Online-Händler Zalando geht mit Scan-App auf Kundenklau

Angriff der Kundendiebe: Zalando hat eine Smartphone-App veröffentlicht, mit der Kunden Kleidung im Alltag fotografieren und dann unmittelbar im Online-Shop bestellen können. Für stationäre Händler kann das zum Problem werden.

Mit Hilfe einer erweiterten Smartphone-App will Zalando bald noch mehr Pakete verschicken. Quelle: dpa

Online-Shop Zalando macht seine Kunden zu Stil-Dieben. Eine neue Version der unternehmenseigenen Smartphone-App erlaubt es Kunden, Kleidung in der Umgebung zu scannen und dann direkt im Zalando-Shop zu bestellen. Das wirkt erstmal ziemlich kundenfreundlich. Zugleich ist es auch eine clevere Masche, der Konkurrenz die Käufer sogar noch aus dem Laden zu klauen.

Die Bedienung der aktuell nur auf dem iPhone nutzbaren App-Funktion ist einfach: Kleidungsstück aussuchen, fotografieren, Bildersuche starten. Dann wühlt sich das Programm durch den virtuellen Zalando-Shop. Ein Algorithmus gleicht markante Punkte des Fotos mit der Datenbank ab und schlägt nach wenigen Sekunden Kleidungsstücke vor, die dem fotografierten ähneln – in Stil, Farbe und Muster.

Praktisch für den Kunden: Der App ist egal, ob das schöne Kleid im Katalog abgebildet ist, von der Dame auf der anderen Straßenseite getragen wird, oder im Kaufhaus auf dem Kleiderbügel hängt. "Online-Shopping findet nicht mehr ausschließlich zu Hause statt, sondern immer mehr unterwegs", gibt sich Zalando-Manager Daniel Schneider überzeugt. Laut dem Online-Händler kommt der Dienst gut an. In den ersten Tagen seien bereits mehrere tausend Suchanfragen per Foto registriert worden.

Kundenfreund und Händlerfeind

Die Idee das Kaufverhalten mit Apps zu steuern, ist nicht neu. Apps, die Barcodes scannen können, gibt es schon länger. In der Praxis sind sie aber eingeschränkter als die neue Generation. Das mit der Foto-Produktsuche ein Geschäft zu machen ist, hat auch der Branchenprimus bereits erkannt: Amazon hat Anfang des Jahres mit Flow eine Anwendung ähnlich der Zalando-App für den US-Markt vorgestellt. Das Fire Phone genannte neue Smartphone des Online-Riesen hat die Funktion von Beginn an Bord – und wird so zur reinen Verkaufsmaschine.

