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Online-Händler auf Expansionskurs Was Amazon so gefährlich macht

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Walmarts Wettstreit mit Amazon

Die an einem Parkplatz gelegene Abholstation wirkt von Weitem wie ein Starbucks-Cafe. Nur dass an der Fassade das leuchtend grüne „Amazon Fresh Pickup“ Logo prangt. Direkt daneben befinden sich die Abholinseln, die wie eine angeschlossene Tankstelle aussehen.

Statt Zapfsäulen stehen dort Amazon-Mitarbeiter in grünen Kittelschürzen mit Papptüten voller Bestellungen. Alle paar Minuten fahren neue Kunden vor und lassen sich die Tüten in den Kofferraum hieven. Es ist eine von zwei Abholstationen - eine weitere befindet sich südlich von Seattles Innenstadt – die als Blaupause für das Ausrollen in weiteren US-Großstädten genutzt werden sollen.

Eilig reagierte Wal-Mart-Chef DougMcMillon mit einem eigenen Projekt. „Wir werden mit Technologie konkurrieren, aber mit unseren Mitarbeitern gewinnen“, schmetterte McMillion auf seiner Aktionärsversammlung Anfang Juni in Fayetteville im US-Bundesstaat Arkansas.

Nützlich und absurd: Die Amazon Skills

Dort stellte sein neuer Online-Handelschef Marc Lore einen Service vor, den Walmart derzeit in Miami, Denver und Phoenix offeriert. Walmart-Kunden ordern dort online Lebensmittel, müssen allerdings nicht selber vorfahren, sondern können sich das gewünschte Sortiment von einem Uber oder Lyft-Fahrer zu Hause vorbeibringen lassen.

Es ist Lores erster großer Aufschlag in Walmarts Wettstreit mit Amazon. Im August erwarb Walmart für 3,3 Milliarden Dollar seinen Online-Händler Jet.com, vor allem wegen Lores Expertise. Denn dieser weiß wie Bezos tickt. Für 545 Millionen Dollar hatte der Amazon-Gründer Anfang der Dekade Lores erstes großes Start-up, den Windel-Vermarkter Quidsi übernommen. Ursprünglich wollten Lore und sein Mitgründer Vinit Bharara nicht verkaufen.

Doch Bezos konterte mit einem ruinösen Preiskampf und setzte sich schließlich durch. Teil des Kaufvertrages war, dass die Quidsi-Gründer für mindestens anderthalb Jahre für Amazon arbeiten mussten. Kurz danach verließ das Duo Amazon. Lore gründete Jet.com, dass ihn noch vermögender machen sollte. „Ich habe nichts gegen Jeff“, sagt Lore. Schließlich hat der Mann ihn reich gemacht. Trotzdem hat er diebische Freude daran, Bezos über seinen neuen Arbeitgeber Walmart die Suppe zu versalzen.

Er soll auch hinter der Idee stecken, Amazon wichtigste strategische Waffe zu attackieren. Mittels Amazon Web Services vermietet Amazon Rechenkapazität an Unternehmen, eine wahre Goldmine, die derzeit fast den gesamten Profit des Konzerns erwirtschaftet. Walmart hat hinter den Kulissen seine Zulieferer aufgefordert, stattdessen konkurrierende Dienstleister wie Microsoft, Google oder IBM zu nutzen – und so vielleicht doch noch dafür zu sorgen, dass in Bezos Reich dereinst Tag 2 anbricht.

Alarm im Einzelhandel: Mehr über die Macht von Amazon erfahren Sie in der neuen WirtschaftsWoche (Ausgabe 29). Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die neue Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

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