Online-Händler geht an die Börse Börsenbaby Windeln.de ist wachstumsstark, aber teuer

Der Online-Händler windeln.de AG will beim Börsengang bis zu 234 Millionen Euro einsammeln. Das Geschäftsmodell ist attraktiv. Warum die Aktie des jungen Unternehmen trotz rasanten Wachstums zu teuer ist.

Windeln Onlinehandel Versandt Quelle: PR

Anleger sind um eine Investmentidee reicher, die windeln.de AG geht an die Börse. Das Geschäftsmodell überzeugt: Der Online-Händler verkauft Produkte für Babys und Kleinkinder. Eltern müssen Windeln, Hipp-Gläschen und Autositze nicht mehr heimschleppen und können bestellen, wenn das Kind schläft. Vorteil für windeln.de: Aus Bestellungen wie der Größe der georderten Windel leitet das Unternehmen ab, wie alt der Sprössling ist. So kann es stets zur rechten Zeit mit altersgerechten Produkten bei Eltern werben. Das hilft, Kosten für Marketing niedrig zu halten. Eine Saison für Windeln und Co. gibt es nicht, Eltern haben immer Bedarf.

Die Kunden sind daher treu: Über 80 Prozent kaufen erneut, oft steigt der Bestellwert an. Im Vergleich zu Online-Modehändlern, die auch mal mit 50 Prozent Retouren kämpfen, senden Eltern Babymilch selten zurück – windeln.de profitiert von einer Retouren-Quote von nur 5,7 Prozent. So bleiben Logistikkosten im Rahmen, und das erst im Jahr 2010 gegründete Start-up wächst ordentlich: Der Umsatz etwa hat sich 2014 im Vergleich zum Vorjahr auf 101,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Durchschnittliche Konsumausgaben je Kind

Neuling noch mit Verlust

Allein: Der Börsenneuling ist noch nicht profitabel. 2014 lag der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) mit 11,7 Millionen Euro im Minus. Auch der operative Cash-Flow, der zeigt, wie viel Geld aus dem operativen Geschäft für Investitionen hängenbleibt, lag zuletzt bei minus sechs Millionen Euro. Das zeigt, dass windeln.de noch Millionen verbrennt. Das dürfte sich nicht so bald ändern, das Unternehmen setzt auf schnelles Wachstum. Das kostet Geld, bislang sind seit der Gründung Verluste über rund 34,5 Millionen Euro aufgelaufen. Investoren, unter ihnen die Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank, haben die mit frischem Eigenkapital finanziert. Positiv: Der Online-Shop windeln.de, der für 88 Prozent vom Umsatz steht, ist schon profitabel. Verluste bringen Töchter wie die Plattform windelbar.de, auf der Restposten verkauft werden und die neun Prozent vom Umsatz beiträgt. Geschätzt dürfte der Neuling frühestens 2017 Gewinn abwerfen.

Um Wachstum zu finanzieren, will windeln.de nun Geld an der Börse einsammeln: Insgesamt sollen, sofern die Aktien zum Mittelwert der vorgegebenen Preisspanne platziert werden können, netto 120 Millionen Euro in die Unternehmenskasse kommen. Der Börsengang soll sich aus einer Kapitalerhöhung mit neu ausgegebenen Aktien sowie Anteilen derzeitiger Gesellschafter zusammensetzen.

Eben erst 95 Millionen wert

Gemessen am vergleichsweise kleinen Unternehmen, begleiten mit Bank of America Merrill Lynch, Deutsche Bank und Goldman Sachs international prominente Banken den Börsengang. Außerdem mischen Berenberg und die Commerzbank mit. Für alle zusammen dürfte es kein Problem sein, die Aktien wie geplant zu verkaufen – auch wenn sie vorerst noch zu teuer sind. Warum Anleger später womöglich billiger einsteigen können, veranschaulicht ein Rechenbeispiel: Der Kaufpreis für ein Unternehmen aus der Branche orientiert sich meist an jenem Umsatz, mit dem Investoren in den kommenden ein bis zwei Jahren rechnen. So erwarten Analysten vom Online-Modehaus Zalando 2015 schon mehr als 2,7 Milliarden Euro Umsatz. Der Börsenwert liegt aktuell bei etwa 6,9 Milliarden Euro, gut 2,5-mal so hoch wie der für das laufende Jahr erwartete Umsatz.

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