Diese Unternehmen sind in Gefahr
Bedrohte C&A-Filiale Quelle: REUTERS
Logo und Schriftzug von Quick Schuh Quelle: PR
Reno-Filiale Quelle: Gemeinfrei
Bedrohte Runners Point Filiale Quelle: AP
Bedrohte P&C Filiale Quelle: dpa
Bedrohte Saturn Filiale Quelle: REUTERS
Bedrohte NKD Filiale Quelle: PR
Bedrohte Karstadt Filiale Quelle: dpa
Logo und Schriftzug von Babywalz Quelle: PR
Takko-Filiale Quelle: Creative commons - Joeb07
Bedrohte Euronics Filiale Quelle: PR
Platz 19: KiK - Bedrohungsgrad: 70Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Unter den zehn Unternehmen mit dem schlechtesten Image tauchen mit KiK, Netto Marken-Discount, Norma, Penny und Lidl gleich fünf diskontierende Formate auf. Das zieht auch die Gesamtbewertung nach unten. Kik steigt in der Liste der bedrohten Unternehmen auf Platz 19 ein. Quelle: dapd
Platz 18: Wöhrl - Bedrohungsgrad: 71,3Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, Brands4friends, Asos Während Kaufhäuser wie Breuninger oder P&C mit gutem Service und Image punkten, fällt Wöhrl negativ dagegen ab. Das Warenhaus kann sich deshalb auch nicht auf eine besonders loyale Kundschaft stützen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 17: Media Markt - Bedrohungsgrad: 71,6Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Media Markt ist wie Schwester Saturn erst spät in den Online-Handel eingestiegen. Der Elektronik-Riese kann weder mit überzeugenden Service-Leistungen noch besonders gutem Image punkten. Die Kunden sind daher auch wenig loyal. Media Markt wird es in der harten Branche mit so aggressiven Online-Mitbewerbern wie Notebooksbilliger.de immer schwieriger haben. Quelle: dapd
Platz 16: Hugendubel - Bedrohungsgrad: 71,8Kernsortiment: Bücher Wichtigste Online-Angreifer: Amazon, buch.de Gerade wurde bekannt, dass Hugendubel seine Filiale am Münchener Marienplatz 2016 schließen wird. Amazon hat den den Handel mit Büchern revolutioniert und ist mit rund 3/4 aller Online-Umsätze bei Büchern führend. Das Verbrauchervertrauen spiegelt sich auch im Fit Score (86,8) wider, obwohl Amazon die niedrigsten Imagewerte erzielt. Hugendubel hat es angesichts dieser massiven Konkurrenz schwer, sich zu behaupten - trotz gutem Image und guten Serviceleitungen. Quelle: dpa
Platz 15: Butlers - Bedrohungsgrad: 72,4Kernsortiment: Möbel/Deko Wichtigster Online-Angreifer: Home24, Westwing Butlers kann sich zwar über hohe Imagewerte, sowie zufriedene und loyale Kunden freuen, aber das Deko- und Möbelhaus betreibt Geschäfte in der hoch online-affinen Branche der Multi-Sortimenter. Amazon hat „das längste Regal der Welt“. Und das zeigt auch die überragende Bewertung der Konsumenten, vor allem in der hohen Loyalität (97,0!). Butlers hat das Nachsehen. Quelle: PR
Platz 14: Charles Vögele - Bedrohungsgrad: 72,5Kernsortiment: Mode Wichtigste Online-Angreifer: Zalando, brands4friends, Asos Das Modehaus hat das Pech in direkter Konkurrenz zu einem so genannten "Category Killer" wie Zalando zu stehen. Die Unternehmen haben finanzstarke Geldgeber hinter sich, die massiv in Bekanntheit, Marktanteile und Service investieren und den Ertrag hinten anstellen. Für eine Kette wie Vögele wird das zum massiven Problem, Image und Loyalität sind nur mittelprächtig. Der eigene Online-Auftritt könnte deutlich besser sein. Vögele muss sich warm anziehen. Quelle: PR
Platz 13: Babyone - Bedrohungsgrad: 72,7Kernsortiment: Kinderbedarf Wichtigste Online-Angreifer: myToys, windeln.de babymarkt.de Bereits jeder vierte Euro für Spielzeug wird im Internet ausgegeben. Eine Vielzahl an Online-Händlern haben sich beim Konsumenten mit einem breiten Sortiment etabliert. Mit kidoh.de und mytoys.de folgen zwei weitere Pure Onliner in der Verbrauchergunst. Fachmarktketten wie Babyone aus dem Siegerländischen Freudenberg haben es schwer, sich gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten. Sie stehen in der Reihe der Spielwaren- und Babybedarf-Anbieter in punkto Image, Service und Loyalität ganz unten. Quelle: PR
Platz 12: Kaufhof - Bedrohungsgrad: 72,9Kernsortiment: Warenhäuser Wichtige Online-Angreifer: Amazon, Ebay "Der Betriebstyp Kaufhaus hat sich stationär überlebt", glauben die Autoren der Studie von Dr. Wieselhuber & Partner. "Die einst größten Handelsunternehmen Deutschlands, Hertie, Horten, Karstadt oder Kaufhof, klingen heute wie „Dinosaurier“, und einige von ihnen sind bereits ausgestorben." Spezialisten und Monolabel-Stores würden in die Innenstädte drängen und so das Geschäftsmodell „Multisortimenter“ herausfordern. Gleichzeitig bieten Onlinehändler ein Sortiment an, das größer ist als das aller Warenhäuser. In diesem Umfeld wird das Überleben für Kaufhof nicht leicht. Quelle: dpa
Platz 11: ElectronicPartner - Bedrohungsgrad: 73Kernsortiment: Elektronik Wichtigste Online-Angreifer: Notebooksbilliger, Cyberport, Amazon Die Verbundgruppe verzichtet auch 2014 noch völlig auf einen eigenen Online-Shop. Zwar will EP sein Angebot in Zukunft schrittweise in Netz verlagern, noch setzt V erbundgruppe für selbstständige Elektro-Fachgeschäfte aber vor allem auf den den direkten Kundenkontakt. "Wir glauben an den stationären Fachhandel, seine Stärken und vor allem seine unstrittige Daseinsberechtigung. Unsere Aufgaben ist es, den Kunden, die überwiegend stationär kaufen – nach Zahlen, die uns vorliegen sind das nach wie vor zwischen 75 und 80 Prozent – das bestmögliche Angebot zu machen", sagt Friedrich Sobol, Vorstand von ElectronicPartner. Zudem ist EP am Online-Händler Notebooksbilliger.de beteiligt. Quelle: PR


Was bei manchen Kunden gut ankommt, stößt stationären Einzelhändlern sauer auf. Zum einen haben die Online-Portale einen enormen Wettbewerbsvorteil: Über die App sind sie immer in der Hosentasche der Kunden dabei und jeder Zeit abrufbar. Spontankäufe auf offener Straße sind kein Problem mehr. Und selbst wenn der Kunde nicht kauft, bekommt der Onlinehändler Informationen über den persönlichen Geschmack des App-Nutzers.

Zum anderen sind die Einzelhändler nicht mal mehr im eigenen Geschäft vor den Online-Angreifern sicher. Im schlechtesten Fall läuft das für den Ladenbesitzer so: Er macht die Werbung für ein Kleid, legt es aus, inszeniert es - und berät den Kunden. Der sagt artig Danke und zückt dann sein Smartphone, um das Kleid oder ein ähnliches im Netz zu suchen. Schließlich sind die Online-Anbieter sind mitunter günstiger und liefern direkt nach Hause.

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Noch ist der Prozentsatz der Kunden, die sich erst im Geschäft informieren und dann im Netz kaufen gering. Laut dem Handelsverband Deutschland liegt er bei rund elf Prozent. Je einfacher aber die Bedienung der Apps und je präziser die Produktempfehlung, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden davon Gebrauch machen.

Handelsexperten sprechen dem Multi-Channel-Ansatz, also der intelligenten Vermengung von stationärem und Online-Services, schon lange hohe, wenn nicht zukunftsweisende, Bedeutung zu. Mit den Apps gleichen die Onlineshops dabei ihre große Schwäche aus: Durch die Anwendungen werden sowohl Straßen als auch Geschäfte zu den Showrooms der Internethändler. Sie selbst müsse dafür nicht einmal viel Geld in die Hand nehmen.

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