleger sind von Amazon zwar rote Zahlen oder nur dünne Gewinn gewöhnt - der Online-Händler investiert aggressiv, um seine Marktposition zu verteidigen und auszubauen. Damit tanzt Amazon jedoch auf immer mehr Hochzeiten, und die Kosten schießen entsprechend in die Höhe. Im vergangenen Quartal stiegen die Ausgaben unter anderem für die Lager-Standorte sowie Technologie und Inhalte wie Serien und Kinofilme in Amazons Videostreaming-Dienst deutlich.

In den vergangenen Jahren kaufte die Börse Amazon-Chef Jeff Bezos die Wachstums-Story ab und belohnte dessen Investitionsbereitschaft mit kräftigen Kurssteigerungen. Doch inzwischen scheinen die Investoren die Geduld verloren haben.

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Bezos hat sich voll und ganz der Kundschaft verschrieben und nimmt viel Geld in die Hand, um „das Konsumentenerlebnis einfacher und stressfreier denn je“ zu machen. Das kurbelt den Umsatz an. Von Juli bis September stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 20,6 Milliarden Dollar.

Amazon brachte zuletzt neben dem Fire Phone auch die TV-Box Fire TV in Deutschland auf den Markt und erneuerte die Produktfamilien seiner Tablet-Computer sowie E-Book-Lesegeräte. Im Geschäft mit Cloud-Diensten wird der Wettbewerb mit Rivalen wie Google und Microsoft schärfer. Im vergangenen Quartal kaufte Amazon zudem für knapp eine Milliarde Dollar die Video-Website Twitch, auf der Gamer Live-Mitschnitte vom Spielverlauf veröffentlichen können.

Finanzchef Tom Szkutak kündigte in der Telefonkonferenz nach Vorstellung der Zahlen aber an, dass Amazon grundsätzlich an den hohen Investitionen festhalten werde. Der Konzern wisse aber, dass er mit Vorsicht überlegen müsse, in welche Geschäfte man das Geld stecke.

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